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Tägliche Kontrollen am Königssee-Ostufer

So kontrollieren Nationalpark-Ranger das gesperrte Influencer-Becken

Der 32-jährige Ole Behling ist Leiter des Ranger-Teams im Nationalpark Berchtesgaden. Hier, am Ufer des Königssees, befindet man sich bereits im Schutzgebiet.
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Der 32-jährige Ole Behling ist Leiter des Ranger-Teams im Nationalpark Berchtesgaden. Hier, am Ufer des Königssees, befindet man sich bereits im Schutzgebiet.

Als Notlösung zum Erholen der Natur wird die nächsten fünf Jahre ein Teilstück des Nationalparks Berchtesgaden gesperrt sein. Um die neuen Naturschutzmaßnahmen durch zu setzen, kontrollieren zwei Ranger dauerhaft das Gebiet um den Königsbach-Wasserfall. BGLand24.de hat einen von ihnen auf einer Tour begleitet.

Schönau am Königssee - In die Rolle des Hilfssheriffs schlüpfen die Ranger des Nationalparks Berchtesgaden zwar nur ungern. Aber seitdem ein rund zehn Hektar großes Teilstück des Parks oberhalb des Königssees für voraussichtlich fünf Jahre gesperrt wurde, gehören die täglichen Kontrollen nun mal dazu: 47 Verstöße haben die Ranger seitdem festgestellt, sagt Ole Behling, Leiter der Nationalpark-Ranger, bei einem Besuch am Königssee. Die Wasserbecken, in denen zwei junge Männer ums Leben gekommen waren, liegen weiterhin im nicht gesperrten Bereich. 

Die gelbe Weste, die der gebürtige Hamburger trägt, ist neu. “Streife” prangt in fetten Lettern auf dem Rücken. Früher erinnerten die Ranger eher an Förster oder Jäger, heutzutage stechen sie selbst den Unaufmerksamen ins Auge. “Damit sind wir deutlich besser zu erkennen”, sagt also Ole Behling während er in Richtung Malerwinkel, oberhalb des Königssees gelegen, zum “Eingang” des Nationalparks spaziert. Der studierte Forstwissenschaftler stieß vor etwas mehr als zwei Jahren zum Nationalpark Berchtesgaden dazu, leitet dort ein Team aus 17 Rangern

Ranger hatten für den Nationalpark schon immer große Bedeutung. Sie führen Besucher, klettern, wenn es sein muss, schon mal in einen Steinadlerhorst, haben ein wachsames Auge bei der Begehung des Parks. Neuerdings sind die Ranger auch ganz offiziell in der Rolle des Aufpassers unterwegs, werden schon mal als “Hilfssheriffs” oder “Nationalpark-Polizei” bezeichnet.

Der rot eingefärbte Bereich ist das zehn Hektar große Areal am Königssee.

Ganz korrekt sind beide Bezeichnungen zwar nicht. Tatsache aber ist: Zwei Ranger sind dauerhaft dafür abgestellt, um den Bereich rund um den Königsbach-Wasserfall zu kontrollieren. Die Rundgänge sind fix eingeplant, Tag für Tag, dieses und nächstes Jahr - und wahrscheinlich auch in den darauf folgenden.

Die Kontrollen finden täglich statt, seitdem der Beschluss gefasst wurde, ab Ende Juni das Zehn-Hektar-Areal zu sperren, das durch soziale Medien in den vergangenen vier Jahren so große Bedeutung erlangt hat. Bis zu 400 Smartphone-affine Besucher hatten sich dort an Spitzentagen in Richtung Königsbach-Wasserfall gewagt, zu den Gumpen, in denen zwei junge Männer ums Leben gekommen waren.

Die Gumpen sind von der nun auferlegten Sperrung des Nationalparks nicht betroffen, liegen weiterhin im öffentlich zugänglichen Bereich. Garant für tolle Fotos waren die Spots. Mit solchen Fotos konnte man tausende Herzchen und Likes abgreifen. Dem Nationalpark Berchtesgaden war das ein Dorn im Auge.

