Medizinische Hintergründe zur Rettung aus der Riesending-Höhle

Petermeyer: "Stabil, aber nicht über den Berg!"

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Dr. Michael Petermeyer (links) bei der Pressekonferenz in Berchtesgaden am Mittwoch.
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Marktschellenberg - Nur drei Ärzte in Europa sind in der Lage in die Höhle am Untersberg zu steigen und den Patienten vor Ort zu versorgen. Dr. Michael Petermeyer aus Frankfurt ist einer von ihnen:

Schnell lief die Rettungskette nach dem Höhlenunfall in der Nacht auf Sonntag in der "Riesending"-Schachthöhle bei Berchtesgaden an. Bergwacht, Feuerwehr, BRK, Polizei und viele weitere Helfer organisierten und koordinierten innerhalb kürzester Zeit die aufwendige Rettungsaktion. Zur Diagnose der Verletzungen und zur Bestimmung der Transportfähigkeit, musste jedoch der Rat und die Freigabe eines Arztes hinzugezogen werden. Ein Unterfangen, das nur unter größten Anstrengungen verwirklicht werden konnte. In Europa sind dazu nur insgesamt drei Mediziner überhaupt befähigt, einer davon kommt aus Deutschland. Sein Name ist Dr. Michael Petermeyer.

Service:

Dr. Michael Petermeyer ist aus Frankfurt und leitender Notarzt und Neurochirurg mit einer Spezialisierung für Schmerztherapie. Zusammen mit seinen beiden Kollegen aus Österreich und Italien, die mittlerweile beim Verletzten in der "Riesending"-Schachthöhle im Untersberg angekommen sind, versucht er den Höhlenforscher zu diagnostizieren und zu behandeln. Dass die Bedingungen in der Höhle nicht mit denen zu vergleichen sind, die normalerweise bei der Erstversorgung eines Patienten vorherrschen, liegt auf der Hand. "Wir haben nur sehr wenige Erfahrungen, was den Verlauf eines unbehandelten Schädel-Hirn-Traumas angeht", erklärt der Notfallmediziner. Normalerweise würden Betroffene entweder mit adäquatem Gerät in einer Notaufnahme behandelt oder an ihren Verletzungen noch am Unfallort versterben. "In diesem Fall gleicht der Verletzungsmechanismus dem von Michael Schuhmacher", so Petermeyer. Die Ausprägung und die Schwere der Verletzung sei jedoch geringer.

Die Rahmenbedingungen in 1000 Meter Tiefe gestalten sich sehr schwierig, die niedrige Temperatur, die Feuchtigkeit und das anspruchsvolle Gelände stünden einer Therapie im traditionellen Sinn im Weg, erklärt Petermeyer. Deshalb müsse man sich in dieser Situation hauptsächlich auf die Erfahrung, Beobachtungen und die Kommunikation mit dem Patienten verlassen. Eine Behandlung finde vorrangig auf medikamentöser Basis statt. In Ausnahmefällen sei Petermeyer aber auch jederzeit in der Lage, in die Höhle einzusteigen und vor Ort eine Notfalloperation durchzuführen. Im Falle eines Blutergusses im Kopf sei er in der Lage den Schädel zu öffnen. "Im Moment sehe ich dazu aber keine Notwendigkeit", erklärt Dr. Petermeyer schnell. Der Patient sei über die "Schwelle der maximalen Gefährdung hinweg, aber noch nicht über den Berg", so der Mediziner. Eine Schwellung erreiche ihre größte Ausdehnung normalerweise in den ersten zwei bis drei Tagen, aus den Meldungen und Beobachtungen der Notfallsanitäter vor Ort zeige man sich aber zuversichtlich.

Eine Prognose über die Dauer der Rettungsaktion konnte auch Dr. Petermeyer nicht treffen. "Die beiden Ärzte in der Höhle befinden sich selbstverständlich in Kontakt mit mir. Von hier aus haben wir zudem Zugriff auf ein großes Netzwerk an Erfahrung und Expertise", erklärt der Notfallmediziner. Es finde bei der Rettung eine ständige Abstimmung mit dem Patienten statt, man müsse auf jede Situation und jede Engstelle in der Höhle individuell reagieren. "Der Transport ist immer eine Abwägungssache. Was kann ich dem Patienten zumuten und welchen Schaden richte ich dabei an", so Petermeyer. Zusätzlich sei man in der Lage den Patienten vor Engpässen und besonders herausfordernden Passagen mit Medikamenten weiter zu stabilisieren und zu versorgen.

Eine dauerhafte Begleitung durch den selben Arzt halte Petermeyer schließlich für nicht praktikabel. Sollte der Aufstieg mit dem verletzten Höhlenforscher wirklich mehrere Tage bis Wochen dauern, müsse auf jeden Fall eine Rotation aus Sicht der Ärzte stattfinden. Petermeyer zeigte sich jedoch äußerst zuversichtlich, mit Hilfe der anderen Hilfskräfte, die im Moment den Weg an die Oberfläche ausbauen und weiter für die Rettung vorbereiten, den Patienten schnell aus der Höhle zu bringen. Äußere Anzeichen am Patienten, die auf Komplikationen wie Blutungen hinweisen, gäbe es zum Glück nicht, berichtet Dr. Michael Petermeyer abschließend.

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