Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Präsident der TU München im Interview

Zukunft des Schülerforschungszentrums in Berchtesgaden: „Können uns Talentverschwendung nicht leisten“

Prof. Dr. Thomas F. Hofmann, Präsident der Technischen Universität München, in seinem Büro am TUM Campus Innenstadt. 
+
Prof. Dr. Thomas F. Hofmann, Präsident der Technischen Universität München, in seinem Büro am TUM Campus Innenstadt. 

Seit zehn Jahren läuft es für das Schülerforschungszentrum (SFZ) in Berchtesgaden rund, sagt Prof. Dr. Thomas Hofmann, Präsident der Technischen Universität München.

Berchtesgaden – Deshalb soll die Einrichtung, die als Leuchtturmprojekt in Bayern angepriesen wurde, inhaltlich und didaktisch weiterentwickelt werden. Geplant sei auch die Ausweitung des Einzugsgebiets. Selbst Grundschüler sollen schon bald dort experimentieren können: „Denn in diesem Alter prägen viele Kinder bereits ihre Interessen aus“, so Hofmann.

Das Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land gilt als Außenstelle der TU München. Das SFZ feierte nun zehnjähriges Bestehen. Verlief die Entwicklung in den vergangenen Jahren zu Ihrer Zufriedenheit?

Prof. Dr. Thomas Hofmann: Es gibt nichts Schöneres für einen Universitätspräsidenten als junge Menschen, die ihre Leidenschaft für Naturwissenschaft, Technik oder Mathematik durch die Universität entdeckt haben. Umso mehr freut es mich, wenn uns das bereits im Kindesalter gelingt. Die vielen Berichte und Begegnungen von und mit jungen Erwachsenen, die uns erzählen, wie das Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land ihre Begeisterung für die MINT-Fächer geweckt hat, bestätigt mir immer wieder, wie viel hier in den vergangenen zehn Jahren geleistet wurde. An diesem Erfolg sieht man wieder einmal, dass die ambitioniertesten Projekte am besten mit engen Partnerschaften gelingen. Beeindruckt hat mich die Arbeit des Schülerforschungszentrums während der Pandemie, als die Mitarbeitenden in kürzester Zeit neue digitale Formate entwickelt haben, die großen Anklang fanden. Wir konnten mit den Experimenten Anregungen nach Hause bringen, in einer Zeit, die für Kinder besonders belastend war. 

Der ehemalige Landrat des Berchtesgadener Landes, Georg Grabner, hat das Schülerforschungszentrum immer als „Leuchtturmprojekt“ bezeichnet. Vergleichbare Einrichtungen gibt es nicht. Was verspricht sich die TU von der Einrichtung für die Zukunft?

Hofmann: Begabungen entdecken, Talente fördern, Leidenschaft wecken – das sind die Ziele des Schülerforschungszentrums. Dabei geht es uns längst nicht nur um den eigenen Nachwuchs, sondern um Kinder aus sämtlichen Schulformen. Wenige Aufgaben im Bildungsbereich könnten heute wichtiger sein als Begabungen gerade auch an den Mittelschulen zu identifizieren und zu fördern. Deutschland kann es sich nicht leisten, auch nur ein Talent zu verschwenden. Konkret die Ausbildungsbetriebe haben sie dringend nötig. Nicht zuletzt mit seinen mehrtägigen und langfristigen Formaten erreicht das Schülerforschungszentrum nachhaltige Effekte. Wenn es damit zum Leuchtturm und Vorbild geworden ist, freuen wir uns über künftige Nachahmer.

Das Angebot in Berchtesgaden soll deutlich ausgebaut werden. In welche Richtung möchte man das SFZ weiterentwickeln?

Hofmann: Wir werden das Schülerforschungszentrum sowohl inhaltlich als auch didaktisch weiterentwickeln. Künstliche Intelligenz, Klima und Umwelt wollen wir noch stärker in den Blick nehmen und dabei auch den einzigartigen Standortvorteil, den uns Berchtesgaden für die Naturbeobachtung des Alpenraums bietet, stärker nutzen. Bei der Ausweitung des Programms werden wir von den Erfahrungen mit digitalen Angeboten während der Pandemie profitieren. Viele Formate werden wir künftig mit den Teilnehmenden digital vor- und nachbereiten, sodass vor Ort die gesamte Zeit für Experimente mit dem Equipment bleibt, das in den Schulen nicht vorhanden ist. Auch vollständig digitale Veranstaltungen wollen wir fest etablieren. Sie erleichtern nicht nur Kindern aus entfernteren Regionen des Landkreises die Teilnahme: Wir können die Wirkung des Zentrums und damit auch des Landkreises sogar über das bisherige Einzugsgebiet hinaus ausdehnen. Zugleich können wir damit auch Wissenschaftler für Veranstaltungen gewinnen, die nicht die Zeit finden, nach Berchtesgaden zu kommen.

Grundschulen sollen auch verstärkt im Fokus liegen…

Hofmann: Ja, wir werden künftig ein noch größeres Augenmerk auf die Grundschulen legen. Denn in diesem Alter prägen viele Kinder Interessen aus, die sie ihr Leben lang bewahren. Vorstellen können wir uns ein Netzwerk aus engagierten Lehrkräften, denen wir Know-how aus unserer Bildungsforschung zur Verfügung stellen und die wiederum in ihren jeweiligen Regionen Lehrer fortbilden, um mehr MINT-Experimente in die Schulen zu bringen.

Auch die Forschungseinrichtung am Roßfeld ist eine Außenstelle der TU München. Wie ist der Startschuss dort während der Pandemie verlaufen?

Hofmann: Obwohl die Pandemie die Forschung im Labor erschwert und die Arbeit in Gruppen, für die das Gebäude ja ausgerichtet ist, phasenweise unmöglich gemacht hat, hat die Forschungsstation einen guten Start hingelegt. Sie steht allen Angehörigen der TUM offen und wurde bereits rege genutzt. Besonders wertvoll ist sie für unsere Arbeit auf dem Gebiet der Ökosysteme von Gebirgslandschaften, die auch personell mit der Forschung des Nationalparks Berchtesgaden verknüpft ist.

Was plant die TU mit der Außenstelle am Rossfeld in den kommenden Jahren?

Hofmann: Die Forschungsstation wird ihr volles Potenzial entfalten können, wenn die Präsenzarbeit in Gruppen wieder ohne Einschränkungen möglich ist. Dann bietet sie Möglichkeiten für Forschungsprojekte und Studiengänge im Bereich Ökologie, Klima und Naturmanagement. Wir werden außerdem Konzepte entwickeln, wie sich Schülerforschungszentrum und Forschungsstation gegenseitig befruchten können.

kp

Kommentare