Gemeinsam mit der RVO

Zukunft ÖPNV im Landkreis Berchtesgadener Land

+
Hinten v.l. Ania Winter, OB-Kandidatin FWG Bad Reichenhall, Michael Koller Landratskandidat FW BGL, Hans Kortenacker Gemeinderat Berchtesgaden BBG, Martin Möller BBG, Werner Sliwa BBG, Karl Seiberl FW Berchtesgaden, Helmut Langosch Gemeinderat FW Berchtesgaden; vorne v.l. Sepp Wenig Bürgermeisterkandidat FW Berchtesgaden, Andreas Datz Niederlassungsleiter RVO

Berchtesgaden - Landratskandidat Michael Koller, Freie Wähler, Gemeinderäte und Kandidaten der Freien Wähler Berchtesgaden und der Berchtesgadener Bürgergruppe, sowie die OB Kandidatin der FWG Bad Reichenhall, Ania Winter, diskutieren mit Andreas Datz von der RVO über Möglichkeiten in einem zukunftsfähigen ÖPNV.

Wie kann der stetig wachsende Individualverkehr eingebremst, Bürger und Gäste wie auch unsere Landschaft besser geschützt werden? Was genau kann der ÖPNV, und im Besonderen die Zusammenarbeit mit der RVO, dazu beitragen. Das war Thema einer Gesprächsrunde am Betriebshof der RVO im Stangenwald in Bischofswiesen. Diskutiert wurden Bedarfe und Entwicklungserfordernisse des ÖPNV im Talkessel und im gesamten Landkreis Berchtesgadener Land.


Zu Beginn erläuterte der Niederlassungsleiter Andreas Datz die Struktur der RVO. Die RVO in Bischofswiesen/Stangenwald ist ein Betrieb der RVO Niederlassung Ost. Das zu betreuende Liniennetz erstreckt sich von Rosenheim, Traunstein, Reit im Winkl bis hinein ins Berchtesgadener Land. Jährlich werden rd. 9 Millionen km an Fahrleistung erbracht.Täglich befördert die RVO allein rund 10.000 Schüler. Die RVO Niederlassung Ost bedient mit ihren Bussen 9 Städte und 92 Gemeinden. Das ist logistisch eine große Herausforderung, insbesondere im Berchtesgadener Land, wo sich aufgrund der Touristensituation immer wieder die Anforderungen an die Busverkehre ändern, weiß Andreas Datz zu berichten. Speziell im inneren Landkreis BGL wurden im Jahr 2019 rund 660.000 Gäste mit Gästekarte befördert. Da ist Flexibilität und gute Organisation gefordert. Im Sommer brauche man aufgrund der saisonalen Taktverdichtungen mehr Busse und Fahrer als im Winter. Personal und auch der Fuhrpark müssten ganzjährig vorgehalten werden, was eine zusätzliche Herausforderung darstellt. Ein Großteil der eingesetzten Fahrzeuge entspricht bereits Euro Norm 6, also der bestmöglichen Schadstoffklasse.

Niederlassungsleiter Andreas Datz erklärt auf Nachfrage von Hans Kortenacker (BBG), ob denn die RVO überhaupt in der Lage sei, eine vermehrte Nutzung des ÖPNV zu stemmen, dass mit dem derzeitigen Personal einen Fahrgastzuwachs von maximal 30% schulterbar sei. Die RVO bereite sich aufgrund steigender Fahrgastzahlen bereits darauf vor. Da vor Ort geeignetes Personal schwierig zu gewinnen sei, laufen bereits Rekrutierungsmaßnahmen im EU-Ausland, bei denen neben dem Erwerb der Führerscheinklasse D auch Deutschkurse erfolgen.


Die Frage von Sepp Wenig (FW BGD), ob es denn keine öffentlichen Zuschüsse für den ÖPNV gibt, erklärt Andreas Datz, dass die RVO den Linienverkehr eigenwirtschaftlich betreibt und sich über Fahrgelderlöse finanziert. Nur für die kostenlose Beförderung von schwerbehinderten Menschen und die verbilligten Schülermonatskarten gibt es einen entsprechenden Ausgleich.

"Was muss passieren, dass wir nur noch einen Anbieter für den ÖPNV im Landkreis, zur Vereinfachung der Zusammenarbeit und besseren Abstimmung haben?" fragt Landratskandidat Michael Koller (FW BGL). Es werden von der Regierung von Oberbayern Konzessionen für die Bedienung bestimmter Linien mit entsprechenden Laufzeiten vergeben, antwortete Datz.Als Beispiel für die Koordination von Mobilität nannte er Institutionen wie die Rosenheimer Verkehrsgesellschaft oder den Salzburger Verkehrsverbund. Zur Verbesserung der Effektivität einer Zusammenarbeit mit den Kommunen könnte er sich in einem ersten Schritt z. B. eine Arbeitsgruppe ggf. über TRBK organisiert, vorstellen. So könnten in einem geeigneten Gremium erstmal die Bedarfe der Kommunen definiert und dann ein entsprechender Haushalt festgelegt werden. Danach könne man sehen, wie weit man mit dem dafür bereitgestellten Budget kommt.