Aber anders als angenommen, ist die Sperrung des Bereichs nicht aus Sicherheitsgründen erfolgt. “Denn die Besucher sind für sich selbst verantwortlich”, sagt Ole Behling. Es geht rein um den Naturschutz: Die Landschaft hat am Königssee arg gelitten. Sie braucht eine Verschnaufpause. Auf fünf Jahre haben sich die Verantwortlichen zunächst geeinigt. Mal sehen, wie sich die Vegetation in diesem Zeitraum erholt. Dass es überhaupt zu einer Sperrung für die Öffentlichkeit kommen musste, bedauert man im Nationalpark. Allerdings: Es zählt nun mal der Naturschutzgedanke, dieser genießt oberste Priorität. 

Ole Behling im Gespräch mit einem Radfahrer, der hier besser absteigen sollte.

Ole Behling hat gerade eine Gruppe Radfahrer angehalten. Radfahren hier hinten ist so eine Sache. Auch die Dame mit dem kleinen Hund hat ihren Vierbeiner nicht an der Leine. Im Nationalpark ist das aber Pflicht. Als solche versteht der 32-Jährige auch seinen charmanten, aber gezielten Hinweis an die Besucher, die Regeln doch einzuhalten.

Etliche Urlauber sind an diesem Tag am Königssee zu Fuß unterwegs, spazieren das Gelände des Ostufers entlang. Wer weitergeht, stößt auf eins von insgesamt zwölf großen Hinweisschildern: “STOP” heißt es dort: “Vegetationsschutzgebiet - Betreten verboten”. Es ist der erste Hinweis darauf, dass man bald in der Sperrzone angelangt ist.

“Die Besucherlenkung ist ein großes Thema geworden”, weiß Carolin Scheiter, Leiterin der Stabsstelle Kommunikation. Früher reichte ein ausgeschriebener Weg und eine Infotafel: “95 Prozent der Besucher hielten sich dran.” In Zeiten digitaler Medien, in denen GPS-Daten ausreichend sind, um jedem eine Tour vorzuschlagen, muss man schon größere Geschütze auffahren: In digitaler Hinsicht will man deshalb im Nationalpark Berchtesgaden aufrüsten, präventiv tätig sein, auf Gebote und Gefahren hinweisen. Kürzlich wurde eine neue Mitarbeiterin eingestellt, die sich ausschließlich um die Besucherlenkung auf allen Kanälen kümmert. 

Beliebt bei jungen Erkundern und Foto-affinen Social-Media-Nutzer: das Ufer am Königssee.

Nicht alle der größtenteils jungen Besucher sind einsichtig, wenn die Ranger sie auf ein Vergehen ansprechen. 47 Mal haben die Nationalpark-Mitarbeiter, die mittlerweile im Schichtdienst unterwegs sind, schon Anzeige erstattet. Konfliktreiche Situationen blieben aus. Bei Regelverstoß erwartet einen eine mittlere dreistellige Euro-Strafe, die so manchem weh tun könnte. Die angekündigten Bußgelder in Höhe von bis zu 25.000 Euro wird es so wohl nicht geben. 

Klar ist: Die Strafen sollen aber abschreckende Wirkung entfalten. “Es wird wahrscheinlich ein bis zwei Jahre dauern, bis jedem klar ist, dass der Bereich rund um den Königsbach-Wasserfall gesperrt ist”, sagt Carolin Scheiter. Dass es weitere Gebiete im Nationalpark gibt, die “Potenzial für eine Sperrung” hätten, daraus machen die Nationalpark-Mitarbeiter keinen Hehl. “Eine Sperrung ist eine Notlösung, ein letzter Schritt”, sagt Ole Behling. Man will alles dafür tun, dass der Königsbachwasserfall das einzig gesperrte Areal bleibt. 

kp

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