Rettungsaktion in der Riesending-Höhle

Retter sprechen über Eindrücke aus der Höhle

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Stephan Bauhofer erreichte den Verletzten Johann Westhauser als erster Retter nach dessen Unfall
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Berchtesgaden - Vier Tage lang betreute der Rettungssanitäter Stephan Bauhofer den verunglückten Höhlenforscher. Jetzt sprechen er und drei seiner Kollegen über die Erfahrungen in der Tiefe.

Gleich am ersten Tag des Einsatzes in der "Riesending"-Schachthöhle im Untersberg bei Marktschellenberg stieg Stephan Bauhofer von der Bergwacht in Berchtesgaden zum verletzten Johann Westhauser in 1.00 Meter Tiefe hinab. Was er und drei seiner Kollegen dabei erlebt haben:

"Vier Tage haben wir beim Verletzten auf 1.000 Meter Tiefe verbracht", erzählt der Rettungssanitäter am Montag in der Pressekonferenz der Bergwacht in der Feuerwache Berchtesgaden. Zusammen mit seinen Kollegen und Kameraden aus Österreich, Italien und der Schweiz liefert der Bergwachtler interessante Einblicke in die Tätigkeiten und Erfahrungen der Retter.

Erste Fotos aus der Riesending-Höhle

Erste Fotos aus der Riesending-Höhle

Roberto Antonini, Mitglied der italienischen "Soccorso Speleologico" (Italienischen Höhlenrettungskorps) ist im zivilen Leben bei einer Firma für Felssicherung beschäftigt. Er berichtete mit Hilfe eines Dolmetschers über die riesige Belastung, die auf den Schultern der Einsatzkräfte ruhe. Die Situation im Berg sei im alleine von Arbeitswegen her schon sehr vertraut, die ständige Gefahr vor Steinschlägen machten ihm und seinem Team auf dem Weg zum Verletzten jedoch am meisten zu schaffen. Zudem forderten die langen Querpassagen in der Schachthöhle seinem Team bei der Begleitung der Ärzte zum Patienten alles ab, so der italienische Höhlenretter. Insgesamt befand sich Antonini über 24 Stunden im Riesending.

Riesending-Einsatz am Untersberg: 8. Tag

Riesending-Einsatz am Untersberg: 8. Tag

LIVE-Ticker:

Für den Transport des Tragesystems zum verletzten Höhlenforscher Westhauser war der Schweizer Pedro Balordi von "Speleo Secours" (Schweizerische Gesellschaft für Höhlenforschung) zuständig. Der Höhlenretter war bereits in verschiedenen Höhlen unterwegs und sei daher die Umgebung und auch die Belastung in der Tiefe gewohnt. Neu für den Schweizer sei die die enorme Komplexität und Struktur der Höhle gewesen. Viele verwinkelte Gänge machten die Orientierung in den unterschiedlichen Gängesystemen sehr anspruchsvoll, so Balordi. Sein Team entschied sich zudem, das Tragesystem, das aus drei seperaten Teilen besteht, im Ganzen, zusammengebaut zum Patienten zu transportieren. Dadurch habe man bereits viele Erkenntnisse zum Rücktransport des Verletzten erhalten. "An einigen Stellen wird es wirklich eng", bestätigte Pedro Balordi. Die Markierungsausrüstung, mit der sein Team dem Sprengkommando die Engstellen zur Erweiterung anzeigen sollte, kam jedoch nicht zum Einsatz. Die Trage konnte ohne Unterbrechung in die Tiefe transportiert werden. Es sei jedoch notwendig, die Trage mit dem verletzten Höhlenforscher beim Transport an die Oberfläche zeitweise zu drehen, ja sogar senkrecht zu stellen, so der Schweizer Höhlenretter im Gespräch. Die Trage samt dem Verletzten wiege Angaben Balordis beim Rücktransport insgesamt an die 100 Kilogramm, was die Retter enorm belaste. Aktuell seien zu jeder Zeit mindestens 12 Retter in der direkten Umgebung des Verletzten. Balordi hat insgesamt vier Tage in der "Riesending"-Schachthöhle unterwegs.

Innenminister Herrmann dankt den Rettern

Pressekonferenz mit Innenminister Joachim Herrmann

Roberto Antonini (li.) und Stephan Bauhofer

Christian Öhlinger von der österreichischen Höhlenrettung

war mit seinen Kollegen für den Ausbau der Strecke zwischen Biwak 4 und 5 zuständig. Bei seinem Weg in die Höhle führte der Österreicher insgesamt zwischen 60 und 70 Kilogramm an Ausrüstung mit sich. "Am Anfang kostete mich der Abstieg schon einiges an Überwindung", gestand Öhlinger am Montag. Nach einiger Zeit drehten sich seine Gedanken jedoch nur noch um seine Arbeit, die Belastung fiel schlagartig vom Österreicher ab, als dann der Transport des Verletzten endlich begann, so Öhlinger. Worauf er sich da einlasse, wusste der Hobby-Höhlenforscher sehr genau. Bei der Höhlenrettung sei Christian Öhlinger erst seit ein paar Wochen.

Video: Erste Bilder aus dem Riesending

 

Hintergründe zum Unglück in der "Riesending"-Höhle

Am Montag Morgen waren die Retter zusammen mit dem verletzten Johann Westhauser bereits am Biwak 3 eingetroffen. Nach einer Ruhephase waren die Einsatzkräfte am späten Nachmittag weiter in Richtung Oberfläche unterwegs. Dabei steuerten sie direkt das Biwak 1, das der Oberfläche am nächsten liegt, an. Ein dedizierter Zwischenstopp in Biwak 2 stand dabei nicht auf dem Plan.

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