Thomas Kastner vom Kino Berchtesgaden über den neuen Öffnungsplan

Branche in Not: So geht es den heimischen Kinos

Kino Berchtesgaden
+
So voll wie bei der Star Wars Premiere 20219 wird das Kino Berchtesgaden erst einmal nicht besetzt sein.

Die Kinos sind die großen Verlierer in dieser Pandemie. Nach der jüngsten Ministerpräsidenten Konferenz scheint eine Öffnung in weite Ferne gerückt. Zumindest im Berchtesgadener Land. BGLand24.de hat mit Thomas Kastner, dem Inhaber des Kinos Berchtesgaden gesprochen wie es ihm geht und was er zum neuen Öffnungsplan sagt.

Berchtesgaden - „Die gute Nachricht zuerst: die Wiedereröffnung der Kinos ist explizit im Beschluss aufgegriffen worden. Wir freuen uns, dass Kinos somit als vergleichsweise sichere Orte eingestuft werden und sich unsere Schreiben an die Politik, Hintergrundgespräche und Pressearbeit ausgezahlt haben“, schließt sich Thomas Kastner, Inhaber des Kinos Bechtesgaden den Worten des deutschen Kinoverbandes an. „Damit sind wir, anders als beim ersten Lockdown, noch vor der Gastronomie erwähnt“, so der Kinobetreiber im Gespräch mit BGLand24.de.

Viele Fragen werden offengelassen

Dem gegenüber stehe jedoch ein sehr kompliziertes System zur Wiedereröffnung, welches viele Fragen offen lasse und die Hauptforderung der Kinobetreiber nach einem bundesweit einheitlichen Wiedereröffnungstermin weiterhin außer Acht lasse. Demnach ist eine Wiedereröffnung der Kinos frühestens ab dem 22. März 2021 möglich, in Abhängigkeit vom regionalen 7-Tage-Inzidenzwert. Bei einem über 14 Tage stabilen Inzidenzwert von unter 100 Neuinfektionen in sieben Tagen dürfen die Kinos wieder Gäste mit negativem tagesaktuellem Schnell- oder Selbsttest empfangen. Bei einer 7-Tage-Inzidenz von unter 50 ist kein negativer Schnell- oder Selbsttest nötig.

„Es bleibt jedoch völlig unklar, wie die Tests durchgeführt und die Ergebnisse dokumentiert werden sollen. Aus unserer Sicht darf die Durchführung oder Verifizierung von Tests nicht auf den Schultern der Kinos lasten“, schließt sich Kastner auch hier dem Verband an.

Langfristige Perspektiven sind ausgeschlossen

„Darüber hinaus soll es auch einen Notbremsenmechanismus geben, der alle Lockerungen zurücknimmt, sobald die Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen auf einen Wert von über 100 steigt. Langfristige Perspektiven sind dadurch ausgeschlossen. Und vor allem bei uns im Berchtesgadener Land, wo wir ohnehin gerade schon wieder über 100 sind und wo bei uns als Grenzregion unendlich viel getestet wird, ist es utopisch, dass wir bald an diese Zahl herankommen werden. Die Inzidenzwerte schwanken bei uns ja extrem. Das ganze Inzidenzwertsystem ist ja so empfindlich“, sagt der Kinobetreiber. Auch werde nicht ersichtlich, welche Auflagen die Kinos bei einer Wiedereröffnung einhalten müssen.

Am Mittwoch veröffentlichte das Staatsministerin für Kultur und Medien ein Eckpunktepapier, aus dem eine klare Empfehlung für eine Maskenpflicht am Sitzplatz und hohe Anforderungen an die Lüftungsanlagen hervorgehen. „Wie soll das dann funktionieren? Dann wäre ein Verzehr von Getränken, Popcorn usw. gar nicht mehr möglich“, sagt Kastner.

Hilfen kommen an, Filme bleiben aus

Trotz allen Unmuts kommen wenigstens die staatlichen Hilfen bei Kastner an. Es dauere aber alles. Bisher seien ein paar Hilfen angekommen, aber noch nicht alle. „Das ist der einzige Grund, warum es noch keine Pleitewelle bei den Kinos gibt“, sagt er. Ein weiteres Problem sei laut Kastner aber, dass es momentan gar keine Filme gibt. „Die Verleihungen starten unter diesen Voraussetzungen ja gar nicht.“

jb

Kommentare