Beste Stimmung mit "Herbert und Schnipsi"

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Seit über 30 Jahren im realen Leben ein Paar – auf der Bühne seit über 25 Jahren unterwegs: Herbert und Schnipsi.

Berchtesgaden - Die Kabarettisten Herbert und Schnipsi sorgten mit ihrem Programm „Weil wir uns net geniern“ für beste Stimmung im Kongresshaus Berchtesgaden.

Spätestens als Herbert (Hanns Meilhamer) und Schnipsi (Claudia Schlenger) die Bühne betraten, war die Stimmung im Publikum gelöst. Vor 300 Zuschauern begeisterten die Niederbayern zwei Stunden lang im Kongresshaus - mit einem abwechslungsreichen, runden Kabarettprogramm, das kaum Wünsche offen lässt. Herrlich skurril ist so manche (Ehe-)Szene, köstlich sind die schrägen Grimassen, die Schnipsi immer wieder zum Besten gibt. Die Erkenntnis: Eine lange Ehe kann erheiternd sein.

Es waren Szenen einer Ehe, die das Duo im Kongresshaus da aufführte. Heitere Szenen, die sich nun mal so zutragen, wenn man ein viertel Jahrhundert zusammen ist. Wenn es etwa darum geht, dem Gatten das eine oder andere Liebesgeständnis herauszulocken, muss man schon mal andere Mittel einsetzen. Die Schnipsi zeigte dann auch unverzüglich, was sie sich in scheinbar jahrelanger Erfahrung angeeignet hat – und klopfte dem Herbert während eines charmant vorgetragenen Liedes immer wieder auf das am Hut angebrachte Schlagzeug-Becken. Und der Herbert hat diese „Liebesdatscherl“ auch ohne weiteres über sich ergehen lassen. Gut möglich, dass sich die Damen im Publikum Schnipsis Vorgehensweise einfach abgeschaut haben. Herbert und Schnipsis aktuelles Kabarettprogramm hat bereits vier Jahre auf dem Buckel. Eine lange Zeit – und trotzdem funktioniert das Gezeigte beim Publikum. Das liegt vielleicht auch daran, dass die beiden immer wieder an ihrem Programm gefeilt haben.

"Herbert und Schnipsi" in Berchtesgaden

Sketche wurden verbessert, hinzugefügt, Lieder ausgetauscht, die Lachgarantie-Dichte sukzessive erhöht. Und so locken die aus dem TV bekannten Protagonisten noch immer Hunderte Zuschauer in ihr Programm, das auf kunterbunt fantastische Weise schlichtweg nur von einem berichtet: vom „tristen“ Alltag. Jedoch erheiternd frisch und ohne dass man als Zuschauer das ungute Gefühl in der Magengegend haben müsste, es wirkte aufgesetzt. Im Gegenteil: Die Mischung war bunt, die Dialoge pointiert, die Einlagen oft Slapstick-lastig – im Kongresshaus zeigte die deutsch-bayrische Kabarettszene ihr ganzes Können auf kleiner Bühne. Heiraten? Ja, das dürfe ein jeder Depp. Merkwürdig, denn für alles andere brauche man doch ansonsten auch einen Führerschein, so die Erkenntnis. Dennoch: Auch im realen Leben sind Herbert und Schnipsi ein Paar, seit über 30 Jahren. Und weil die Erfahrung groß ist, haben sie sich was ausgedacht: Für die Hochzeit der Nichte produzieren sie ein Video. Mit Glückwünschen zum großen Tag, mit Ratschlägen. Ein Besuch bei der Nichte? Eigentlich schon, wenn da nicht die Spritpreise wären – zu teuer, da muss es auch mal etwas Selbstgedrehtes tun.

Warum die zwei so gut funktionieren? Die Antwort liegt in den beiden perfekt aufeinander abgestimmten Bühnenpersönlichkeiten. Die Schnipsi, der scheinbar immerzu quietschfidele „Jungspund“, der Leben in die Bude bringt, in so manchem Moment jagt sie wie ein Derwisch auf Drogen über die Bühne, wirbelt das Publikum auf, entlockt diesem laute Lacher – eine Wette darauf, dass Schnipsis Mimiken nicht zu schlagen sind. „Sie rollt mit de Augn und schmeißt ihre Lockerl und schüttelt ihren Körper wia a Salzburger Nockerl!“, singt Herbert in einem selbstkomponierten Lied. Ganz anders er selbst: Auf den ersten Blick ein scheinbarer Langweiler. Einer ohne große Gefühlsregungen, Eile mit Weile, ein bedächtiger Zeitgenosse, der sich zunächst so gar nicht von den wirbelwindgleichen Emotionsregungen seiner Gattin beeindrucken lassen möchte. Aber der Herbert ist auch einer, der um seine Qualitäten Bescheid weiß: „Schau, a starke Frau wia Du, braucht hi und da an ganzen Kerl, überleg net, probier – kimm zu mir!“ Und so gelingt den beiden das, was im echten Leben oft misslingt: Probleme des Alltags werden angesprochen, auf heiter-witzige Weise.

Sozusagen eine Selbsttherapie auf der Bühne, die Herbert und Schnipsi zu gelingen scheint. „Au weh, jetzt bin ich tatsächlich alt, meine Nasn is ja viel länger gwordn“, stellt Herbert einmal fest, als er sich um sein Alter sorgt, kurz vor einer Depression steht und einen kritischen Blick in den Spiegel wirft. Die Gattin indes ist guter Dinge und nimmt es so, wie es kommt: „Mit meinen Batzlaugen und Hängebacken sehe ich ja aus wie ein Hamster“, sagt Schnipsi. Das ist aber nicht weiter tragisch – was ist schon der Hamster-Look im Vergleich mit dem Puppen-Gesicht der modernen Schönheitsmedizin? Definitiv ein entscheidender Vorteil. Und den wissen die beiden Kabarettisten auf der Bühne immer wieder auszuspielen.

kp

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