"Ins Tal der Adler"

Heimische Steinadler nicht mehr bedroht

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Durchwachsene Bilanz für Steinadler im Nationalpark Berchtesgaden
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Berchtesgaden - Fünf Praktikanten sind den Steinadlern im Nationalpark Berchtesgaden täglich auf der Spur, um aktuell bebrütete Horste zu finden und den Bruterfolg zu protokollieren.

Fernglas, Spektiv und Datenerhebungsbögen sind derzeit ihre wichtigsten Arbeitsgeräte – bei der unermüdlichen Suche sind Geduld, Artenkenntnis und ein kleines Quäntchen Glück unerlässlich: Fünf Praktikanten sind den Steinadlern im Nationalpark Berchtesgaden und angrenzenden Gebieten täglich auf der Spur, um aktuell bebrütete Horste zu finden und den Bruterfolg zu protokollieren. 15 Reviere zählen zu ihrem Beobachtungsgebiet, mehrere aktuell bebrütete Horste hat das Team bereits gefunden.

Durchwachsene Bedingungen für die Jungtiere

Der junge Steinadler im Klausbachtal hat die Schlechtwetterphase Anfang Juni letzten Jahres nicht überlebt, er starb an Unterkühlung.

„Im Klausbachtal brüten die Adler erstmals seit 2009 wieder in einem Felshorst“, erklärt Tonio Schaub, Student der Landschaftsökologie in Greifswald. „Damit erhöhen sich die Chancen auf eine erfolgreiche Brut ganz erheblich!“. Im vergangenen Jahr hatte das Steinadlerpaar aus dem Klausbachtal Pech: Zur Brut hatten sie 2013 einen gegen Regen und Schnee nur schlecht geschützten Baumhorst gewählt. Den starken und lang andauernden Regen Anfang Juni hatte der Jungvogel nicht überlebt: Er starb an Unterkühlung. „Der Tod des Jungvogels war zwar tragisch, hatte aber auf den Gesamtbestand der Steinadler in der Region keine negativen Auswirkungen“, beruhigt Toni Wegscheider, Auftragnehmer des Steinadlerprojekts. „Derzeit sind alle Reviere in den Alpen besetzt, der Steinadler steht bei uns aktuell nicht auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten“. Dennoch ist ein „Monitoring“, wie die Wissenschaftler das systematische Beobachten, Erfassen und Bewerten der Steinadlerbestände nennen, sehr wichtig für den Fortbestand der Art: „Derzeit geht es den Adlern gut. Wenn sich die Voraussetzungen aber ändern, dann wird der Steinadler dies bei uns am Rande seines Verbreitungsgebietes am ehesten zu spüren bekommen. Daher ist das Monitoring gerade in den Berchtesgadener Alpen als Frühwarnsystem besonders wichtig“, erläutert Ulrich Brendel, der gemeinsam mit Jochen Grab das Steinadlerprojekt des Nationalparks seit vielen Jahren leitet. Für den Erfolg des langjährigen Projektes sind jedoch nicht nur kompetente Wissenschaftler sondern auch engagierte und motivierte Praktikanten unerlässlich. „Ich möchte einen kleinen, persönlichen Teil dazu beitragen, dass die Steinadler in den bayerischen Alpen dauerhalft erhalten bleiben und geschützt werden“, so Praktikant Tonio Schaub über seine Motivation zur Mitarbeit im Projekt.

Erste Bruterfolge zu verzeichnen

Fest im Blick hat das Adlerteam rund um Toni Wegscheider (r.) den aktuell besetzten Steinadlerhorst im Klausbachtal.

Von den 15 beobachteten Steinadlerpaaren im Nationalpark und in der direkten Umgebung gibt es für die aktuelle Brutsaison bereits Positives zu vermelden: „Im Klausbachtal und im Wimbachtal brüten die Adler bereits, auch in den Revieren Ettenberg und Untersberg hat die Eiablage stattgefunden“, freut sich Sören Greule, Praktikant aus Calw bei Stuttgart. Der 25-jährige Biogeoanalyse-Student ist noch bis Mitte Juli Teil des Steinadler-Teams und freut sich, auch interessierte Einheimische und Gäste in die Geheimnisse der Steinadler des Nationalparks einweihen zu dürfen: „Das ganze Jahr hindurch bieten wir jeden Donnerstag geführte Wanderungen zu den Steinadlern im Klausbachtal an. Die Touren beginnen bis Ende April um 11 Uhr, ab Mai dann um 10 Uhr an der Nationalpark-Informationsstelle Hintersee.“ Und Praktikanten-Kollege Tonio Schaub ergänzt: „Bei unseren Führungen liegt die Chance, tatsächlich einen Adler zu sehen, im Jahresdurchschnitt bei 75 Prozent. Wenn wir den Horst wie hier im Klausbachtal kennen, dann sind es sogar 90 Prozent“. Knapp 1.400 Gäste und Einheimische haben 2013 an den Führungen „Ins Tal der Adler“ teilgenommen, die Besucherzahlen steigen seit Jahren kontinuierlich. Die Teilnahme an den Führungen ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Informationen gibt es unter www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de.

