200 Grabstätten für interessierte Bürger

Gräber-Lotterie am „Alten Friedhof“ in Berchtesgaden

+
Am Alten Friedhof in Berchtesgaden sollen 200 neue Grabstätten verlost werden.

Berchtesgaden – Mit einer Gräber-Lotterie will die Gemeinde Berchtesgaden frei gewordene Bestattungsplätze an interessierte Bürger verlosen. Denn über viele Jahre war kein Platz auf dem denkmalgeschützten Friedhof im Herzen Berchtesgadens. Das soll sich nun aber ändern. Die endgültige Ziehung soll im Juli im Kongresshaus in Berchtesgaden erfolgen.

Dass man auf dem Alten Friedhof ein neues Erdbestattungsgrab bekam, war mangels Platz nur schwer möglich. Rund 1.500 Tote liegen hier begraben. Wer eine neue Grabstätte benötigte, musste auf den „Neuen Friedhof“ im benachbarten Schönau am Königssee ausweichen, der deutlich größer ist und auf dem rund 4.500 Personen begraben liegen. 

Nur wenige tauschberechtigte Grabbesitzer haben im vergangenen Jahr auf dem „Alten Friedhof“ vom bisherigen Urnengrab zum Erdbestattungsgrab gewechselt. Das Tauschrecht sei damit abgegolten und eine Neubelegung freier Flächen möglich, sagt Bürgermeister Franz Rasp. Zudem verringere sich die Zahl genutzter Gräber in letzter Zeit stetig. „Das ist natürlich nicht gut für einen historischen Friedhof“, sagt Rasp. Für die Gemeinde bedeutet das: Mehr Platz für neue letzte Ruhestätten. 

Außerdem gibt es noch so manche ungenutzte Fläche, die bislang nicht verwendet wurde. Und tatsächlich sei die Zahl derer, die Interesse am Erwerb eines Grabplatzes am Alten Friedhof haben, groß. Deshalb läutet die Gemeinde nun eine Zeitenwende ein und ruft das sogenannte Grabauswahlverfahren ein, eine Art Lotterie, in der man sich um insgesamt 200 Gräber bewerben kann. 140 Erdbestattungsruhestätten sowie 60 Urnengräber, wobei 20 davon erst nach Rodungsarbeiten ab November diesen Jahres zur Verfügung stehen werden. 

Bereits jetzt können die neuen Grabstätten besichtigt werden

Der Friedhof habe dauerhaft nur dann eine Zukunft wenn er „weiterhin belebt werde“, sagt Rasp. In der Gemeinde hat man deshalb einen „Antrag auf Erwerb einer Grabstätte“ vorbereitet, der ab sofort verfügbar ist, und auf dem man per Kreuz auswählt, wofür man sich entscheidet: Urnengrab, Erdbestattungsgrab oder beides. Die Preise variieren. Je nach Lage muss man für zehn Jahre zwischen 490 und 760 Euro zahlen. 

Wer nicht genau weiß, wo die neu zu vergebenden Gräber liegen, kann sich auf dem Friedhof umschauen. Entsprechende Plätze sind dort spätestens ab 1. Juni mit einer Grabnummer samt Schild markiert. Urnengräber sind in Rot gekennzeichnet, Erdbestattungsgräber in Schwarz, wobei in letzteren beide Bestattungsarten durchgeführt werden können. 

Antragsberechtigt sind alle Personen, die einen Wohnsitz im Friedhofsverbandsgebiet haben, zu dem Berchtesgaden, Bischofswiesen und Schönau am Königssee zählen. Die Antragsfrist zur Teilnahme an der Grabwahlverlosung endet am 30. Juni. In der Gemeinde ist man sich sicher, dass großes Interesse an den frei gewordenen Gräbern herrscht. 

Am 18. Juli wird ausgelost

Die Anträge werden auf einer Liste vermerkt, wobei Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp ganz klar sagt, dass nicht nach Antragseingang entschieden wird, sondern im Losverfahren. Die Reihenfolge der Grabauswahl erfolgt nach Prüfung aller Anträge durch Losentscheid am Mittwoch, 18. Juli, ab 9 Uhr im kleinen Saal des AlpenCongress. Übersteigen die Anträge die Anzahl der freien Gräber, wird der Überhang in eine Warteliste entsprechend der fortlaufenden Losauswahl eingetragen. Bei mehr als 200 Bewerbern wird es also Nachrücker geben. 

Nur, wer persönlich erscheint oder einen Bevollmächtigten schickt, kann an diesem Tag ein freies Grab auswählen und dieses erwerben. In der Gemeinde erwartet man sich viele Interessierte, denn die Nachfrage nach dem wertvollen Bestattungsplatz auf dem 333 Jahre alten Friedhof war die Jahre über stetig groß gewesen. 

Friedhof soll neu gestaltet werden

Bürgermeister Rasp kündigt darüber hinaus an, dass sich der „Alte Friedhof“ künftig in neuem Erscheinungsbild präsentieren wird. „Wir haben uns ein Planungsbüro aus Traunstein geholt, das den gesamten Friedhof neu geplant hat“, sagt Rasp. So sollen etwa rund 30 Bäume neu gepflanzt werden, sehr große Bäume sollen verschwinden, „einige Platanen müssen raus, darüber hinaus wollen wir die Linden freistellen“, sagt er. Fichten sollen nach und nach durch Laubbäume ersetzt werden, etwa den Bergahorn. Kahle Flächen, die eine Bepflanzung zulassen, sollen mit einheimischen Bäumen und Sträuchern versehen werden. Ebenso soll eine in nächster Nähe des AlpenCongress platzierte Hecke verschwinden, um dort eine weitere Erdbestattungsreihe zu ermöglichen. 

Ab sofort kann man sich bei der Gemeinde um die 200 zur Verfügung stehenden Grabflächen bewerben. Die Anträge können in der Friedhofsverwaltung im Rathaus abgeholt werden. Weitere Informationen unter Telefon 08652/60038 oder E-Mail hallinger@gemeinde.berchtesgaden.de.

Kilian Pfeiffer

Zurück zur Übersicht: Berchtesgaden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser