Wasserwacht bei 57 Einsätzen gefordert

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Landkreis - Die vier Ortsgruppen der BRK-Wasserwacht im Landkreis waren im vergangenen Jahr bei insgesamt 57 Einsätzen gefordert. Der Einsatzschwerpunkt lag im Süden.

Unter den Einsätzen waren 30 Rettungsbooteinsätze, zwei Taucheinsätze, vier Canyon-Einsätze, zwölf Vermisstensuchen, drei Totenbergungen, zwei Sachbergungen, eine Fahrzeugbergung und vier medizinische Erstversorgungen an Land. Der Einsatzschwerpunkt lag eindeutig im südlichen Landkreis, wo allein das Rettungsboot am Königssee 25 Mal ausrücken musste.

Bei der Jahreshauptversammlung der Kreis-Wasserwacht im Reichenhaller BRK-Haus blickten Vorsitzender Rudolf Schierghofer, sein Technischer Leiter Siegfried Hauber und Jugendleiterin Tanja Hager auf ein außergewöhnliches Jahr zurück, das vor allem von drei Highlights geprägt war: Der Indienststellung des neuen Rettungsboots am Königssee, der Inbetriebnahme eines mobilen Sonargeräts zur punktgenauen Ortung Versunkener und der Eröffnung des neuen Sportbads an der Therme, in dem die Reichenhaller Wasserwacht nun endlich wieder trainieren und den Nachwuchs ausbilden kann.

Mit dem Wasserrettungsdienst im Landkreis sind rund 100 ehrenamtliche Rettungsschwimmer der BRK-Wasserwacht gesetzlich beauftragt, die 2011 mehr als 13.500 Stunden an Freizeit für die Allgemeinheit geopfert haben. Insgesamt sorgen im Berchtesgadener Land vier selbständige Wasserwacht-Ortsgruppen für die Sicherheit an Seen, Flüssen und in Schwimmbädern, zu denen rund 1700 aktive und fördernde Mitglieder gehören. In Bad Reichenhall, Berchtesgaden, Freilassing und Laufen stellen die Ehrenamtlichen zudem je eine Schnell-Einsatz-Gruppe-Wasserrettung (SEG), die 2011 42 Mal ausrücken mussten. Die jüngste SEG ist in Laufen stationiert und dank eines eigenen Einsatzfahrzeugs mittlerweile auch wie die anderen mobil. Im Bereitschafts-, Sanitäts- und Wachdienst an den Badeseen und in den Schwimmbädern hat die BRK-Wasserwacht 2011 2873 ehrenamtliche Stunden geleistet; zusätzlich weitere 2343 Stunden im Landrettungsdienst. Aus- und Fortbildung schlagen mit 6161 Stunden zu Buche. „Zum Jahresende hätte sich die Zahl der Wasserrettungseinsätze eigentlich noch um zwei Stück erhöht, wir wurden aber aus nicht nachvollziehbaren Gründen nicht alarmiert. Um in Zukunft solche unklaren Situationen zum Wohl der Menschen, die wirklich Hilfe brauchen zu vermeiden, arbeiten wir konstruktiv und vertrauensvoll mit der Integrierten Leitstelle Traunstein zusammen und versuchen, eine reibungs- und lückenlose Abwicklung der Alarmierung sicherzustellen“, erklärte der Technische Leiter der Kreis-Wasserwacht, Siegfried Hauber in seinem Jahresrückblick.

2011 war vor allem geprägt von bedeutenden Neuanschaffungen für die Wasserwacht, darunter das neue, leistungsfähige, rund 210.000 Euro teure Rettungsboot am Königssee, mit dem in erster Linie Patienten vom rund acht Kilometer entfernten St. Bartholomä zur Seelände gefahren werden, ein mobiles Sonargerät für die Ortsgruppe Laufen, das im Einsatzfall im ganzen Landkreis unabhängig von der Wasserqualität die rasche Ortung versunkener Personen und Gegenstände ermöglicht, ein neuer, vielseitiger Boots- und Materialanhänger, weitere Trockentauchanzüge für Arbeiten in kontaminiertem Wasser und zwei Hebeballons mit je einer Tonne Tragkraft für die Ortsgruppe Bad Reichenhall. „Personal- und zeitintensive Sucheinsätze mit vielen Rettungstauchern unter Wasser gehören Dank des Sonargeräts in Zukunft wohl weitgehend der Vergangenheit an“, freute sich Hauber. Nach der Ortung genügt in der Regel ein Tauchtrupp, um die Bergung durchzuführen.