Michael Koller könnte sich einen größeren Schritt mit der Gründung eines Zweckverbands Verkehr vorstellen, in dem die Gemeinde-, Städte- und Landkreisvertreter dann in gegenseitiger Angleichung helfen, das bereits im Jahr 2018 fertiggestellte Mobilitätskonzept des Landkreises BGL endlich umzusetzen. Das über 500 Seiten lange Konzept halte für verschiedenste Problemfelder bereits gut ausgearbeitete Lösungen bereit. Man muss aber jetzt unbedingt konkrete Vorhaben umsetzen.

Diskutiert wurden Möglichkeiten der Verbesserung und Vereinfachung der Nutzung des ÖPNV. Michael Koller (FW) und Hans Kortenacker (BBG) betonten die Wichtigkeit eines Umdenkens hin zum ÖPNV, eine mögliche Form dazu wäre kostenloses Fahren für ausgesuchte Gruppen wie Schüler, Jugendliche und Auszubildende, auch in den Ferien.

Der Einsatz digitaler Zahlungssysteme wäre eine weitere Möglichkeit die Nutzung des ÖPNV zu vereinfachen, damit besonders junge Leute vermehrt Bus und Bahn fahren. Werner Sliwa (BBG) beklagt, die Langwierigkeit des Barzahlvorgangs.Ania Winter (FWG Bad Reichenhall) stellt sich vor, dass man beim Einstieg das Handy zur Zahlung einfach über einen Scanner zieht. Karl Seiberl (FW BGD) verwies auf die aufladbare Bürgerkarte, die bereits als digitales Zahlungsmittel eingesetzt wird. In dem Zusammenhang kam die Notwendigkeit der Installation eines digitalen Informationssystems auf, ausbaufähig bis hin zu einem Mobilitätszentrum.

Weitere Aspekte der Diskussion waren die Möglichkeiten einer Busspur in Berchtesgaden. Hier schwebte Datz die "Reaktivierung" der vorhandenen Trasse vom alten Ostbahnhof bis zum Hauptbahnhof vor. Damit käme der Bus nicht nur schneller sondern damit pünktlicher ans Ziel, das steigere seine Attraktivität.

Zur Anbindung der kleineren Gemeinden meinte Michael Koller, dass eine Ausweitung des bestehenden Rufbus-Systemseine gute Alternative sei.Allerdings betonte er die Schwierigkeit einer Finanzierung für die kleineren Gemeinden wie beispielsweise Marktschellenberg. Er wisse aus Gesprächen mit Bürgermeister Franz Halmich, dass man zwar eine Anbindung an den Rufbus gerne wolle, aber kleinere Gemeinden sich einfach schwer tun mit der finanziellen Belastung. Die Einbindung der kleinen Gemeinden in das Rufbussystem dürfe eigentlich nicht an mangelnder Kostendeckung scheitern. Schließlich legten alle Gemeinden Wert darauf, dass die Bürger wie Gäste innerhalb des Landkreises sich gut vernetzen.

Alle Berchtesgadener Vertreter waren sich einig, dass eine Verbesserung des ÖPNV-Angebotes im Talkessel und damit einhergehend eine deutliche Steigerung der Nutzung dringend nötig sei. Für Bad Reichenhall bestätigte die Oberbürgermeister-Kandidatin Ania Winter (FWG Bad Reichenhall) aus Ihrer Sicht ebenfalls die Dringlichkeit,den ÖPNV zu stärken und benutzerfreundlich zu gestalten. Sie sprach sich für eine landkreisübergreifende Lösung auf Grundlage des vorhandenen Mobilitätskonzeptes des Landkreises aus.

Schlussendlich stellte Michael Koller fest, dass es Pflicht und Aufgabe des künftigen Landrates sei, der Umsetzung des Mobilitätskonzeptes den Platz einzuräumen, der ihm gebührt. Die Wichtigkeit da zukunftsorientiert, sowohl zur Verkehrsentlastung, als auch zum Schutz unserer Landschaft, zu handeln liegt auf der Hand. Ein landkreisübergreifender Ausbau eines Netzes, in Verbindung mit den Landkreisen Traunstein und Rosenheim, aber auch mit Salzburg, muss dann auch mit auf die Agenda. Dazu braucht es auf Landkreisebene eine adäquate Gesprächsbasis zu Österreich, denn langfristig können zufriedenstellende Lösung nur "auf Augenhöhe" ausgehandelt werden.

Die Anwesenden waren sich alle einig, dass ein größtmöglicher Verbund langfristig zielführend ist. Einen dringenden Handlungsbedarf sahen alle Beteiligten.

Pressemitteilung Freie Wähler Berchtesgaden

Kommentare