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Keine Chance für den Felsblock

Nach Unwetter: Berchtesgadener investieren in Steinschlag-Schutzzaun, um Häuser zu sichern  

Steinschlagschutzzaun
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Steinschlagschutzzaun: Stahl, der herabfallende Felsblöcke aufhalten soll.

Ein mehrere hundert Meter langer Steinschlagschutzzaun vor einer 50 Meter hohen Felswand soll künftig 15 Eigentümer im historischen Ortsteil Nonntal in Berchtesgaden schützen. Nach dem Juli-Unwetter im vergangenen Jahr stufte das Landesamt für Umwelt die Gefahrenstufe auf „konkret“. Die Bewohner mussten die zum Fels liegenden Zimmer evakuieren - und für die Maßnahme in die eigene Tasche greifen.

Berchtesgaden - Noch ist die Maßnahme in vollem Gang: Die Stahlmasten sind bereits mit massiven, bis zu neun Meter langen Ankern im Boden befestigt. Dazwischen sind knapp 300 Meter lange, stählerne Steinschlagschutzzäune aufgezogen. Sogenannte Abspanner - dicke Stahlseile - verleihen der 500.000 Euro teuren Konstruktion Stabilität. Bis zu zwei Kubikmeter große, etwa vier Tonnen schwere Felsblöcke, sollen im Fall der Fälle damit abgefangen werden. 

Nach Unwetter: Berchtesgadener investieren in Steinschlagschutzzaun, um ihre Häuser zu sichern  

Hier ist alles fertig. Der Schutzzaun steht.
Hier ist alles fertig. Der Schutzzaun steht. © kp
Hier ist alles fertig. Der Schutzzaun steht.
Hier ist alles fertig. Der Schutzzaun steht. © kp
Hier ist alles fertig. Der Schutzzaun steht.
Hier ist alles fertig. Der Schutzzaun steht. © kp
Hier ist alles fertig. Der Schutzzaun steht.
Hier ist alles fertig. Der Schutzzaun steht. © kp
Hier ist alles fertig. Der Schutzzaun steht.
Hier ist alles fertig. Der Schutzzaun steht. © kp
Hier ist alles fertig. Der Schutzzaun steht.
Hier ist alles fertig. Der Schutzzaun steht. © kp
Hier ist alles fertig. Der Schutzzaun steht.
Hier ist alles fertig. Der Schutzzaun steht. © kp
Hier ist alles fertig. Der Schutzzaun steht.
Hier ist alles fertig. Der Schutzzaun steht. © kp
Hier ist alles fertig. Der Schutzzaun steht.
Hier ist alles fertig. Der Schutzzaun steht. © kp
Hier ist alles fertig. Der Schutzzaun steht.
Hier ist alles fertig. Der Schutzzaun steht. © kp

Das Nonntal in Gefahr

„Das Nonntal ist der älteste Ortsteil Berchtesgadens, hier wohnen Menschen seit Jahrhunderten“, sagt Marktbaumeister Peter Hasenknopf. In der Vergangenheit hatte die Felswand immer mal wieder mächtige Brocken freigegeben. Diese stürzten mit Karacho ins Tal. „Sogar Häuser wurden schon durchschlagen“, weiß der Gemeindemitarbeiter. Im Steilbereich wurden zwar immer wieder Sicherungsarbeiten durchgeführt: Allerdings waren das eher spartanische Versuche. Zuletzt zeigte sich im Juli vergangenen Jahres, dass tatsächlicher Handlungsbedarf besteht. 

Das Bayerische Landesamt für Umwelt schickte daraufhin Geologen. Diese stuften das Gefahrenpotenzial von bislang „latent“ zu „konkret“ ein. Der Markt Berchtesgaden sah Gefahr im Verzug. Das Ordnungsamt erließ im Folgenden eine Anordnung und sperrte die zum Fels ausgerichteten Zimmer sowie Terrassen. „Die Bewohner durften die Räume offiziell nicht mehr betreten“, weiß Marktbaumeister Peter Hasenknopf. Gefordert waren nun die 15 Eigentümer, die die Gemeinde ins Boot geholt hatte und die über ein mögliches Vorgehen informierte. Der Markt Berchtesgaden übernahm die Organisation der auf rund eine halbe Million Euro geschätzten Maßnahme federführend. Dank hoher Fördergelder sei der Beitrag, der von den Hauseigentümern getragen werden müsse, überschaubar. Details wollte Marktbaumeister Hasenknopf nicht nennen.

