Der Nationalpark war sein Baby

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Werner d´Oleire-Oltmanns geht in den Ruhestand

Schönau am Königssee - Werner d'Oleire-Oltmanns sagt dem Berchtesgadener Nationalpark "Auf Wiedersehen" und blickt auf eine Vergangenheit voller Natur zurück.

Als der Nationalpark Berchtesgaden Ende der 70er Jahre gerade in den Kinderschuhen steckte, war Werner d’Oleire-Oltmanns einer von wenigen Mitarbeitern. „Wir hatten zu Beginn nichts, außer ein paar Schreibtische“, erinnert er sich zurück. Maßgeblich hat er am Aufbau des Nationalparks mitgewirkt, viele Projekte betreut, später ist er an die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege gewechselt. Seit Kurzem ist er im Ruhestand – und wirft einen Blick zurück auf ein abwechslungsreiches Berufsleben, immerzu der Natur verpflichtet.

Wie war das eigentlich ganz am Anfang, als der Nationalpark gegründet wurde? Wenn die Antwort einer kennt, dann Werner d’Oleire-Oltmanns, der die Zeit am eigenen Leib miterlebt hat: „Die Anfänge waren durch große Skepsis in der Bevölkerung gekennzeichnet“, erzählt er. Ein Teil der Bevölkerung dachte, wenn der Nationalpark komme, werde das gesamte Gebiet eingezäunt und man dürfe dort nicht mehr hinein. Heutzutage, über 30 Jahre später, ist die Annahme zwar eine andere. Vorbehalte? Die gibt es noch immer, aber weniger als früher. Aus einem Nationalpark, für den zu Beginn eine Handvoll Leute arbeiteten, ist ein großer Arbeitsgeber in der Region geworden. Allein die einzelnen Zuständigkeiten haben mit denen von früher kaum mehr etwas zu tun. Als d’Oleire-Oltmanns begann, war er für die gesamte Tierwelt im Nationalpark zuständig – „vom Borkenkäfer bis zum Hirsch“, sagt er. Heute gibt es Spezialisten für einzelne Gebiete. Der Nationalpark zu seiner Anfangsphase war dem Landratsamt untergeordnet. Man berichtete direkt dem Landrat. „Wir haben damals bei null angefangen“, erinnert sich der Biologe zurück, der sein Studium in Berlin und in Erlangen absolvierte. Weder gab es eine Bibliothek noch eine Registratur. Aufgabe war etwa, die Tier- und Pflanzenwelt des heimischen Raums wiederherzustellen, etwa den Bartgeier wiedereinzubürgern.

Aktuell ist dieser dort, wo er früher bejagt wurde, wieder heimisch und vermehrt sich selbstständig. „Ich habe mich zehn Jahre mit der Frage beschäftigt, ob der Luchs wieder zurückkehren kann.“ Bislang ist er nicht wieder zurückgekehrt: „Noch nicht“, sagt Werner d’Oleire-Oltmanns, „der Luchs wird aber wieder kommen – früher oder später.“ Wie viel Wildtier ein Nationalpark überhaupt verträgt, war immer die im Zentrum stehende Frage. „Der Nationalpark war unser Baby, die ersten 15 Jahre haben wir für diesen gelebt.“ Die Arbeit im Nationalpark sei eine schöne Arbeit gewesen, „wir konnten frei arbeiten“, viele Projekte wurden mit großen finanziellen Zuwendungen bedacht. Etwa gab es von der Allianz- Umweltstiftung rund eine Million Mark für ein auf zehn Jahre angelegtes Steinadler-Projekt. Weil anfangs Kontakte zu anderen Schutzgebieten und Naturschutzorganisationen fehlten, waren die ersten im Nationalpark stattfindenden Projekte gleichzeitig auch Startschuss für nationale und internationale Zusammenarbeiten. USA, China – Besuche und Gegenbesuche. „Der Nationalpark Berchtesgaden wurde immer mehr zum Gesprächspartner, man fragte uns von außerhalb um Rat“, so d’Oleire-Oltmanns.

Ein wichtiges Datum sei das Jahr 1993 gewesen. Auf einem internationalen Kongress in Caracas wurde damals ein Paradigmenwechsel beschlossen, der bedeutende Auswirkungen für den weiteren Umgang mit der Natur mit sich brachte. Nicht mehr die Natur vor dem Menschen schützen, hieß es nun, sondern die Natur für den Menschen zu schützen. „Die Sache mit der Nachhaltigkeit wurde immer wichtiger.“ Mitte der 90er Jahre wechselte Werner d’Oleire-Oltmanns in das Umweltministerium. „Dort lernt man zu verstehen, wie ein Ministerium arbeitet. Nach zwei Jahren war es dann aber auch wieder gut“, erzählt er. In die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege, eine staatliche Bildungs- und Forschungseinrichtung, ging es für d’Oleire-Oltmanns im Jahr 2004: Auch dort hatte der Naturschutz oberste Priorität. „Lebenslanges Lernen war in meinem Beruf immerzu gegeben“, sagt er. Das halte fit, der Kopf bleibt auf Trab.

Auch jetzt, nachdem Werner d’Oleire-Oltmanns in den Ruhestand eingetreten ist, wird es ihm nicht langweilig werden. Noch immer hat er eine Dozententätigkeit an der Uni Ulm, Blockveranstaltungen, Naturschutz und Wildtiermanagement als Thema. Und auch in Sachen Hobbies dürfte dem in Schönau am Königssee Beheimateten nicht die Aktivitäten ausgehen: „Ich gehe gerne Bergsteigen und zum Jagen“, sagt er. Auf dem Hochstand zu sitzen, in völliger Abgeschiedenheit, habe etwas Meditatives. „Dort kann man gut entspannen.“

kp

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