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Beteiligte Doktorandin im Interview

Nationalpark Berchtesgaden und Hochschule Weihenstephan untersuchen die Almwirtschaft im Klimawandel

Verena Styrnik ist Doktorandin an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, die eng mit dem Nationalpark Berchtesgaden kooperiert. 
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Verena Styrnik ist Doktorandin an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, die eng mit dem Nationalpark Berchtesgaden kooperiert. 

Berchtesgaden - Die Produktivität der Almen soll wegen des Klimawandels und der damit verbundenen Verlängerung der Vegetationszeit ansteigen. Im Nationalpark Berchtesgaden befinden sich große, almwirtschaftlich genutzte Flächen. Bislang fehlen aber wissenschaftliche Untersuchungen, die die Auswirkungen von Klimawandel und verändertem Weideregime auf Ertrag und Biodiversität von Almen dokumentieren. Doktorandin Verena Styrnik von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf ist eine der am Projekt Beteiligten. 

BGLand24.de: Ein Projekt im Nationalpark Berchtesgaden über nachhaltige Almwirtschaft soll vor allem den voranschreitenden Klimawandel berücksichtigen. Wie kennzeichnet sich eine „nachhaltige Almwirtschaft“ überhaupt?

Verena Styrnik: In unserem Fall bedeutet nachhaltige Almwirtschaft sowohl den langfristigen Erhalt der Biodiversität, als auch eine rentable Futterqualität und Ertragsmenge, die die wirtschaftliche Existenz der Bewirtschafter, also der Bauern, sicherstellt.

Welche Ziele verfolgen Sie bei diesem Projekt?

Durch den Klimawandel beginnt das Frühjahr oft schon zeitiger. Almbauern reagieren, wenn möglich, auf diese Veränderungen durch einen früheren Auftrieb des Viehs. Allerdings sind viele Bauern aufgrund ihrer Weiderechtstitel an späte Auftriebszeiten gebunden. Gleichzeitig wird ein früher Auftrieb oft kritisch gesehen und negative Auswirkungen, zum Beispiel auf die Vegetation, befürchtet. Ziel des Projekts ist es, den Einfluss von Weideregimes zu untersuchen, die sich hinsichtlich Auftriebszeitpunkt und Beweidungsintensität unterscheiden. Erfasst werden die Auswirkungen der unterschiedlichen Weideregimes auf Ertrag und Futterqualität sowie Pflanzen- und Insektengemeinschaften. Die Ergebnisse sollen die Grundlage sein für eine faktenbasierte Diskussion, wie Almwirtschaft auf den Klimawandel reagieren sollte.

Welche Herausforderungen erwarten Almen und Almbauern in Zukunft?

Almen und Almbauern stehen in Zukunft vor einer Vielzahl von Herausforderungen. Auf den Almen findet durch steigende Temperaturen und durch einen schnelleren und früheren Aufwuchs eine erhöhte Produktion statt. Das kann zu Verbuschung und Vergrasung führen. Die Trockenheit im Sommer könnte hingegen gleichzeitig einen Futtermangel gegen Ende der Saison hervorrufen. Ein damit verbundener hoher Arbeitsaufwand muss im Hinblick auf die Tatsache gesehen werden, dass fast alle Almbauern Nebenerwerbslandwirte sind. Nicht nur eine zu intensive Nutzung könnte Gefahr darstellen, sondern auch die generelle Aufgabe von Almen steht auf dem Spiel. 

Gibt es zur Thematik bereits wissenschaftliche Untersuchungen?

Es gibt verschiedene Untersuchungen, die sich mit Einzelaspekten der im Projekt bearbeiteten Fragestellungen beschäftigen. Speziell zu den Auswirkungen des früheren Auftriebszeitpunkts auf ökologische Aspekte in Verbindung mit agrarwissenschaftlichen, agronomischen Gesichtspunkten ist jedoch bisher wenig bekannt.

Wie viele Almen existieren im Alpenraum, wie viele in der Region beziehungsweise im Nationalpark Berchtesgaden? 

In den bayerischen Alpen gibt es mit Stand 2009 insgesamt 1388 Almen in bayerischen Alpen. Betrachtet man allein Oberbayern sind es 710 Almen. Die Zahlen für das Berchtesgadener Land stammen aus dem Jahr 2014. Im Landkreis gibt es demnach 55 Almen.+

Involviert ist auch die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, für die Sie arbeiten. Wie kam es zu der Kooperation zwischen der Hochschule und dem Nationalpark?

Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf ist ein langjähriger Forschungspartner des Nationalparks Berchtesgaden. In diesem Projekt bringt sich die Hochschule vor allem mit ihrer Expertise im Bereich der Grünlandbewirtschaftung und der Botanik ein.

Auf welchen Almen wird das Projekt durchgeführt?

An dem Projekt nehmen acht Almen teil. Sechs davon liegen im Nationalpark, darunter die Halsalm, die Mittereisalm, die Saletalm, der Krautkaser, die Gotzenalm sowie die Regenalm. Die Lattenbergalm befindet sich außerhalb des Nationalparks auf einer Fläche der Bayerischen Staatsforste. Auch die Höllenbachalm liegt nicht im Nationalpark. Insgesamt werden unterschiedliche Höhenstufen von montan bis subalpin und eine Vielzahl von Pflanzengesellschaften abgedeckt.

Auf welche Weisen sollen die Forschungsarbeiten für das Projekt durchgeführt werden? Wie wird dabei vorgegangen?

Jede Projektalm besteht aus zwei Koppeln, die sich im Auftriebszeitpunkt unterscheiden, um die Rolle des unterschiedlich frühen Bestoßes zu untersuchen. Der Zeitpunkt des frühen Auftriebs auf die erste Koppel orientiert sich an der Vegetationsentwicklung im jeweiligen Frühjahr. Die zweite Koppel wird in der Regel bestoßen, sobald das Datum erreicht ist, das im Forstrecht festgelegt ist. Um die Rolle der Beweidungsintensität zu untersuchen, werden in beiden Koppeln Teilflächen nach einiger Zeit ausgezäunt, damit diese weniger intensiv beweidet werden als die Restflächen. Je Teilfläche werden drei Vegetationsaufnahmen durchgeführt. Darin werden die Pflanzenarten und ihre Phänologie erfasst und deren Deckung sowie der Ertragsanteil geschätzt. Die aufwachsende Biomasse wird zu jedem Umtrieb während der Weideperiode und nach dem Weideabtrieb gemessen. Zusätzlich wird die Futterqualität ermittelt. Um das Vorkommen und die Häufigkeiten von Insektenarten in den unterschiedlichen Teilflächen zu erheben, werden verschiedene Methoden zwischen Mai und September eingesetzt. Fliegende Insekten werden mit einer Malaisefalle je Teilflächen gefangen. Am Boden lebende Insekten und Spinnen werden mit Barberfallen je Fläche erfasst. Zusätzlich wird ein Entomologe damit beauftragt, Bienen, Schmetterlinge, Heuschrecken und Zikaden entlang von sogenannten Transekten, markierten geraden Linien, zu erheben.

Das Projekt geht über drei Jahre. Wie lang soll es noch laufen? 

Die Vegetations- und Ertragserhebungen fanden von Mai bis September des vergangenen Jahres statt. Ähnliches gilt für dieses Jahr. Auch Insektenkartierungen werden in diesem Zeitraum stattfinden. Die Auswertungen werden dann bis August 2023 durchgeführt werden. 

kp

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