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"Nazi-Teer": Auch Freistaat will ihn nicht mehr

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Die Deckschicht und der Straßenunterbau mit eingedrungenem Teer, erkennbar am geschwärzten Gestein. Der Meterstab zeigt 40 Zentimeter. Etwa in dieser Größenordnung soll der Belag abgetragen werden.

Berchtesgaden/München - Die Gegner der Sanierungsmaßnahmen versuchen es auch im Parlament: Die Initiative eines SPDlers macht aber wenig Hoffnung, dass der giftige Teer am Kehlstein bleiben könnte.

Grüne und SPD im Landkreis stemmen sich gegen die Pläne der Forstbetriebe: Der giftige Teer, mit dem die Nebenwege am Obersalzberg während der NS-Zeit asphaltiert wurden, soll in diesem Sommer weggerissen werden. Erst am vergangenen Freitag kamen rund 250 Zuhörer zu einer Informationsveranstaltung der Kritiker nach Berchtesgaden, auch eine Demo vor den Staatsforsten wurde schon abgehalten - doch wie es scheint hilft alles nichts.

Nun versuchte es die örtliche SPD über ihren Betreuungsabgeordneten im Landtag, Herbert Kränzlein. Er startete eine Anfrage beim Forstministerium. Doch die Antwort von Minister Helmut Brunner dürfte den Kritikern wohl wenig Hoffnung machen.

Denkmalschutz?

Kränzlein wurde nun mitgeteilt, dass auch den Nebenwegen im Kehlsteingebiet vom Landesamt für Denkmalpflege "keine Denkmaleigenschaft zukommt". Für die große Straße auf den Obersalzberg gilt der Denkmalschutz - die Kritiker der Sanierungsmaßnahmen meinen dagegen, dass dies auch auf die kleineren Wege zutreffen sollte.

Neue Teerschicht?

Ein weiterer Vorschlag lautet immer wieder: Frisch überteeren und versiegeln statt abreißen. Dies würde außerdem die Kosten in Millionenhöhe für Abriss und Abtransport sparen. Doch bei dieser Idee verweist das Ministerium in München nur auf das Landratsamt: Der Bescheid aus Bad Reichenhall lautete "geeignete Maßnahmen zu finden, um den Teer quantitativ zu entfernen", da die giftigen Stoffe (Polyzyklische aromatisierte Kohlenwasserstoffe) in das Quellwasser vordringen könnten.

Der Markt Berchtesgaden ging bereits auf Nummer sicher: Für die Zeit der Bauarbeiten wird man auf das Trinkwasser der Scharitzkehlquelle am Obersalzberg lieber verzichten. "Durch eine Überdeckung der Teerdecke mit einem nach oben abschottenden Material würde das Problem damit nicht gelöst, sondern nur zeitlich verschoben", lässt das Forstministerium verlauten.

Zu hohe Kosten?

Die dritte Frage von Herbert Kränzlein schmettert Minister Brunner vollends ab: "Ist der Kostenaufwand von berechneten 40 Millionen Euro auch dann noch wirtschaftlich sinnvoll, wenn die Wege nach Angaben des Forstamtes Berchtesgaden künftig nicht einmal jährlich zur Holzgewinnung benutzt werden sollen?"

Weder die Aussage über die Kosten, noch die Aussage der "nicht einmal jährlichen" Nutzung kann aus München bestätigt werden. Auch wenn die Kosten noch schwer zu beziffern sind - noch liegen keine Angebote aus den Ausschreibungen vor - rechnen die Staatsforsten mit einem einstelligen Millionenbetrag.

xe

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