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Fünf vor Zwölf bis zum Verkehrskollaps in Berchtesgaden?

Bauamt zu Großbaustelle B20: “Hohes Restrisiko, dass keine Zweispurigkeit möglich ist”

Fünf vor Zwölf bis zum Verkehrskollaps in Berchtesgaden?
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Stau Berchtesgaden.JPG

Der Grundstein zum perfekten Verkehrschaos mitten durch Berchtesgaden ist seit Beginn der Großbaustelle an der Bundesstraße 20 gelegt. Nun könnte die geplante Baustellenöffnung zur Hauptreisezeit ins Wasser fallen, sagt der zuständige Baudirektor Martin Bambach vom Staatlichen Bauamt Traunstein. Bohrungen zur Hochwassersicherung an der Ache verzögern sich. Zudem klagt die Bundespolizei über Fußgänger, die die Baustelle über das Gleisbett der Deutschen Bahn passieren - und sich damit in Lebensgefahr begeben.

Berchtesgaden - Die endlos lange Autoschlange durch den Markt von Berchtesgaden begrüßt Autofahrer beinahe täglich, seit die Urlauber den Ort wieder für sich entdeckt haben und munter in die Berge rollen. Das Ungemach könnte größer nicht sein.

Martin Bambach prognostiziert: „Es verbleibt ein hohes Restrisiko, dass wir die Baustelle zur Hauptsaison nicht zweispurig öffnen können.” Der Grund liegt in den aufwendigen Bohrarbeiten: Das Großbohrgerät mit rund 70 Zentimetern Durchmesser dringt unermüdlich ins Erdreich. 360 Bohrungen sind auf einer mehrere hundert Meter langen Strecke notwendig. Jede Bohrung ist achteinhalb Meter tief. Doch der Untergrund birgt so manche Tücke: „Im Untergrund ist viel Fels”, sagt Christoph Benkert vom Staatlichen Bauamt Traunstein. Die Arbeiten kommen nicht so voran wie sie sollten. Erst 50 Bohrungen sind fertig. 310 weitere sollen noch folgen.

Ein Großbohrgerät der zwei vorhandenen 24 Meter hohen Superbohrer schafft maximal zehn Bohrungen am Tag.

Mit den Bohrungen und dem Setzen von Pfählen soll die Berchtesgadener Ache keine Chance mehr bekommen, die Bundesstraße zu unterspülen.

Die Sache dauert - und so lange bleibt die B20 nur einspurig ortsauswärts befahrbar. Für den Tourismus und die tausenden Urlauber bedeutet das nichts Gutes im ohnehin von Staus geplagten Berchtesgaden. Das weiß auch Marktbaumeister Peter Hasenknopf: „Die Baustelle muss zum Sommer hin wieder zweispurig befahrbar sein”, lautet dessen Forderung, die die Gemeinde mehrfach geäußert hatte. Andernfalls wäre spätestens in der Hauptreisewelle Chaos pur: „Es kann ja nicht sein, dass Urlauber als auch Schwerlastverkehr mitten durch das Zentrum Berchtesgadens gelotst werden”, sagt Hasenknopf am Telefon.

Ursprünglich sollte die Bundesstraße Anfang August wieder zweispurig verlaufen - bis Mitte September, wenn die Hauptreisezeit endet. Bei Baudirektor Martin Bambach sind die Zweifel groß, dass das so klappt. Beim Staatlichen Bauamt weiß man um die Notwendigkeit einer schnellen Fertigstellung. Doch die Zeit drängt.

Auf Höhe der Großbaustelle war die Berchtesgadener Ache im Juli vergangenen Jahres nach einem Starkniederschlag um mehrere Meter angeschwollen. Die parallel verlaufende Bundesstraße 20 wurde dabei unterspült und Teile des viel befahrenen Verkehrsweges weggerissen. Ein Millionenschaden entstand dabei, der selbst die damalige Verkehrsministerin Kerstin Schreyer auf den Plan rief, die sich persönlich ein Schadensbild machte.

Die Baustelle an der B20 ist für die Zuständigen ein kompliziertes Unterfangen. Denn hier verläuft die Berchtesgadener Ache parallel zur Straße - nebenan befindet sich zudem die Bahnstrecke. Gearbeitet wird am Hochwasserschutz auf einem schmalen Streifen. Über einen Kilometer lang ist der Straßenabschnitt, der saniert wird. Die Straße ist aktuell nur einspurig ortsauswärts befahrbar. Alle, die nach Berchtesgaden rein wollen, müssen eine Umleitung über den Ortskern nehmen. Staus gehören im Ortszentrum - als Folge der Baustelle - zum Alltagsbild.

Problematisch sind derzeit auch die Fußgänger. Vor allem Bundeswehrsoldaten der Jägerkaserne und Bewohner einer nahe gelgenen Jugendherberge nutzen die Strecke entlang der Bundesstraße, um zum Hauptbahnhof zu gelangen, sagt Martin Bambach. Jasmin Bezler, Pressesprecherin bei der Bundespolizei Freilassing, bestätigt „vermehrt Meldungen”: Fußgänger würden das Gleisbett als Fußweg nutzen. Einer habe sein Fahrrad neben den Schienen geschoben. Zugführer seien angehalten worden, auf Sicht zu fahren und das Tempo zu verringern.

“Die Menschen gefährden sich und andere”, weiß Pressesprecherin Bezler. Die Notfallleitstelle der Deutschen Bahn hatte die unerwünschten Spaziergänger wiederholt gemeldet. “Wir können nur an die Vernunft des Einzelnen appellieren, den Gleisbereich zu meiden”, sagt die Pressesprecherin. Der Polizei seien die Hände gebunden: Denn das Areal könne nicht gesperrt werden.

Zudem gibt es Interessenskonflikte mit dem Naturschutz: Ein vom Staatlichen Bauamt geplanter temporärer Fußweg führt mitten durch ein Eidechsen-Habitat.

kp

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