Die Wasserwacht hat den Landkreis in drei Einsatzbereiche - Nord, Mitte und Süd - unterteilt. Wenn etwas passiert, dann schickt die Leitstelle Traunstein in der Regel immer zwei SEG´n und den Einsatzleiter Wasserrettungsdienst los, der die Zusammenarbeit aller Einsatzkräfte und Organisationen, die am Wasser arbeiten, koordiniert und mit der Novellierung des Bayerischen Rettungsdienstgesetztes offiziell wurde. Alle Einsatzleiter wurden 2011 nach erfolgreich absolvierten Lehrgängen in ihr Amt berufen; in den Bereichen Nord und Süd verfügen Christoph Scharf und Franz Kurz bereits über ein Funkgerät und eine Sondersignalanlage in ihren Privatfahrzeugen, um im Ernstfall unabhängig von der SEG zum Einsatzort zu gelangen und schnell handeln zu können. „Wir arbeiten daran, dass auch die anderen Einsatzleiter gleich ausgestattet werden“, erklärte Hauber.

Jahreshauptversammlung vom BRK

In den Ortsgruppen sorgen die jeweiligen Technischen Leiter für eine fundierte und nachhaltige Aus- und Fortbildung der Aktiven. 2011 fanden unzählige Kurse statt, unter anderem im März eine Pflichtfortbildung für Rettungstaucher, im April eine Praxisschulung zum Thema Strömungstauchen, eine Frühdefi- und Wiederbelebungsschulung, ein Abschlusslehrgang für Krisenintervention, an der auch einer Wasserretterin teilnahm, im April ein Motorbootkurs, bei dem sich zwei erfahrende Bootsführer zum Hilfsausbilder qualifizierten, im Mai ein Sanitätskurs für die angehenden Wasserretter, die danach im Juni und Juli ihre Grundausbildung für den Wasserwacht-Dienst durchliefen. Anfang Juni trainierte die Canyon-Rettungsgruppe in den Schluchten und Klammen hoch über dem Gardasee und im Frühsommer fand erneut der Landeslehrgang zur Fließgewässerrettung im Berchtesgadener Land statt. Ebenfalls im Juni veranstaltete die Ortsgruppe Berchtesgaden eine Nachtübung im Fließgewässer. Bei der Kreis-Wasserwacht-Übung im Herbst an der Saalach bei Freilassing mussten alle Ortsgruppen zusammenarbeiten, um gleich mehrere Verletzte aus dem Wasser zu retten und zu versorgen. Nur eine Woche zuvor nahm ein Tauchtrupp aus dem Landkreis an einer Großübung des Wasserrettungszugs Oberbayern in Ingolstadt teil. Immer mehr Kurse, wie zum Schwimmausbilder und zum Schwimmhelfer werden im Landkreis absolviert, um Reise-, Verpflegungs- und Übernachtungskosten zu sparen. Im November konnten die Canyon-Retter an der Gebirgsflugausbildung im Hubschraubersimulator der Bergwacht Bayern in Bad Tölz teilnehmen.

„Unsere Aufgabe ist es, dem Ertrinkungstod vorzubeugen, unter anderem mit vielen Anfängerschwimmkursen, in denen wir die Grundlagen vermitteln. Danach sind die Eltern gefordert, mit ihrem Nachwuchs auch regelmäßig schwimmen zu gehen, denn jedem muss klar sein, dass ein Kind nach zwölf Unterrichtseinheiten noch kein perfekter Schwimmer ist!“, mahnte Kreis-Wasserwacht-Chef Rudi Schierghofer. Für viele sei es selbstverständlich geworden, dass es immer jemand anderen geben müsse, der sich um die eigenen Probleme kümmert. „Ohne regelmäßiges Training geht es aber nicht!“ Laut Schierghofer sollte jeder die Verantwortung daher wieder mehr bei sich selbst suchen, denn obwohl die Dienste der Wasserwacht für alle selbstverständlich seien, bräuchten die ehrenamtlichen Retter auch die Mithilfe der Bevölkerung: „Wenn unsere Kinder wieder viel mehr schwimmen gehen dürfen, um das Erlernte zu üben, können sie Gefahren besser einschätzen und werden so manch einer Gefahr gar nicht erst begegnen.“ Die Präventionsarbeit ist die wichtigste Strategie der Wasserwacht im Kampf gegen den Ertrinkungstod. „Leider geht auch die Bereitschaft zum Erwerb von Rettungsschwimmabzeichen seit Jahren zurück“, bedauerte Schierghofer. Fast nur noch Angestellte von Bädern oder andere, die die Abzeichen beruflich brauchen, würden sich zu Rettungsschwimmern ausbilden lassen.

