Haus der Berge nicht komplett barrierefrei

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Ein Shuttle-Service soll nun körperlich Beeinträchtigte nach Wunsch vom einen in das andere Gebäude befördern, wie Projektleiter Ulrich Brendel bestätigt.

Berchtesgaden - Beim Haus der Berge wird es im Außenbereicht keine vollständige Barrierefreiheit geben. Erfahren Sie hier, warum:

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Auf eine komplette Barrierefreiheit wird man beim „Haus der Berge“ verzichten müssen, wie Projektleiter Ulrich Brendel und die Leiterin des Bereichs Hochbau am Staatlichen Bauamt Traunstein auf Anfrage bestätigten. Im Zuge der Planungen war von Behindertenvertretern der Wunsch geäußert worden, vom an der Staatsstraße gelegenen Ausstellungsgelände direkt über das Gelände in die weiter unten gelegene Forschungsstätte zu gelangen. „Aufgrund der Topographie ist das aber kaum möglich“, bestätigte Brendel nun.

Die Umsetzungskosten wären zu hoch, im „deutlich fünfstelligen Bereich“. Deshalb wurde die Maßnahme, eine komplette Barrierefreiheit zu schaffen, unter dem Einverständnis der Verantwortlichen aus dem Planungskonzept gestrichen. Ein Shuttle-Service soll nun körperlich Beeinträchtigte nach Wunsch vom einen in das andere Gebäude befördern. „Funktional sind die Bereiche nicht zwingend barrierefrei zu verbinden“, sagt Doris Lackerbauer. „Die Bereiche sind in sich ja bereits barrierefrei gebaut.“ Das sei das Ziel gewesen und so werde es auch umgesetzt. Wenn die Erfahrung der Nutzung dann aber eine andere sein sollte, könnte im Nachhinein nachgebessert werden. Hätte man eine behindertengerechte und somit barrierefreie Wegeführung umgesetzt, „wäre im Außenbereich ein einziger Zick-Zack-Kurs mit Wegen und Rampen entstanden“, bestätigt Ulrich Brendel. Die Topographie sei außerdem zu steil, um etwa eine für Rollstuhlfahrer annehmbare Lösung zu schaffen.

Großbaustelle am Haus der Berge

In den Gebäuden herrscht komplette Barrierefreiheit. Im Außenbereich nicht – wegen der Topographie und fehlender finanzieller Mittel.

Somit wird es nicht möglich sein, dass körperlich Beeinträchtigte auf direktem Weg vom Ausstellungsgebäude über das Außengelände in den unteren Gebäudetrakt gelangen. „Wir haben eine Lösung angeboten“, formuliert es Brendel. Ein Shuttle-Fahrzeug soll nach Bedarf körperlich eingeschränkte Personen transportieren. Die Lösung scheint keine optimale zu sein, nur fehlen die finanziellen Mittel, um eine komplette Barrierefreiheit garantieren zu können. „Wir haben damals eine Kostenschätzung für eine andere Variante, einen Aufzug, eingeholt“, sagt Brendel. „Aber für eine Umsetzung haben wir kein Geld.“ Das „Haus der Berge“ ist mit einer Gesamtsumme von 19 Millionen Euro nach oben hin gedeckelt. Auch der Projektleiter bestätigt, dass eine nachträglich umgesetzte Barrierefreiheit zwar möglich wäre. „Vermutlich über einen Außenaufzug würde eine direkte Verbindung geschaffen werden können“, sagt er. Die Shuttle-Fahrzeug-Lösung ist in Augen von Lackerbauer und Brendel die situationsbedingt bestmögliche.

„Es geht zwar immer besser“, sagt der Projektleiter, aber dafür habe man bereits in vielen anderen Punkten Kompromisse getroffen, bei denen sich auch die Behindertenvertreter zufrieden zeigten. Sven Hosse von der Behinderten-Integration Berchtesgaden bestätigt, dass die Zusammenarbeit im Vorfeld gut gewesen sei. Wie sich der Shuttle-Service in der Praxis umsetzen lässt, dafür gibt es noch kein ausgearbeitetes Konzept. Spätestens im Mai 2013, wenn das „Haus der Berge“ seine Pforten öffnen wird, werden Betroffene mehr wissen.

kp

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