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Beim Verein „Haus und Grund Berchtesgaden“

Zukunft mit „Hängen und Würgen“: Wie schwierig es ist, einen Vorstand zu finden

Christian Graßl Haus und Grund Berchtesgaden
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Mit “Hängen und Würgen” hat Christian Graßl Mitglieder für den Vorstand gefunden. Die Zukunft des seit Jahrzehnten bestehenden Vereins “Haus und Grund Berchtesgaden” stand auf Messers Schneide.

Berchtesgaden – „Wenn sich keiner bereit erklärt, lösen wir den Verein einfach auf”, sagt Christian Graßl sichtlich nervös. Mit Mühe und Not haben die Mitglieder des Vereins “Haus und Grund Berchtesgaden” während der Jahreshauptversammlung gerade noch die Kurve gekriegt, nachdem mehrere Vorstandsämter unbesetzt waren. Die Bereitschaft für das Ehrenamt ist beispielhaft niedrig.

570 Mitglieder zählt der Verein, der sich um die Belange von Haus- und Grundeigentümern kümmert. Für einen kleinen Ort wie Berchtesgaden gilt die Mitgliederzahl als ordentlich. Bei der Jahreshauptversammlung sind 22 Mitglieder erschienen. “Viel zu wenig”, attestiert Hans Kortenacker, der als Beirat fungiert.

Christian Graßl ist zweiter Vorsitzender, nun frisch gewählter Vorsitzender in Personalunion, nachdem der jahrelange erste Vorsitzende sein Amt aus persönlichen Gründen abgegeben hatte. Graßl führt nun alleine. Auch einen Schriftführer gibt es nicht, zudem fehlt der Kassier. Der Vorstand macht die Kasse. Das ist ungewöhnlich und sollte so nicht sein, urteilen die Mitglieder. “Als Beirat bin ich alles andere als begeistert, wenn wir keinen richtigen Vorstand haben”, sagt Beirat Hans Kortenacker. 

Christian Graßl wurde als zweiter Vorsitzender ins “kalte Wasser” geworfen, als er plötzlich den Verein kommissarisch führen musste und nun zum Vorsitzenden gewählt wurde. “Haus und Grund Berchtesgaden” ist Anlaufstelle in Eigentümerfragen. Eigentlich ist der Verein derzeit so wichtig wie seit langem nicht. Die Wohnraumproblematik und steigende Mietpreise sind Dauerthema in der Urlaubsregion. Die Mitgliederzahlen des Vereins: steigen langsam, aber doch stetig. “Bei mir klingelt oft das Telefon”, sagt Graßl. Im vergangenen Jahr hat er viel Zeit in die Vereinsarbeit gesteckt, damit es wenigstens einigermaßen weitergehen kann. Unterstützt wird der Verein von einem Rechtsanwalt, Walter Ritter, der seit drei Jahrzehnten Ansprechpartner ist, tatkräftig zur Seite stand. Walter Ritter will aber nun auch aufhören.

“Wenn wir den Vorstand nicht besetzen können, haben wir keinen Verein mehr”, sagt Beirat Hans Kortenacker. Ihm sei es ein Anliegen, dass das Ehrenamt nicht stirbt, sagt er. “Wir können Graßl doch jetzt nicht so hängen lassen.” Die Bereitschaft unter den Anwesenden, einen der unbesetzten Posten zu übernehmen, ist gering. “Würde sich jemand als Kassier oder Schriftführer bereit erklären”, fragt Kortenacker in die Runde. Reaktionen? Es herrscht Totenstille. “Es ist auch wirklich nicht viel Arbeit. Es gibt nur zwei Vorstandssitzungen pro Jahr.” Die Zuhörer schweigen weiterhin.

„Wäre wichtig, wenigstens einen Kassier zu haben”

“Es wäre wichtig für mich, wenigstens einen Kassier zu haben”, schiebt Christian Graßl nach. Es klingt wie der Griff nach dem letzten Strohhalm. Unbesetzt bliebe weiterhin der Schriftführerposten (“überschaubare Arbeit”). Noch viel wichtiger: das Amt des Stellvertreters, das auch noch unbesetzt ist. “Ich gebe euch jetzt fünf Minuten Zeit zum Nachdenken”, sagt Beirat Kortenacker in Richtung der Anwesenden. “Dann finden wir hoffentlich einen.” Rechtsanwalt Ritter sagt: “Die Satzung verbietet es nicht, dass stellvertretender Vorsitzender und Beirat eine Person sind.” Der Vorstand hätte dann zumindest eine gewisse “Außenwirkung”, wäre im Zweifelsfall aber nur “begrenzt handlungsfähig”. Würde kein vollständiger Vorstand zustande kommen, “könnten wir eine Eintragung beim Amtsgericht Traunstein kassieren”, sagt einer.

Beirat Hans Kortenacker hat bereits zahlreiche Ehrenämter inne. Er ist in vielen Vereinen vertreten. Kommt für ihn ein weiteres Vorstandsamt in Frage? Er überlegt, dann sagt er: “Ich bin ein Freund handlungsfähiger Vorstände. Ich würde es tun.”

Rechtsanwältin Anna-Julia Stumvoll, die Nachfolgerin von Walter Ritter ist, klärt sich schließlich bereit, das Amt der Schriftführerin zu übernehmen. “Kommissarisch würde ich die Kasse machen”, lässt sich auch Margarete Pfnür breitschlagen.  

Aufatmen unter den Anwesenden. Die Laune bleibt aber getrübt. “So etwas habe ich noch nie miterlebt”, sagt Hans Kortenacker, der etwas ratlos wirkt. Wie soll es nur weitergehen? “In den kommenden Jahren erwarte ich mir viel Arbeit, die auf mich und den Verein zukommen wird”, sagt schließlich Christian Graßl. Seine neu gewählten Kollegen erhoffen sich das nicht. 

kp

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