Vier von 15 Vögeln haben überlebt

Die Steinadler-Projektleiter Ulrich Brendel (l.) und Jochen Grab (r.) überreichen gemeinsam mit Nationalpark-Leiter Dr. Michael Vogel (2.v.l.) den aktuellen Steinadler-Jahresbericht an Korbinian Stanggassinger (2.v.r.), 1. Vorstand der Berchtesgadener Drachenflieger

Zu Beginn der Brutsaison 2014 stellen die Mitarbeiter des Steinadlerprojektes alljährlich den Bericht der vorjährigen Brutsaison vor. Den knapp 40-seitigen Jahresbericht gibt es auf der Webseite des Nationalparks zum Herunterladen. Ulrich Brendel fasst zusammen: „Im Untersuchungsjahr 2013 sind in den 15 beobachteten Revieren in Bayern und Österreich insgesamt vier Jungvögel ausgeflogen. Dieses Ergebnis liegt etwas unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Erfolgreich gebrütet haben die Steinadlerpaare in den Revieren Wimbachtal, Röthelmoos, Reith und Bluntautal.“ Gar nicht mit der Brut begonnen haben im vergangenen Jahr die Adler in den Revieren Sonntaghorn, Hoher Staufen, Wachterl, Saalach, Glunkerer, Hoher Göll und Blühnbachtal. Brutabbrüche gab es in den Revieren Untersberg, Ettenberg, Hochkranz und Klausbachtal. „Wir führen die Brutabbrüche in erster Linie auf das sehr schlechte Wetter zu Beginn der Brutsaison zurück“, erläutert Jochen Grab. Nationalpark-Ranger bargen den verendeten Adler aus dem Klausbachtal aus dem Horst. Nach umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen wurde der Jungvogel präpariert und ist nun im neuen Nationalparkzentrum „Haus der Berge“ in Berchtesgaden zu Umweltbildungszwecken ausgestellt.

Für 2014 hoffen die Steinadler-Experten der Nationalparkverwaltung auf bessere Voraussetzungen für die „Könige der Lüfte“. Derzeit schaut es gut aus: In den Revieren Klausbachtal, Wimbachtal, Untersberg und Ettenberg haben die Adler bereits mit der Brut begonnen, die Eiablage ist erfolgt. Die Praktikanten unter der Anleitung von Toni Wegscheider lassen die Horste nicht aus den Augen, um den Bruterfolg lückenlos dokumentieren zu können. „Wenn alles gut geht, werden die jungen Adler ihre Horste Ende Juli, Anfang August verlassen. So lange sind wir hier im Dauereinsatz“, erklärt Tonio Schaub, der bis Ende August im Nationalpark Berchtesgaden bleiben wird.

Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Sport

Das Steinadlerprojekt im Nationalpark Berchtesgaden hat eine lange Tradition. Bereits seit Beginn der 1980er Jahre wird diese Tierart sowohl innerhalb des Schutzgebietes als auch außerhalb systematisch beobachtet. Jochen Grab weiß um die Bedeutung der langen Datenreihen: „Ziel des Projektes ist es unter anderem, den Erhaltungszustand der Steinadler einschätzen zu können und die Daten anwendungsorientiert anzuwenden.“ Ein Vorzeigeprojekt ist die Kooperation mit dem Deutschen Hängegleiterverband und dem Deutschen Aeroclub e.V. Das gemeinsame Projekt „Luftige Begegnungen“ zum Schutz von Greifvögeln in den Bayerischen Alpen wurde 2013 mit einem Preis der Vereinten Nationen anlässlich der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet. Auch in Berchtesgaden läuft die Zusammenarbeit zwischen Naturschützern und Natursportlern gut, mit den Gleitschirmfliegern ebenso wie mit den Berchtesgadener Drachenfliegern. Dessen erster Vorstand Korbinian Stangassinger ist seit einem Jahr im Amt und sucht stets einen intensiven Austausch mit dem Nationalpark. Luftsportler Stanggassinger weiß aus eigener Erfahrung um die Sensibilität im Umgang mit den Steinadlern: „Unser Ziel ist es, die Vögel bei der Ausübung unseres Sports auf keinen Fall zu stören. Dabei helfen uns die Informationen des Nationalparks, um aktuell besetzte Horste weiträumig zu umfliegen“.

Quelle: Nationalpark Berchtesgaden

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