Der Erfolg bleibt ungebrochen: Seit über zwei Jahrzehnten schwimmen die heimischen Kinder und Jugendlichen beim Schulschwimmwettbewerb der BRK-Wasserwacht bayernweit ganz vorne mit und belegen durch die Bank Spitzenplätze. Die besten Schwimmer im Schuljahr 2010/2011 kommen aus Marktschellenberg, Berchtesgaden, Ainring-Feldkirchen, Bischofswiesen, Freilassing, Schönau und Ramsau. Grund für die herausragende Teilnahme ist eine landkreisinterne Siegerehrung, die der heutige Kreis-Wasserwacht-Chef Rudolf Schierghofer vor 23 Jahren eingeführt hatte, um den Nachwuchs zusätzlich zu motivieren. Die gute Idee trug Früchte, denn im Schuljahr 2010/2011 kommen mit 90 Klassen und 1836 Kindern und Jugendlichen stolze 42 Prozent aller Teilnehmer auf Landesebene aus dem Berchtesgadener Land. Das Motiv, warum die BRK-Wasserwacht so viel Aufwand betreibt und den Wettbewerb seit über einem halben Jahrhundert organisiert, ist einfach: „Je mehr Kinder gut schwimmen können, desto weniger passiert an den Gewässern; Prävention ist eine unserer wichtigsten Aufgaben“, erklärte der Wasserwacht-Vorsitzende. „Da das neue Sportbad an der Therme noch nicht fertig war, konnten die ehemals sehr erfolgreichen Schulen aus Bad Reichenhall und Piding leider wieder nicht am Wettbewerb teilnehmen, was sich heuer sicher ändern wird“, hofft Schierghofer.

Mit einem abwechslungsreichen Programm engagiert sich die BRK-Wasserwacht seit Jahrzehnten auch in der Jugendarbeit und begeistert den Nachwuchs für den Schwimmsport und die Wasserrettung: 2011 waren insgesamt 149 Kinder und Jugendliche Mitglied in den vier Wasserwacht-Ortsgruppen des Landkreises; das sind nahezu genauso viele wie 2010 (150). Von 2009 auf 2010 war die Zahl um 38 stark gesunken. Jugendleiterin Tanja Hager berichtete von den zahlreichen Aktivitäten der Sechs- bis 16-Jährigen, die von Hüttenwochenenden über Zeltlager und Schlauchbootfahrten bis hin zum aktiven Dienst an der Seite erfahrener Wasserretter an den Wachstationen reichten. Bei eigenen Fortbildungsterminen trainierte der Nachwuchs unter fachkundiger Anleitung regelmäßig Schwimmtechnik und Kondition, den Umgang mit der Basisausrüstung für Sporttaucher, Knotenkunde sowie Inhalte aus dem Naturschutz und der Ersten Hilfe. Im engen Schulterschluss aller vier Ortsgruppen im Landkreis war für die Wasserwacht-Jugend mit gleich mehreren Veranstaltungen viel geboten: Unter anderem fand im April am Thumsee eine große Jugendübung statt und im Juli gab es viel Spaß bei einem Raftingausflug auf der Saalach.

Kreis-Wasserwacht-Chef Rudolf Schierghofer zeichnete Wolfgang Hauber für 25-jährige aktive Mitarbeit in der BRK-Wasserwacht aus. Hauber ist seit vielen Jahren ein besonders engagierter Wasserretter, kümmerte sich jüngst um den Ausbau des neuen Reichenaller Boots- und Materialanhängers und arbeitet in der Canyon-Rettungsgruppe mit. Bad Reichenhalls dritter Bürgermeister Sebastian Renoth, der neue Sachgebietsleiter für Öffentliche Sicherheit im Landratsamt, Christian Aschauer, der Ehrenpräsident der Salzburger Wasserrettung, Fritz Krippel, Hermann Hajek von der Polizeiinspektion Bad Reichenhall, Kreisbrandinspektor Stefan Pfnür, August Hacker von der DLRG Teisendorf, THW-Ortsbeauftragte Sandra Huber, der stellvertretende Vorsitzende der Wasserwacht Oberbayern, Alexander Schwarz und der Ehrenvorsitzende der Kreis-Wasserwacht, Alfons Kandler lobten die heimischen Wasserretter für ihren geleisteten Dienst und die geopferte Freizeit. „Bei uns im Land Salzburg sieht die Situation ähnlich wie im Berchtesgadener Land aus: Bäder werden geschlossen oder in Spaßbäder umfunktioniert und Kinder haben immer weniger Möglichkeiten, richtig zu trainieren. Das wirkt sich langfristig auch auf unsere Nachwuchsarbeit aus; wir werden alle ein wenig kürzer treten müssen“, bedauerte Krippel in seinem Grußwort.

ml (BRK-BGL)

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