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600 Bohrpfähle für die B305

Nach Hochwasserschäden: Bis ins kommende Jahr soll Bundesstraße in Berchtesgaden Großbaustelle sein

Ein Teil der Hauptverkehrsader liegt in der Ache. Nun sollen 600 Bohrpfähle ein erneutes Unterspülen verhindern.
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Ein Teil der Hauptverkehrsader liegt in der Ache. Nun sollen 600 Bohrpfähle ein erneutes Unterspülen verhindern.

Eine gewaltige Stützmauer mit 600 bis zu 16 Meter langen Bohrpfählen soll die Bundesstraße 305 unweit des Berchtesgadener Bahnhofs in Zukunft sichern. Auf rund 300 Metern war die von täglich tausenden Fahrzeugen befahrene Straße nach einem Starkregen vergangenen Juli teilweise massiv zerstört worden. Die Berchtesgadener Ache hatte dabei die B305 unterspült. Das Staatliche Bauamt Traunstein rechnet mit Investitionen von neun Millionen Euro und einer Bauzeit bis Anfang kommenden Jahres. 

Berchtesgaden - Martin Bambach hat mit der anstehenden Baumaßnahme viel zu tun. Denn klar ist: Einfach wird das alles nicht. Der Baudirektor des Staatlichen Bauamts und Gebietsabteilungsleiter für den Landkreis Berchtesgadener Land sagt: „Wir müssen uns ranhalten, es muss schnell gehen. Wir wollen gewappnet sein für den Sommer und die nächste Starkregenzeit.” 

Im Juli vergangenen Jahres war die Stützmauer der Bundesstraße 305, der komplette Geh- und Radweg, Teile der Straße sowie wichtige Versorgungsleitungen weggerissen worden. Im Bauamt ging man vom schlimmsten aus, ein Kompletteinsturz nicht ausgeschlossen. Die Straße ist eine der meistbefahrenen Berchtesgadens. Das Bauamt reagierte schnell, auch die damalige bayerische Bauministerin Kerstin Schreyer kam vorbei zum publikumswirksamen Foto-Shooting. Provisorisch konnte die Straße nach vier Wochen gesichert werden. „Ziel war es, den Verkehr auf dieser extrem wichtigen Straßenverbindung wieder zu ermöglichen”, sagt Bambach. Die Arbeiten sollen nun also schon Mitte März beginnen, denn die Gefahr sei real, „dass bei einem erneuten Hochwasserereignis die Sicherungsmaßnahmen nicht ausreichen”, sagt der Baudirektor, der mit seinem Team seit Monaten an einer Wiederherstellung plant. 

Baudirektor Martin Bambach vom Staatlichen Bauamt Traunstein zu Gast bei der Straßenmeisterei in Bischofswiesen.

Bereits in wenigen Tagen soll mit der Umleitungsbeschilderung begonnen werden, eine Verkehrssicherung der Baustelle stattfinden. Diese erstreckt sich von der Gmundberg-Abzweigung bis vor zum Berchtesgadener Bahnhof. 1,1 Kilometer lang ist die Strecke, wobei der notwendige Ingenieurbau mit den Bohrpfählen auf lediglich 300 Metern erfolgen wird. Die Bauarbeiten an der neuen Stützkonstruktion starten voraussichtlich Anfang April. Zwei Großbohrgeräte rücken dann an, werden sich in einer riesigen Baugrube mit 90 Zentimeter Durchmesser großem Bohrgerät in den Untergrund graben. Die Bauzeit wird das gesamte Jahr über dauern und „möglicherweise erst im Frühjahr nächsten Jahres abgeschlossen werden”. Die gesamte Finanzierung erfolgt aus dem Aufbauhilfefonds Hochwasser der Bundesregierung, sagt Bambach. 

Im Sommer könnte die Großbaustelle zum Verkehrsinfarkt führen. In der Hauptverkehrszeit soll die Baustelle kurzfristig befahrbar sein.

Im Zuge der Planungen war der Straßenquerschnitt für das Vorhaben überprüft worden. Denn das Staatliche Bauamt wollte ursprünglich mehr Straßeninfrastruktur schaffen. Zudem standen Forderungen der Gemeinden Berchtesgaden und Schönau am Königssee im Raum, eine eigene Spur für den Öffentlichen Personennahverkehr zu verwirklichen. Möglich war das am Ende aber nicht, weil eine Querschnittsaufweitung in Richtung der Ache einen Eingriff in den Abflussquerschnitt des Flussbettes gehabt hätte. Nur mit erheblichem Aufwand wäre das möglich gewesen, sagt Baudirektor Bambach. „In jedem Fall wäre für eine Verschiebung der Stützbauwerke ein Planfeststellungsverfahren erforderlich gewesen, das wasser- und naturschutzrechtliche Belange” tangiert hätte. Über Jahre hätte sich das hingezogen, ist sich Bambach sicher.

