Viel Diskussionsbedarf bei Info-Veranstaltung

Influencer-Gumpen, E-Bikes, tote Hirschkälber: Nationalpark reagiert

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Der Leiter des Nationalparks Berchtesgaden, Roland Baier, stand am Dienstag im "Haus der Berge" Rede und Antwort. 
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Berchtesgaden - Die Akzeptanz so groß wie nie und doch eine Reihe an Problemen: Beim Nationalpark gab man nun einen Ausblick auf 2019 und schnitt auch die großen Themen an. 

Eigentlich wollte man dazu nichts sagen: "Das Thema der toten Hirschkälber wird auf Wunsch der Gemeinden Ramsau, Schönau und Berchtesgaden heute ausgeklammert", so Ramsaus Bürgermeister Herbert Gschoßmann bei der Veranstaltung "Der Nationalpark informiert" am Dienstag - doch dann wurde in der Diskussion später doch noch nachgebohrt: "Was ist mit den Rücktrittsforderungen an die Nationalparkleitung wegen der toten Hirschkälber und mit den traurigen Vorwürfen der Tierschutzvereine?"

Fleisch als Wildbret verkauft? "Totaler Schmarrn"

Der Plan von Nationalparkleiter Roland Baier, "um das Thema in voller Breite zu behandeln", war eigentlich ein Ortstermin mit den Revierleitern direkt im Nationalpark - doch dann äußerte sich Baier doch noch: "Das ist absolut haltlos und üble Nachrede. Jetzt wurde sogar behauptet, wir hätten das Fleisch als Wildbret verkauft", so Baier zu den Vorwürfen, der Nationalpark habe Hirschkühe erschossen, woraufhin die Kälber verhungert wären

"Es ist immer die gleiche Masche, wie diese drei Vereine (Allianz für Wildtiere, Wildes Bayern, Deutscher Tierschutzbund, Anm.) gegen Behörden vorgehen", so Baier - es stimme nicht mal, dass die Vereine wie berichtet Anzeige gegen den Nationalpark gestellt hätten: "Unsere Leute werden in Misskredit gebracht, aber da ist nichts dahinter. Die Vorwürfe sind totaler Schmarrn", so der Leiter. Er bekam vom Großteil der 100 Interessierten im Berchtesgadener "Haus der Berge" warmen Applaus für die klaren Worte.

Noch mehr Schilder gegen "Influencer-Becken" am Königssee

Überhaupt scheint der Nationalpark in der Bevölkerung verankert wie nie: Die Akzeptanz liegt laut einer Studie aus dem vorigen Jahr bei 96 Prozent - 1990, elf Jahre nach Gründung des Nationalparks, war die Akzeptanz gerade mal bei gut 50 Prozent. Die Einstellung zur Natur habe sich gewandelt, vor allem auch bei den jungen Leuten und nicht zuletzt sei jedem bewusst, wie wichtig der Nationalpark für den Tourismus ist. 

Trotzdem musste in der Info-Veranstaltung eine Reihe von Problemen angesprochen werden: "Früher waren die Wasserfälle am Königsbach nur den Einheimischen bekannt, durch die sozialen Medien ist jetzt ein Hype draus geworden", so Roland Baier. Zwei junge Männer ertranken heuer in einer der Gumpen. Die Nationalparkverwaltung will jetzt noch früher an den Wegen in der Umgebung Schilder aufstellen, dieeindeutig auf die Lebensgefahr hinweisen. Auch einen "runden Tisch" mit Polizei, Tourismusverband, Bergwacht und Gemeinden wird es geben. 

E-Bikes und Hunde als Dauerthema

Einige Diskussionen und Wortmeldungen gab es auch um E-Bikes: "Die Meinungen, ob sie Fluch oder Segen sind, gehen sehr weit auseinander", so der Leiter der Nationalparkverwaltung. Eine Masterarbeit zusammen mit dem DAV und der Hochschule Weihenstephan soll bald Aufschluss darüber geben, wie viele E-Biker wirklich unterwegs sind, was sie wollen und wohin sie fahren. Ein Verbot der E-Bikes sei kein Thema, ebenso wie eine Helmpflicht. Segways sind hingegen nicht zugelassen, bei den neuen E-Rollern werde man laut Baier noch abwarten

Auch ums Thema Hunde kam man in der Diskussion nicht umhin: Hundekot-Sackerl in der Landschaft oder nicht-angeleinte Vierbeiner bleiben ein Ärgernis, "95 Prozent der Hundehalter sind aber einsichtig, wenn man sie auf die Anleinpflicht im Nationalpark hinweist", so Ranger-Leiter Jochen Grab. Ein Problem, das den Nationalparkverantwortlichen noch recht neu ist, heißt: Drohnen. Vor allem rund um St. Bartholomä fielen die fliegenden Kameras negativ auf. Auch hier will man Schilder aufstellen, die auf das Verbot hinweisen.

Probleme durch Schneemassen noch immer "teils massiv"

Noch immer hat man im Nationalpark mit den Folgen der Schneemassen zu kämpfen: "Heuer ist es wirklich außergewöhnlich, bei der Begehung der Wege gibt es teils massive Probleme", so Wegereferent Lorenz Köppl. Steinschläge versperren Wege, Brücken sind teils zerstört, Handläufe kaputt. Einige Wege im Hagengebirge oder im Steinernen Meer seien noch immer nicht aper, schwere Unfälle nur eine Frage der Zeit, so Köppl: "Manche Leute sind ungeduldig und unvernünftig. Die haben gebucht und gehen einfach los", so Baier. Der aktuelle Wegezustandsbericht im Internet gebe aber gut Auskunft.

Was steht 2019 sonst noch an im Nationalpark? Der Hochwasserschutz im Klausbachtal, ein barrierefreier Weg am Jenner oder Kanalbauten an Fischunkenalm, Kühroint oder Wasserfallalm. Außerdem soll im Juni im "Haus der Berge" der neue Teilbereich "Fels- und Gipfelregion" eröffnen. Jungadler sollen heuer mit GPS-Sendern ausgestattet werden und ein Imagefilm ist in Produktion. Auch zwei längerfristige Projekte hat die Nationalparkverwaltung: Die Infostelle St. Bartholomä wird bis Sommer 2021 neu gestaltet, das Freigelände des Klausbachhauses soll außerdem unter dem Motto "Artenvielfalt" neu gestaltet werden. 

xe

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