Zweites Gutachten erst in Ausschreibung

"Nazi-Teer": Abrissgegner gewinnen viel Zeit

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Wendeschleife der Kehlsteinwege am Aussichtspunkt Klingeck.
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Berchtesgaden - Die Gegner der Abrisspläne für die Kehlsteinwege waren froh: Ein zweites Gutachten über den giftigen Teer verzögert alles. Wann kommen Ergebnisse und was soll das Gutachten leisten?

Eine Protestkundgebung schien nichts geholfen zu haben, eine Petition im Landtag wurde abgelehnt - doch als Ende April Landrat Grabner zum "Runden Tisch" lud, gab es wieder Hoffnung für die Gegner der Abrisspläne: Eigentlich empfahl ein erstes Gutachten längst, die Wege mit giftigem Teer aus der Nazi-Zeit abzureißen und zu entsorgen. Es kam anders: Die Kehlsteinwege sollten in einem zweiten Gutachten nochmal auf ihr Gefährdungspotenzial für Mensch und Umwelt hin untersucht werden.

Die schwarzen Spuren zeigen, wie weit der giftige Teer aus der Nazi-Zeit schon in den Boden eingedrungen ist.

Doch was genau soll dieses neue Gutachten liefern? Die Meinungen von Staatsforsten auf der einen Seite und Abrissgegner um SPD und Grüne auf der anderen Seite gingen auseinander. Ursprünglich sollte aus dem Gutachten ein Vorschlag für die Sanierungsmaßnahmen der Wege gemacht werden: Abriss oder Versiegelung. Doch die Bürgerinitiative will noch mehr, es sollen zusätzlich Varianten geprüft werden, ob und inwieweit die Wege künftig forstwirtschaftlich genutzt werden sollen. Wie der Berchtesgadener Anzeiger berichtet, wollten die Staatsforsten für die zusätzliche Untersuchung nicht aufkommen - diese Kosten trägt nun die Bürgerinitiative. Immer wieder bemängelten die Kritiker nämlich, dass der Teer aus den 1930er Jahren nur durch die intensive Nutzung der Staatsforsten kaputt geworden sei.

Gegner haben viel Zeit gewonnen

Fest steht, dass die Bürgerinitiative durch das zweite Gutachten Zeit gewonnen hat. Viel Zeit, um genau zu sein: Eigentlich wollten die Staatsforsten im Mai die Abrissarbeiten beginnen lassen, im Oktober sollte alles erledigt sein. Auch als Georg Grabner das zweite Gutachten in die Wege leitete, meinte der Landrat: "Ich gehe davon aus, dass wir noch im Herbst anfangen können, die Wege zu sanieren."

Doch auch dieser Zeitrahmen scheint inzwischen unrealistisch: Die Ausschreibung für das zweite Gutachten läuft erst, ein Termin für den zweiten "Runden Tisch" steht noch nicht. Bis die Staatsforsten dem Landratsamt dann den nächsten Sanierungsvorschlag vorlegen, wie auch immer er aussehen wird, wird noch einige Zeit verstreichen. Angesichts des sich nähernden Winters wird also noch mindestens ein halbes Jahr vergehen, bis am Kehlstein die erste giftige Teerschicht verschwindet - oder eben versiegelt wird. Die Kritiker dürfte es freuen.

xe

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