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"Nazi-Teer": Nicht die Finger verbrennen

nazi-teer
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Die Deckschicht und der Straßenunterbau mit eingedrungenem Teer, erkennbar am geschwärzten Gestein. Der Meterstab zeigt 40 Zentimeter. Etwa in dieser Größenordnung soll der Belag abgetragen werden.

Berchtesgaden - Dass der giftige "Nazi-Teer" am Kehlstein weg muss, steht fest. Doch weil der Abriss so umstritten ist, wollen sich die Behörden jetzt mit einem zweiten Gutachten absichern:

Es schien eigentlich schon beschlossene Sache zu sein, dass der giftige Teer an den Kehlsteinwegen abgetragen werden muss. Doch in den vergangenen Wochen und Monaten wurden immer wieder kritische Stimmen laut: Zu massiv sei der Eingriff in die Natur und die Kosten seien zu hoch. Der Hintergrund: Während der NS-Zeit wurden am Obersalzberg Nebenwege aus hochgiftigem Teer erbaut. Die Gefahr besteht nun darin, dass bei Regen der aufgebrochene Teer an der Oberfläche und im verseuchten Straßenunterbau durchspült wird und so über Grund- und Oberflächenwasser in die Umwelt gelangen kann. Von Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) sprechen die Experten. Ein Gutachten wurde daher in Auftrag gegeben, in dem empfohlen wird, den Teer bei sämtlichen Wegen zu entfernen. Doch die Grünen und die SPD im Landkreis stemmten sich gegen die Pläne der Forstbetriebe, den Teer aufzureißen. Es folgte unter anderem eine Demo vor den Staatsforsten und ein Schreiben an Minister Helmut Brunner, in dem die Kritiker Alternativen aufzeigten.

Die Auflehnung gegen das Projekt scheint nun Früchte zu tragen: In einem Pressegespräch am Montagabend verkündete Landrat Georg Grabner, dass man nun ein zweites Gutachten einholen werden. "Es geht aber nicht darum, ob der Teer entfernt wird, sondern um den Umfang der Maßnahme." Man wolle so in Erfahrung bringen, ob es an bestimmten Wegstrecken andere Möglichkeiten gäbe, als den giftigen Teer herauszureißen. "Die Frage des Gesundheits- und Umweltschutzes ist dabei das Maß aller Dinge", so Grabner.

Dem schloss sich auch Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp an und ergänzte: "Wir haben ein Interesse daran, das Wegesystem so zu erhalten. Je malerischer, desto besser." Daher sei der Beschluss über die Sanierung der Wege vorerst außer Vollzug gesetzt. Gleichzeitig wolle man aber auch ein "verdichtetes Messprogramm" am Kehlstein starten, denn "es hat bereits Eintragungen von PAK in eine Tiefe von einem halben Meter gegeben. Aber durch die Messungen wollen wir sicherstellen, dass kein PAK ins Trinkwasser gerät", erläuterte Rasp.

Dass an bestimmen Wegen am Kehlstein - betroffen sind rund 1,5 Kilometer - der Teer herausgerissen werden muss, sei bereits jetzt klar. "Doch zirka fünf Kilometer sind nicht unmittelbar vom Schwerlastverkehr betroffen. Und die wollen wir so malerisch herrichten, wie es geht." Mit dem zweiten Gutachten habe man dafür nun Zeit gewonnen.

Auch Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzende der Bayerischen Staatsforsten, hat sich die Situation auf der

Martin Neumeyer (Links) erläuterte bei dem Pressegespräch die Pläne.

Streckemittlerweile selbst angesehen und festgestellt: "An manchen Abschnitten kann man den Teer mit der Hand herausreißen. Diese Straßen müssen gesichert werden." Doch wo der Teer noch in Ordnung sei, dort könne man einen Kompromiss finden. Dem Vorwurf, dass die Staatsforsten am Kehlstein versuchen würden, durch die Maßnahme eine "Forstautobahn" zu errichten, entgegnete Neumeyer ganz nüchtern: "Eine Forstautobahn wird es mit mir nicht geben."

Auch wenn sich die Baumaßnahme durch das zweite Gutachten nun erst einmal verschieben wird, so will man doch in diesem Jahr noch loslegen. "Das muss zeitnah geschehen. Ich gehe davon aus, dass wir noch im Herbst anfangen können, die Wege zu sanieren", so Landrat Grabner.

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