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Keine weitere Markierung von Geweihen

Nach 88 Verstößen bei Hegeschau im Jahr 2018: Aufsichtsbehörde setzt auf Revierinhaber

Ein unmarkierter Gamsschädel bei Tageslicht. Im UV-Licht sind die Markierungen zu erkennen. Die untere Jagdbehörde hatte als Aufsichtsbehörde 2018 die Kontrollen eingeleitet und daraufhin dutzende Verstöße festgestellt.
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Ein unmarkierter Gamsschädel bei Tageslicht. Im UV-Licht sind die Markierungen zu erkennen. Die untere Jagdbehörde hatte als Aufsichtsbehörde 2018 die Kontrollen eingeleitet und daraufhin dutzende Verstöße festgestellt.

Obwohl eine striktere Prüfung bei Hegeschauen angekündigt war, hat die untere Jagdbehörde auf weitere Markierungen von Geweihen verzichtet. Die Mehrfachpräsentation von Jagdtrophäen gilt als verboten: Bei der diesjährigen Hegeschau in Saaldorf-Surheim (Landkreis Berchtesgadener Land) konnten das Landratsamt keine Verstöße feststellen, wie es auf Nachfrage heißt. Dem vorausgegangen war ein Volltreffer im Jahr 2018, bei der die untere Jagdbehörde Geweihe mit UV-Stift markiert und insgesamt 88 Vergehen festgestellt hatte. 

Berchtesgaden - Daraufhin waren striktere Prüfungen angekündigt worden. „Mittlerweile hat man das Gefühl, Hegeschauen seien Spaßveranstaltungen“, sagte damals ein hochrangiger Jäger der Kreisgruppe Berchtesgadener Land. Die Trophäen waren bereits ein Jahr zuvor, 2017, markiert worden. Die Aufsichtsbehörde, die zu den Pflichthegeschauen einlädt und die von der jeweiligen Kreisgruppe des Bayerischen Jagdverbandes durchgeführt wird, wollte auf diese Weise feststellen, ob betrogen wird, und Trophäen über mehrere Jahre hinweg ausgestellt werden. Mit einem UV-Stift kennzeichneten Mitarbeiter etliche Trophäen – und landeten damals einen Volltreffer. Die Markierungen wurden mit Zustimmung der jeweiligen Revierinhaber vorgenommen. 

„Aus den Erfahrungen der durchgeführten Prüfung im Jahr 2018 sehen wir keine unabdingbare Notwendigkeit der Prüfung der Hegeschau“, teilt das Landratsamt nun auf Nachfrage mit. Denn die Kontrolle vor vier Jahren hatte ergeben, dass nur „ein geringer Teil“ nicht der Vorlageverpflichtung nachkam, wie es heißt. Ganz so gering, wie das Landratsamt schreibt, sind die Vergehen aber nicht. Die damals festgestellten 88 Verstöße entsprechen 6,45 Prozent aller während der Hegeschau präsentierten Geweihe und Gehörne. Jäger in Bayern sind verpflichtet, diese einmal im Jahr öffentlich zu zeigen.

Aus dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten erklärt man die Notwendigkeit der Veranstaltungen folgendermaßen: Hegeschauen „dienen zur Überwachung der Durchführung der Abschusspläne sowie der Datenerhebung. Außerdem werden Informationen zur Entwicklung der Wildschadenssituation, der Waldverjüngung, bis hin zur strukturellen Entwicklung der Wildbestände öffentlich gemacht“. Laut Landratsamt hat die untere Jagdbehörde - seitdem man dem Trophäenbetrug auf die Schliche gekommen war - auf Markierungen verzichtet. Der Bußgeldrahmen liegt bei 5000 Euro. Doch für das Fehlverhalten von einst sprach die Aufsichtsbehörde keine bußgeldbewehrte Ahndung aus, teilt sie auf Anfrage mit.

Den betroffenen Revierinhabern sei vielmehr die Möglichkeit gegeben worden, dass diese entsprechend „auf ihre betroffenen Jäger einwirken können“, heißt es aus der Behörde. Bei der Hegeschau Anfang September war auch Staatsministerin Michaela Kaniber (CSU) zu Gast. Die Sinnhaftigkeit von Pflichthegeschauen, die im Jagdgesetz verankert sind, wurde bereits mehrfach in Zweifel gezogen. Mehrere Male hatten etwa die Grünen Anträge für eine Abschaffung beim Bayerischen Landtag eingebracht.

Mehrere Petitionen wurden ins Rollen gebracht. „Der Landtag hat sich stets für die Beibehaltung der öffentlichen Hegeschauen ausgesprochen“, hieß es im Jahr 2018 aus dem Landwirtschaftsministerium. Wie die untere Jagdbehörde in Zukunft bei Hegeschauen im Berchtesgadener Land verfahren will, ist ungewiss: „Ein fixes Vorgehen ist noch nicht geplant.“ Vielmehr werde man kurzfristig, im Zuge der Planung der nächsten Hegeschau, entscheiden, ob weitere Überprüfungen stattfinden werden.

kp

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