Startschuss für die Baumaßnahmen

Anfang August war Startschuss für die Baumaßnahmen im unwegsamen Steilgelände. „Weil eine Baustraße nicht möglich war, musste das Material per Helikopter angeflogen werden“, sagt Kajetan Heigert, Geologe des zuständigen Ingenieurbüros Gebauer aus Traunstein. 

Steinschlagsimulationen halfen bei der Dimensionierung der Maßnahme, die den teils verwitterten Kalkstein des Locksteins abhalten soll, zur Gefahr für die Wohnbebauung zu werden. Zahlreiche Bäume mussten entlang einer parallel zur Wohnbebauung verlaufenden Linie aus dem Landschaftsschutzgebiet, das teils biotopkartiert ist, entnommen werden, um Platz zu schaffen. Dazu mussten naturschutzrechtliche Befreiungen erwirkt werden. Kurz vor Beginn der Bauarbeiten hinter den Häusern stürzte dann noch ein Baum auf ein Haus, verwüstete Garten und Terrasse eines Anwohners. Ein zufälliger Unfall: „Eschentriebsterben“ lautet die offizielle Begründung von Marktbaumeister Peter Hasenknopf auf Anfrage.

Der Steinschlagschutzzaun unterhalb der Lockstein-Felswand ist unterschiedlich hoch dimensioniert, je nach Standort und daraus resultierender Steinschlaggefahr. „Wir haben Höhen von zwei bis zu vier Metern“, sagt Kajetan Heigert. Alle zehn Meter ist das Stahlnetz zwischen Masten gespannt. „Vergleichbar ist das mit einem Sicherheitsgurt. Bei einem Steinschlag wird die Energie des Felsblocks durch die Seile abgefangen“, weiß Heigert. Bis kommende Woche sollen die Steinschlagschutzzäune gespannt sein. Damit wäre die Maßnahme abgeschlossen.

Auch rund um die Kunsteisbahn am Königssee wurden vor über zwölf Jahren vergleichbare Sicherungszäune errichtet, die die derzeit brach liegende Sportstätte vor Felssturz sichern sollen. Bislang wurden die Zäune nicht vom Material befreit, das über die Jahre herabfiel. Catharina von Daak, Bauleiterin Spezialtiefbau des Inzinger Unternehmens Berger und Brunner, ebenfalls am Lockstein tätig, sagt, dass es im November nun so weit sei und die angehäuften Tonnen an Felsmaterial am Königssee entfernt würden. 

Sanierungsmaßnahmen eines Hanges

In Sichtweite des Locksteins, am sogenannten Weinfeld, soll es schon bald mit Sanierungsmaßnahmen eines Hanges weitergehen - ebenfalls Folge des Unwetters im vergangenen Jahr. Rund 400.000 Euro müssen die drei Grundstückseigentümer dort in die Hand nehmen. Zwei davon waren elementarversichert. Unterstützt werden die aufwendigen Arbeiten durch Stiftungsgelder der Hochwasserhilfe, die noch vorhanden und nicht verplant waren. Im Fall des Kanzlerhauses gegenüber dem Berchtesgadener Rathaus wurden zuletzt Mittel des Freistaats Bayern für die Hangsanierung und die Sicherung zum Schutz eines Baudenkmals freigegeben, bestätigt Hauseigentümer Florian Beierl, der sich enttäuscht zeigt. 

Über ein Jahr sei mittlerweile ins Land gezogen, das zuständige Ingenieurbüro sei überlastet gewesen. Passiert ist seitdem nicht viel. Eigentümer Beierl hat den Auftrag auf Grundlage der Geoplanung nun selbstständig vergeben. Am Weinfeld wird indes nach Lösungen gesucht, da der Winter naht und im besten Fall vor Einbruch dessen mit den Arbeiten begonnen werden soll. Fördermittel lägen bereit, heißt es. Die Inflation treibe die Baupreise aus dem Gutachten vom September 2021 weiter in die Höhe, sagen die Betroffenen. Der Startschuss der Bauarbeiten lässt noch auf sich warten.

kp

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