Nach Diskussion um tote Hirschkälber am Obersee

Wildtiermanagment großes Thema bei neu gegründetem Nationalparkforum

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Dr. Roland Baier hat das „Fachforum Wildtiermanagement im Nationalpark Berchtesgaden“ ins Leben gerufen und erhofft sich einen intensiven Dialog.
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Berchtesgaden - Nach den Diskussionen um die Jagd im Nationalpark gehen die Verantwortlichen in die Offensive. Zum „Fachforum Wildtiermanagement" am Mittwoch (28. August) sind Vertreter sämtlicher betreffender Verbände geladen - mit einem bestimmten Ziel.

"Die aktuellen und teilweise sehr kritisch geführten Diskussionen zur Wildbestandsregulierung im Nationalpark Berchtesgaden zeigen: Es besteht Informationsbedarf", erklärt der Nationalpark in einer Pressemitteilung. "Warum gibt es überhaupt Wildbestandsregulierung im Nationalpark?", "Welche Vorgaben existieren zur Umsetzung der Wildbestandsregulierung und wer kontrolliert diese?", "Sind Abschussvorgaben überhaupt notwendig?" und nicht zuletzt: "Welches Schalenwild wird im Nationalpark gefüttert und warum?"Die Nationalparkverwaltung möchte sich vor dem Hintergrund dieser vielfältigen fachlichen Anforderungen einem offenen Dialog mit den relevanten Vertretern aus Tierschutz, Jagd, Naturschutz, Forstwirtschaft und Behörden stellen. Dazu wurde ein neues Fachforum ins Leben gerufen, das am Mittwoch, 28. August, erstmalig zusammentrifft.

Nationalparkleiter Dr. Roland Baier freut sich auf einen konstruktiven und dialogorientierten Austausch mit den verschiedenen Interessensgruppen: „Ich sehe in der Arbeit des Fachforums einen wesentlichen Beitrag zur zukunftsfähigen Weiterentwicklung des Wildtiermanagements und zugleich eine wichtige Plattform für einen kritischen, fachlichen Austausch. Emotionen gehören zur Jagd, doch ist es wichtig, dass wir die gemeinsame Diskussion auf eine gute, fachliche Basis zurückführen.“

Der Fund toter Rotwildkälber im Nationalpark Berchtesgaden sorgt für große Diskussionen.

"Mehr Transparenz tut not im Nationalpark", bekräftigt Dr. Christine Miller von „Wildes Bayern e.V.“. Sie hat die Diskussion um die Jagd im Nationalpark ins Rollen gebracht, als sie im Frühjahr auf acht tote Rotwildkälber am Obersee aufmerksam gemacht hat. "Wildes Bayern e.V." geht davon aus, dass diese Tiere qualvoll verendet sind, weil ihre Muttertiere geschossen wurden und hat Anzeige erstattet.

Rotwild auch Thema im Forum

Die Staatsanwaltschaft Traunstein bestätigt: "Es liegt sowohl eine Anzeige gegen den Leiter des Nationalparks als auch eine Anzeige ohne Nennung eines Verantwortlichen vor. Der angezeigte Sachverhalt wird unter allen Gesichtspunkten strafrechtlich überprüft. Dieser Vorgang dauert derzeit noch an."

"Nach Abschluss der staatsanwaltlichen Ermittlungen zu den verendeten Rotwildkälbern am Königssee soll im Forum auch das Thema Rotwild umfassend beraten werden. Im Sinne der Transparenz wird künftig regelmäßig über den Fortgang der Arbeiten öffentlich informiert", so die Information aus dem Nationalpark weiter.

Fehlt die fachliche Expertise?

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Miller fragt allerdings: "Wo bleibt die Kompetenz und das Fachwissen in dieser bunten Runde?" Bei der ersten Liste der Eingeladenen fänden sich praktisch ausschließlich die Vertreter unterschiedlicher Interessensgruppen der Region sowie Vertreter der Forst- und Jagdbehörden. "Sollen mit denen nun komplexe ökologische Fragen diskutiert werden? Oder sollen sie nur die bestehende Strategie der aktuellen Nationalparkleitung absegnen?" ist Christine Miller skeptisch. "Die dringend notwendige fachliche Diskussion wird mit dieser Veranstaltung nicht eröffnet. Wäre das gewollt, müsste eine umfassende fachliche Expertise im Vordergrund stehen", ist sie sich sicher.

Der Nationalpark betont: "Zu Beginn wird deshalb gemeinsam mit allen Beteiligten die Arbeitsweise im „Fachforum Wildtiermanagement im Nationalpark Berchtesgaden“ abgestimmt sowie die weiteren Termine festgelegt. Außerdem werden den Teilnehmenden sämtliche relevanten Daten zur Wildbestandsregulierung im Schutzgebiet als Arbeitsgrundlage zur Verfügung gestellt."

Während die Wildbiologin bei dem Fachforum einen "Geburtsfehler" sieht, erhofft sich der Nationalparkleiter einen intensiven Dialog. Erste Ergebnisse sollen am Donnerstagvormittag mitgeteilt werden.

cz

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