Rechnen mit der Unendlichkeit

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Landrat Georg Grabner (r.) zusammen mit TU München-Mitarbeiterin Christine Wittmann und Unternehmer Heinz Quittenbaum.

Berchtesgaden - Landrat Georg Grabner ist begeistert. Zum ersten Mal fand eine Schülerkonferenz im Berchtesgadener Land statt – die Technische Universität München gab den Rahmen vor.

Die TU München feierte damit in Berchtesgaden Premiere. Eingeladen hatten die Verantwortlichen des neu eröffneten Schülerforschungszentrums. Zahlreich gekommen waren die Gäste. 300 Gymnasiasten aus Berchtesgaden, aus Bad Reichenhall und aus Laufen versammelten sich im großen Kongresshaussaal, um ihre Seminar- und Facharbeiten vorzustellen, die im Laufe des Jahres entstanden waren. Mit verblüffend fundiertem Ergebnis. Die Vorträge wurden von einer Fachjury ausgezeichnet.

„Ist das nicht eine gute Sache“, fragt Landrat Grabner in die Jury-Runde, nachdem er sich drei Vorträge von Schülern verschiedener Gymnasien angehört hatte. „Die ganze Welt ruft nach Fachkräften“, sagt Grabner, „und dort, auf der Bühne, stehen sie.“ Das Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land, das kürzlich vom Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer eröffnet worden war, sei die zukünftige Antwort auf den Fachkräftemangel. Innerhalb der MINT-Fächer können dort Schüler jeder Altersstufe und Schulart forschen, sich informieren und konkret an Experimenten teilnehmen. Um später etwa daraus eine Facharbeit zu entwickeln. Grabner sagt, dass der Umstand, dass „eine der renommiertesten Universitäten weltweit“ hinter dem Schülerforschungszentrum steht, Schüler begeistern kann.

Lukas Köstler gewann den Wettbewerb innerhalb der ersten Schülerkonferenz: „Rechnen mit der Unendlichkeit“ hieß es bei ihm.

Seminare haben bereits stattgefunden. Die ersten Gruppen waren schon im Schülerforschungszentrum zu Gast. Und wenn es nach dem Landrat geht, soll das auch so weitergehen. Dr. Andreas Kratzer vom Schülerforschungszentrum moderiert die Konferenz, die von 300 Heranwachsenden im jugendlichen Alter verfolgt wird. Acht davon wurden ausgewählt, um ihre Facharbeiten, die innerhalb schulischer Seminare entstanden waren, zu präsentieren. Die Regeln sind klar: 20 Minuten hat jeder Einzelne Zeit zum Referieren, danach können die Schüler Fragen stellen. Zehn Minuten lang. Und im besten Fall in eine Diskussion einsteigen. Kratzer hofft, dass in Zukunft vermehrt Seminararbeiten in Kooperation mit dem Schülerforschungszentrum entstehen werden. Die Konferenz soll eine regelmäßig stattfindende Veranstaltung werden. Die Jahre zuvor war sie direkt an der Universität angesiedelt. Dass sie jetzt in Berchtesgaden umgesetzt wird, sei die logische Konsequenz dessen, da Schüler in Berchtesgaden nun selbst Forschung betreiben können. Und das, was in den Gymnasien des Landkreises im Laufe des Jahres erarbeitet wurde, kann sich sehen – und hören lassen. Wie selbstverständlich geht es für den Einzelnen hoch auf die Bühne. 300 Augenpaare sind auf den Referenten gerichtet. Etwa auf Stefan Aschauer vom Gymnasium Berchtesgaden. Aschauer spricht über das Verkarstungsphänomen in den Berchtesgadener Alpen anhand der Beispiele Funtensee und Grünsee. In Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Berchtesgaden ist seine Seminararbeit entstanden. Der Vortrag fasst jene Ergebnisse zusammen, die er während seiner schulischen Studien zusammengetragen hat.

Martin Weber vom Karlsgymnasium in Bad Reichenhall hat es in seiner Arbeit auf einen entfernten Kontinent verschlagen. Er vergleicht den Trekking- mit dem Expeditionstourismus in Nepal. Julia Gschwendner vom Rottmayr-Gymnasium in Laufen betrachtet hingegen die Entwicklung der Tourismusbranche im Emirat Dubai – und hatte aus diesem Grund mit einer Berchtesgadener Köchin gesprochen, die im Wüstenstaat ein eigenes Restaurant betreibt. Ihr Fazit: Der Tourismus wird auch weiterhin boomen. Doch sind die natürlichen Grenzen irgendwann erreicht. Korbinian Ksoll aus dem CJD-Gymnasium in Berchtesgaden schlug sich monatelang mit Kryptologie herum und ging der „unentzifferbaren Verschlüsselung“ auf die Spur.

Carina Lang aus dem Karlsgymnasium beschäftigte sich mit natürlichen und synthetischen Aromastoffen und ihr Schulkamerad Josef Abler mit der Aerodynamik des Automobils. Eine Gemeinschaftsarbeit hatten Christina Langosch und Jan Mechelhoff vom Berchtesgadener Gymnasium vorzuweisen: Einig waren sie sich, dass MINT-Fächer begeistern. Wesentlich hatten die beiden an der Umsetzung einer Ausstellung an ihrer Schule mitgewirkt, die unglaublichen Phänomenen auf die Spur geht.

Anna Valentin vom CJD-Gymnasium passte sich der aktuellen Jahreszeit an und sprach über die Möglichkeiten eines Snowparks am Jenner.

Den größten Eindruck in der Jury hinterließ jedoch Lukas Köstler vom Rottmayr-Gymnasium in Laufen: Er rechnete mit der Unendlichkeit. Was trocken klingt, verpackte der Gymnasiast in einen locker-leichten, mit viel Witz vorgetragenen Vortrag, der ihm den ersten Rang bescherte. „Der war doch super“, sagte Landrat Grabner anerkennend. Rang zwei belegte Stefan Aschauer aus Berchtesgaden, den dritten Platz verbuchte Julia Gschwendner aus Laufen für sich. Dass die Wissenschaft im Berchtesgadener Land angekommen scheint, daran besteht spätestens jetzt kein Zweifel mehr.

kp

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