Das Ende für die Telefonzellen

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Telekom will Telefonzellen abmontieren.

Berchtesgaden - Die Telekom macht Ernst. Sie wollen sechs Telefonzellen in der Nähe von wichtigen Einrichtungen abmontieren, obwohl Kinder und Senioren diese noch benötigen.

Nur wenig überrascht war Bürgermeister Franz Rasp, als er die Nachricht erhielt, die Telekom Deutschland wolle sechs öffentliche Telefonzellen aus dem Gemeindegebiet des Marktes Berchtesgaden abbauen lassen. Sechs Telefonhäuschen, die sich jeweils in der Nähe wichtiger öffentlicher Einrichtungen wie Grundschule und Bürgerheim befinden. Auch wenn die wirtschaftliche Relevanz fraglich scheint, irgendwie habe die Telekom ja doch die Aufgabe, Präsenz zu zeigen, so der Gemeindechef.

Klassische Telefonzellen? „Wo gibt es die denn schon noch“, fragt ein älterer Herr im Ortskern von Berchtesgaden, achselzuckend. Er selbst könne auf die Schnelle keine benennen. „Ich habe ein Handy“, sagt er, während er einen Einkaufsmarkt betritt. Außerdem: Die Telefonhäuschen hätten sich doch schon längst überlebt. Ähnlich sieht das auch Bürgermeister Rasp, selbst Handy-Nutzer. Und trotzdem meint er, dass Telefonzellen an bestimmten Orten nicht nur eine Daseinsberechtigung hätten, sondern zwingend notwendig seien. „Es gibt viele alte Menschen und Kinder, die noch nicht im Besitz eines Handys sind“, sagt er. Die aber trotzdem telefonieren müssten. Und dort klassisch mit Münzgeld bezahlen könnten. Und dann, im Fall der Fälle, wenn ein Telefonat notwendig wird, das Nachsehen hätten.

Seinen Unmut hat er der Telekom Deutschland bereits kundgetan, kürzlich während des Hauptausschusses im Rathaus die Ausschuss-Mitglieder darüber informiert. Dass er, der Bürgermeister, sich bereits per Anschreiben an den Telefonzellen-Betreiber gewandt und den geplanten Abbau moniert habe. Auch deshalb, weil sich alle sechs Häuschen in nächster Nähe zu wichtigen Einrichtungen befinden. Etwa in der Bräuhausstraße neben der Grund- und Mittelschule. Dort, wo täglich Hunderte Schüler ein- und ausgehen. Beim Bürgerheim, auch bei der Schießstättbrücke, wo sich Sportplatz, Sporthalle und Schwimmbad befinden. Es gäbe Telefonzellen, die weit weniger wichtig seien. Diese bleiben aber weiterhin in Verwendung. Ob der bürgermeisterliche Einsatz von Erfolg gekrönt sein wird, ist eher unwahrscheinlich. Die Telefoneinrichtungen sollen verschwinden. „Das wird in den nächsten Monaten passieren“, sagt Franz Rasp. Bei der Telekom Deutschland kann man sich auf Anfrage zum Sachverhalt nicht äußern. Unklar sei die Zuständigkeit, so eine Dame am Telefon. Denn Telefonzellen seien heutzutage ja eher eine Seltenheit.

kp

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