Staatliches Bauamt Traunstein äußert sich zur Kritik

Baumaßnahme an Dokumentation Obersalzberg "zügig voranbringen"

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Die Dokumentation Obersalzberg wird mit der Erweiterung auf 1.200 qm die Ausstellungsfläche vervierfachen.
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Berchtesgaden - Nachlässigkeiten, Bewertungsoptimismus, Katastrophe,... es waren viele Worte, die in letzter Zeit in Zusammenhang mit der Erweiterung der Dokumentation Obersalzberg gefallen sind. Die Angriffe aufgrund einer deutlichen Kostensteigerung gingen aber nicht nur in Richtung der Bayerischen Staatsregierung.

Dem Staatlichen Bauamt Traunstein obliegt die gesamte Projektleitung. "Diese besteht im Wesentlichen aus Einschaltung und Zusammenarbeit mit freiberuflich tätigen Ingenieurbüros unterschiedlicher Fachbereiche, aus Ausschreibung und Beauftragung von Baufirmen, Bauüberwachung bis hin zur Abrechnung und Terminplanung sowie Kostenkontrolle", erklärt Martin Julinek, der Fachbereichsleiter Hochbau, auf Nachfrage von BGLand24.

Bei der Sitzung des Haushaltsausschusses des Bayerischen Landtags am Obersalzberg Ende Februar mussten sich Julinek und seine Mitarbeiter deshalb deutliche Kritik gefallen lassen. Harald Güller, Landtagsabgeordneter der SPD, stellte laut Berchtesgadener Anzeiger klar die Frage in den Raum: "Hat die Spitze des Bauamts das Projekt tatsächlich noch im Griff? Nach den Berichten, die mir vorliegen, nicht."

So erklärt sich die Kostensteigerung

Kritik, die Julinek angesichts der Tatsache, dass sich die Kosten von ursprünglich grob geschätzten 14,6 Millionen Euro auf jetzt 30,1 Millionen Euro belaufen, durchaus verstehen kann. Allerdings relativiert er den Kostensprung bereits: "Bei den 14,6 Millionen Euro handelt es sich um eine Grobkostenschätzung der Bauverwaltung als Grundlage für einen offenen Architektenwettbewerb. Hierfür wurden im Jahr 2014 Kosten für ein oberirdisches Gebäude anhand des damals genehmigten Raumbedarfs geschätzt. Der durch das Preisgericht gekürte Siegerentwurf schlägt einen in den Hang eingegrabenen Baukörper vor, der die stichförmig begehbare bestehende Bunkeranlage integriert und mittels Stollenerweiterung als Rundgang neu erschließt. Die Gesamtkosten für den Siegerentwurf wurden mit Erstellung der Haushaltsunterlage-Bau im Jahr 2015 in Höhe von 21,35 Millionen Euro berechnet."

Bleibt eine Kostensteigerung von 21,35 Millionen Euro auf 30,1 Millionen Euro. Doch auch diese Mehrkosten kann der Hochbauamtsleiter belegen: 

  • Konjunkturbedingte Mehrkosten 925.000 € (Ausschreibungsergebnisse gegenüber Kostenberechnung)
  • Mehrkosten aus Anpassung an zukünftige Marktpreise 1.070.000 €
  • baulich bedingte Mehrkosten 6.158.000 €
  • zusätzliche Nutzeranforderungen 597.000 €

Nachtragssumme gesamt: 8.750.000 €

"Baulich bedingte Mehrkosten ergaben sich vor allem auf Grund nicht vorhersehbaren Aufwendungen im Bereich Geologie, Baugrund und Altlasten, sowie auf Grund zeitlicher Verschiebungen im Bauablauf, die zum Teil verspäteter Planzulieferungen geschuldet sind."

Kritik nachvollziehbar

Die Bunkeranlage wird in den Neubau integriert, was unter anderem die Kostensteigerung verursacht hat.

Alles Argumente, die auch dem Haushaltsausschuss vorgetragen wurden. Dennoch blieb die Kritik laut: Von einer "Mischung aus Nachlässigkeiten und Bewertungsoptimismus", sprach der Grünen-Landtagsabgeordnete Tim Pargent gegenüber dem Berchtesgadener Anzeiger. Mehrmals habe man die Wandstärken falsch eingeschätzt und man habe es bezüglich des Winterzeitplans versäumt, einen Zeitpuffer einzubauen, so seine eindeutige Kritik.

Darauf reagiert Martin Julinek: "Natürlich ist für uns auf Grund der Kostenentwicklung und Verschiebungen im Bauablauf die Kritik, das Bauamt hätte das Projekt nicht mehr im Griff, nachvollziehbar. Bei der Planung und Durchführung einer solchen Baumaßnahme handelt es sich aber immer um ein komplexes Zusammenwirken unterschiedlichster Akteure, das eine Vielzahl von Risiken in sich birgt, die eine erfolgreiche Umsetzung und Fertigstellung der Baumaßnahme gefährden." Die Mehrkosten aufgrund der Konjunktur und Indexanpassung seien der derzeit überhitzten Marktlage am Bau geschuldet und würden nicht im Einflussbereich des Bauamts liegen.

Im Einflussbereich des Bauamtes liegt es aber, im Rahmen der Projektleitung eine eng mit den eingebundenen Büros abgestimmte Termin- und Kostenkontrolle zu praktizieren sowie die Terminplanung mit den Baufirmen genau abzustimmen. Deshalb verspricht Julinek: "Das Bauamt wird mit Wiederaufnahme der Baumeisterarbeiten nach dem strengen Winter alles daran setzten, die Baumaßnahme zügig voranzubringen und bis Ende 2020 fertigzustellen."

Und auch wenn die Abgeordneten über die deutlichen Mehrkosten nicht begeistert sind, machten sie am Obersalzberg bereits deutlich, in der Landtagsdebatte mit ziemlicher Sicherheit für das Projekt und die Mehrkosten zu stimmen.

cz

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