Für eine Busspur ist also kein Platz mehr. Grundsätzlich sei diese zwar möglich, aber erst zu einem „viel späteren Zeitpunkt”, ergänzt Bambach: Die Bohrpfähle könnten nachträglich „mit einer auskragenden Platte nachgerüstet werden”. Aufgabenträger für den ÖPNV sei aber sowieso der Landkreis Berchtesgadener Land, der für ein solches Projekt dann die planungsrechtlichen Voraussetzungen schaffen müsste.

Ein Aufschub der Maßnahme an der B305 sei „in keinem Fall mehr möglich”, macht Bambach Druck: Der bedeutsamere und mit größerem Aufwand verbundene Bauabschnitt sei die Erneuerung der Stützkonstruktion zwischen der Zufahrt Haus Achenthal und dem Bahnhof, der „unproblematischere Abschnitt” die Instandsetzung der Bundesstraße mit Geh- und Radweg auf 1,1 Kilometern Länge. Die Bohrpfahlwand soll mit zwei Großbohrgeräten gleichzeitig hergestellt werden, „um die Bauzeit zu minimieren”, sagt auch der Reichenhaller Ingenieur Andreas Rupp, der im Auftrag des Staatlichen Bauamts plant. Durch den Umgriff der Großbohrer verbleibt ein lediglich drei Meter breiter Fahrbahnstreifen für einen Einbahnstraßenverkehr in Richtung Ramsau und die Baustellenzufahrt. Auf eine halbseitige Verkehrsführung wurde verzichtet wegen einer möglichen Rückstaugefahr in den Kreisverkehr am Berchtesgadener Bahnhof. 

Für Radfahrer und Fußgänger soll die Großbaustelle ab April bis zu vier Monate lang gesperrt bleiben. Vorsorglich soll eine Art Bus-Shuttle-Verkehr eingesetzt werden, um Personen von der Gmundbrücke über den Markt von Berchtesgaden in Richtung Bahnhof zu bringen. Ein zunächst vorgeschlagenes Gehwegprovisorium auf der Nordseite der Bahnlinie kann nicht errichtet werden, „da ein rutschgefährdeter Hang zu überwinden wäre und naturschutzfachlich Widerstände zu erwarten wären”, sagt Bambach. 

Ab August, zu Beginn der Hauptreisezeit, soll dann zunächst eine zweispurige Verkehrsführung durch die Baustelle ermöglicht werden, weil andernfalls ein Verkehrschaos droht. Nach Herstellung eines Provisoriums im Bereich des künftigen Geh- und Radweges soll der Verkehr erneut einspurig laufen, damit die Fahrbahn auf Seite der Bahnstrecke erneuert werden kann. In einer abschließenden Vollsperrung sollen zum Abschluss der Arbeiten Asphaltbinder- und Asphaltdeckschicht eingebaut und die Fahrbahnmarkierung aufgebracht werden. „Es zählt jetzt jeder Tag”, sagt Baudirektor Martin Bambach, der die ambitionierte Maßnahme so schnell als möglich abschließen möchte.

Unterspülte Bereiche auf der B305 haben zum Einsturz der Bundesstraße geführt.

Bei der Umleitungsbeschilderung der Verkehrsführung greif das Staatliche Bauamt auf die bereits nach dem Juli-Unwetter bewährte Verkehrsführung zurück. Dabei wird der aus Richtung Bischofswiesen über die B20 ankommende Verkehr am Kreisverkehr Stanggaß direkt nach Berchtesgaden geleitet. Der Verkehr über die B305 aus Richtung Ramsau wird über den Duftberg und den Stangerberg nach Schönau am Königssee geleitet. Alle übrigen Verkehrsteilnehmer werden vor der Baustelle über die Staatsstraße 2097 den Gmundberg hoch über den Markt von Berchtesgaden geführt. 

Erörtert worden war im Vorfeld auch die Beschleunigung der Bauarbeiten, um die Maßnahme zügiger fertigzustellen. Allerdings kommt Nachtarbeit oder ein Schichtbetrieb nicht infrage - das Baugewerbe befindet sich im „Konjunkturhochlauf”, sagt Bambach. Damit scheidet die Chance, schneller fertig zu werden, bereits im Vorfeld aus. 

kp

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