Kalt-warmes Zuckerschlecken

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Berchtesgaden - Die Schnitzschüler der Berufsfachschule für Holzbildhauerei sollen zehn Skulpturen anfertigen. Allerdings scheint ihnen das Wetter einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Da leckt sich der Schnee-Löwe wahrhaftig das Maul. So, als sei die Sache reines Zuckerschlecken gewesen. War sie aber nicht, das Wetter spielte gegen die Schnitzschüler der Berufsfachschule für Holzbildhauerei und Schreinerei des Berchtesgadener Landes. Ihre Aufgabe: zehn Schneeskulpturen anzufertigen, rechtzeitig zu Beginn der Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaft, die am heutigen Donnerstag mit einem großen Fest im Markt Berchtesgaden eröffnet wird.

Für die Schnitzschüler ist der Ist-Zustand enttäuschend, sagt Norbert Däuber, der Schuldirektor der Schnitzschule. Da habe man sich über Wochen auf den Einsatz gefreut, auf das Gestalten der Schneeblöcke, die überall in und um den Markt herum aufgestellt worden waren, und nun, da das Wetter immer frühlingshaftere Temperaturen angenommen hatte, vor sich hin schmelzen. „Eigentlich haben wir darauf gehofft, dass die Temperaturen nochmals anziehen, es kälter wird.“ Den Tonnen an Schnee, den eisigen Quadern, hätte es gut getan. So haben sie aber an Substanz verloren. Das Arbeitsmaterial wich den Sonnenstrahlen, verflüssigte sich. Und dennoch sind die Schnitzschüler dran geblieben, so etwa Karina, zweites Lehrjahr, die zusammen mit zwei Schulkollegen Hand an die Skulptur bei der Villa Kanzel gelegt hat.

Kalt-warmes Zuckerschlecken

Unweit der Baustelle des „Haus der Berge“ steht sie, noch ein Block, aber die Details werden immer klarer. Ein Löwe soll das werden, kein gewöhnlicher, sondern in sportlicher Montur. Mit Helm. Die Aufgabe hieß: „Macht etwas mit Bezug zur Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaft“. So entstand eine Vorlage in Ton, ein kleiner Löwe, der, angelehnt an den sich über das Maul schleckenden Löwen der 200-Jahr-Feier „Berchtesgaden bei Bayern“, die Zunge über das Visier gleiten lässt. Die Idee ist hervorragend, nur die Außenbedingungen spielen gegen die Schnitzschüler, denen Ihr Arbeitsmaterial mit jedem Sonnenstrahl dahinschmilzt. Die Stimmung ist getrübt. Auch Fritz Schelle, der gerade die Arbeit begutachtet, ist etwas verzweifelt. Aber man kann ja nichts machen. „Wir werden schon fertig“, sagt er. Im Hinterkopf die Tatsache, dass die Kunstwerke wohl nur wenige Tage „überleben“ werden. Bis dahin gilt es zu improvisieren, mit allen Tricks und Kniffen die Schnee-Werke am Leben zu erhalten. „Detailarbeiten werden kaum möglich sein, wir geben aber unser Bestes“, weiß auch Schuldirektor Däuber, die Temperaturen sind dennoch gnadenlos.

Der Skeleton-Fahrer am Weihnachtsschützenplatz, bereits vor rund zwei Wochen fertiggestellt, hat aufgegeben, ein Häufchen Restschnee ziert den Bereich. Ein Großteil der Grobarbeiten haben Karina und ihre zwei männlichen Kollegen indes bereits hinter sich gebracht, was folgen soll, sind die Details. Auch im Markt, vor dem ehemaligen Postturm, steht eine Skulptur. Vier Schnitzschüler arbeiten daran, die Sonne fällt im schrägen Winkel auf den Platz. Bei jedem Schaufelhieb, der überschüssiges Material vom Objekt fallen lässt, bricht sich das Licht im Schnee. Ein schöner Moment für den Beobachter. „Es hält nicht“, sagt eine Schnitzschülerin, um sie herum matschiger Schnee ohne Substanz, im Begriff, in den Gullideckel zu verschwinden. Noch ist die Motivation aber vorhanden, auch die Aufgabe gilt noch, zur heutigen WM-Eröffnungsfeier soll alles fertig sein, der Markt sportlich attraktiv daherkommen, einstimmend auf die Großveranstaltung am Königssee, die bis zum 27. Februar andauern wird. „Mir tun meine Schüler leid, es ist frustrierend“, wiederholt Däuber, das Material spiele einfach nicht mit. Die Hoffnung stirbt bekanntlich aber zuletzt.

kp

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