Wirtschaftsstandort BGL ist stabil

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Dr. Birner

Berchtesgaden - Zu diesem Thema hatte sich die Freie Wählergemeinschaft (FWG) Berchtesgadener Land den Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) BGL, Herrn Dr. Thomas Birner, eingeladen.

Zunächst gab Dr. Birner einen Überblick über die Aktivitäten der WFG im vergangenen Jahr 2010.

Über 600 Beratungen und Projekte wurden 2010 von der WFG BGL betreut und begleitet. Neben der Beratung zu Fördermittelprojekten war auch Durchführung von Seminaren im Rahmen der Qualitätsoffensive Berchtesgadener Land ein Schwerpunkt. Weiter betonte Dr. Birner bei der Bewertung der wirtschaftlichen Situation des Landkreises BGL, dass er tatsächlich nicht so schlecht dastehe, wie er oft gesehen werde. So sei beispielsweise bei der Arbeitslosigkeit der Landkreis BGL unter den TOP 20 in der Bundesrepublik Deutschland. Auch die Zukunftsfähigkeit, welche jährlich durch ein unabhängiges Institut untersucht werde, ist durchaus gegeben. „So befindet sich unser Landkreis tatsächlich im ersten Drittel der mehr als 400 untersuchten deutschen Landkreise.
Dass die südbayerischen Landkreise dabei regelmäßig die Spitzenplätze einnähmen, sei nicht verwunderlich; die sich stark entwickelnden Metropolregionen wie München, Nürnberg etc. seien die Magneten dabei. „Dieser Hintergrund erkläre, dass sich unser Landkreis nur im oberbayerischen Vergleich nicht im Vorderfeld befinde“, so Dr. Birner. Dies sei aber vor allem der relativen Randlage zu den Zentren und an den Alpen zuzuschreiben; die Kommunen um die großen Städte hätten natürlich große Standortvorteile.

Allgemein gilt es festzustellen, dass das Berchtesgadener Land eine sehr stabile und heterogene Wirtschaftsstruktur aufweise, was von den Bürgern leider viel zu wenig wahrgenommen werde. Im Zuge der Wirtschaftskrise habe kein Betrieb Insolvenz anmelden müssen. Zwischenzeitlich sei leider auch im Berchtesgadener Land das Thema Fachkräftemangel massiv angekommen. Lösungen dafür sind jedoch nicht so einfach zu finden, da bei höheren Lebenshaltungskosten in der Region das Lohnniveau nicht höher sein könne als in anderen Regionen. Negativ wirkten sich auf die Wirtschaftswelt auch hohe Flächenpreise und die wenigen geeigneten Flächen aus.

Bedenklich empfand Dr. Birner das wieder zunehmende „Kirchturmdenken“ in den einzelnen Gemeinden. Zu oft schauten einzelne Gemeinden nur auf den eigenen Vorteil, auch auf Kosten von benachbarten Kommunen. In einem detaillierten Exkurs beleuchtete Dr. Birner noch viele aktuelle Themen von der Breitbandversorgung in den Gemeinden bis zur Stärkung regenerativer Energien durch Abbau hausgemachter Hemmnisse und Ausbau von Einsparpotentialen.

In der lebhaften Diskussion ging es vor allem um die Perspektiven für das Gewerbe in der Region. Die vielfach erträumten Ansiedelungen von neuen Wirtschaftsbetrieben seien sehr schwierig, weil diese zum Großteil Standorte in den Metropolen nachfragen. In zweiter Linie erst seien dann Kompetenzregionen mit Schwerpunkten durchaus gefragt. Daneben sind zwingend kostengünstige Produktionsstandorte präferiert. Alle diese Voraussetzungen könne das Berchtesgadener Land kaum vorweisen. Ein kleiner Ausweg aus dieser Situation kann nur über den Auf- und Ausbau von Kompetenzfeldern stattfinden.

Gerade im Bereich der Gesundheitswirtschaft, Feinmechanik und Satellitennavigation bestehen bereits derartige Kompetenzen, welche aber auch erhalten und weiter ausgebaut werden müssen. Diese Wirtschaftsbereiche könnten in Zukunft ein wesentliches Standbein für Gewerbe in unserer Region sein. Die neue Satellitennavigation „Galileo“ biete eine sehr große Chance, neue Betriebe anzusiedeln und die Wirtschaftskraft zu erhöhen.

Konkret gab Dr. Birner den anwesenden Mandatsträgern mit auf den Weg, die Flächenperspektiven für Neuansiedelungen und Betriebserweiterungen zu verbessern. Dabei sei der Pflege der bestehenden Unternehmen der gleiche Rang einzuräumen wie der Ansiedelung neuer Betriebe. Diese Betriebe bräuchten oft mehr Flächen in unmittelbarer Nähe des Unternehmensstandortes. Dringend zu verbessern sei auch die Unternehmerfreundlichkeit. Diese drücke sich auch dadurch aus, dass bei größeren Baumaßnahmen nicht permanent sich Bürgerinitiativen gegen jedes Projekt bildeten. Das sei bei Betrachtung von Einzelinteressen zwar durchaus verständlich, für eine positive Entwicklung der Wirtschaft jedoch schädlich.

Birner hob auch hervor, dass ebenso wichtig für viele Unternehmen die Anbindung an überregionale Verkehrswege in Europa und in die Welt sei. Dazu wurde in der Diskussion auch der geplante Containerterminal im Gemeindebereich von Teisendorf angesprochen. „Ein derartiges Terminal ist nicht nur für Verlagerung von regionalem Verkehr auf die Schiene wichtig, sondern fördert auch als Schlagader unmittelbar die regionale Wirtschaft“, positionierte sich der Geschäftsführer der WFG klar. Er stellte auch klar, dass die positiven Auswirkungen eher mittelfristig zu sehen seien und man nicht gleich im Umfeld einen großen Gewerbeboom erwarten dürfe.

Pressemitteilung Freie Wählergemeinschaft (FWG)

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