Bürgerinitiative macht sich weiterhin stark!

Gibt es Hoffnung für die Kehlsteinwege?

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Wendeschleife der Kehlsteinwege am Aussichtspunkt Klingeck.

Berchtesgaden - Ein Thema, das kein Ende zu nehmen scheint: Die Diskussion um die Kehlsteinwege. Doch nun scheint ein Funken Hoffnung aufzukommen.

Die Absicht der Bayerischen Staatsforsten, das gesamte Wegenetz am Kehlstein von der belasteten Teerdecke zu befreien und statt dessen ein Netz leistungsfähiger, bekiester Forststraßen zu bauen, stieß bekanntlich im Frühjahr dieses Jahres auf entschiedenen Widerstand einer Bürgerinitiative

Für diesen Widerstand gibt es mehrere Gründe. Da ist zunächst ein Problem des Umweltschutzes. Grundsätzlich sollen, entsprechend einer Vorgabe des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz, giftige Teere auf belasteten Wegen und Straßen an Ort und Stelle verbleiben und zum Schutz von Mensch und Umwelt durch Auftragen einer Asphaltschicht versiegelt werden. 

Darüber hinaus sehen die Mitglieder der Bürgerinitiative das hohe touristische Potential, das in diesen Wegen steckt und das noch große Entwicklungsmöglichkeiten hat. Denn schließlich wurden diese Wege auch zum Ende der 30-er Jahre durch die Nazis zur Erschließung eines Naherholungsgebietes für die am Obersalzberg wohnenden Führungskader gebaut. Die Wege erschließen dem Wanderer heute nicht nur den Zugang zum Kehlstein, sondern bieten auch landschaftlich einmalige Ausblicke in das Berchtesgadener und Salzburger Land

Abzweigung zum Klingeck im Landlerwald

Darüber hinaus hat ein Mitglied der Bürgerinitiative eine Petition an den Bayerischen Landtag gerichtet, um zu erreichen, dass diese Wege als Teil einer Europäischen Erinnerungslandschaft auf dem Täterort Obersalzberg/Kehlstein in ein Gesamtkonzept mit der bereits vorhandenen Dokumentationsstelle Obersalzberg einbezogen werden. 

Am 28.04 2015 hat Landrat Georg Grabner auf diese Argumente gehört und die Mitglieder der Bürgerinitiative zu einer Ortsbesichtigung eingeladen. An dieser Besichtigung nahmen u.a. auch der Vorstandsvorsitzende der Bayerischen Staatsforsten, Martin Neumeyer, und der Leiter des Forstbetriebes Berchtesgaden. Dr. Daniel Müller teil. Man kam damals überein, dass die Absicht der Bayerischen Staatsforsten bis auf Weiterest zurückgestellt wird und ein zweites Gutachten als Grundlage eines Sanierungskonzepts für die Wege erstellt werden soll. Die Bürgerinitiative wurde in das weitere Vorgehen einbezogen. Bei einer Besprechung im Landratsamt haben nun am „Runden Tisch“ die Vertreter von Landratsamt, Bayerischen Staatsforsten, Wasserwirtschaftsamt und Bürgerinitiative den Auftragsumfang für das Zweitgutachten und das weitere Vorgehen festgelegt. 

So sollen die Kehlsteinwege noch einmal im Hinblick auf bestehendes Gefährdungspotential untersucht werden, wobei insbesondere die Auswirkungen der belasteten Teerwege auf Trink – und Grundwasser zu untersuchen sind. Daraus soll ein Vorschlag von Sanierungsmaßnahmen für die Streckenabschnitte gemacht werden, für die sich nach der Detailuntersuchung Handlungsbedarf ergibt. 

Die Sanierungsvorschläge müssen eine wirksame Gefahrenbeseitigung sicherstellen, langfristig wirtschaftlich, nachhaltig, gesamtökologisch sinnvoll und mit dem geringst möglichen Eingriff in den Straßenbestand verbunden sein. Dabei könnte es gesamtökologisch z,B. sinnvoll sein, die belasteten Teere nicht auszubauen, sondern an Ort und Stelle zu belassen, weil ihr Ausbau mit Transport, Zwischenlagerung und Verwertung möglicherweise in einer Gesamtbilanz weitaus belastender für Mensch und Umwelt wäre. 

Die Bayerischen Staatsforsten haben für die ursprünglich am „Runden Tisch“ vereinbarte Absicht, einen Variantenvergleich bei der Untersuchung durchzuführen, nachträglich ihre Finanzierungszusage zurückgezogen. Bei diesem Vergleich sollten die Möglichkeiten einer Sanierung der Wege mit und ohne anschließende forstwirtschaftliche Nutzung gegenübergestellt werden. 

Die Bürgerinitiative hat sich daraufhin bereit erklärt,die Mehrkosten für den Variantenvergleich zu übernehmen. Diesem Angebot hat das Landratsamt mit der Maßgabe zugestimmt, dass die Bürgerinitiative den vom Landratsamt bestellten Gutachter eigenständig mit der Erstellung dieses Ergänzungsgutachtens beauftragt. 

Die Vertreter der Bürgerinitiative legen Wert auf dieses Ergänzungsgutachten, weil sich im Ergebnis für bestimmte Streckenabschnitte, für die die Staatsforsten Nutzungsbedarf angemeldet haben, durchaus auch im Sanierungsvorschlag ergeben könnte, dass für diesen Nutzungsbedarf andere Lösungsmöglichkeiten gesucht werden müssten. 

Für das weitere Vorgehen wurde ferner vereinbart, dass die Bayerischen Staatsforsten zunächst die Ausschreibung für die Erstellung des Gutachtens veranlassen und daraufhin das Landratsamt den Untersuchungsauftrag erteilt. Das Untersuchungskonzept wird den Teilnehmern des „Runden Tisches“ zur Stellungnahme übersandt. Nach Freigabe des Untersuchungskonzepts führt der Gutachter die Detailuntersuchung durch und schlägt die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen vor. 

Das Ergebnis wird dann im Rahmen eines zweiten „Runden Tisches“ besprochen. Erst dann werden die Bayerischen Staatsforsten dem Landratsamt einen Sanierungsvorschlag vorlegen. Die Vertreter der Bürgerinitiative bewerten das jetzt erreichte Ergebnis als einen für alle Beteiligten fairen Kompromiss

Dankbar ist man vor allem für die beherzte Entscheidung von Landrat Georg Grabner, der sich nach der Ortsbesichtigung am Kehlstein mit den Staatsforsten und der Bürgerinitiative spontan für diese bürgernahe Vorgehensweise entschieden hatte. Die Entscheidung zu der von Klaus Gerlach an den Bayerischen Landtag eingereichten Petition, in der er fordert, das gesamte Areal von Obersalzberg und Kehlstein unter Einbeziehung der umstrittenen Wege, der Busstraße und des Kehlsteinhauses in das Konzept einer Europäischen Erinnerungslandschaft einzubeziehen, wurde kürzlich im dafür zuständigen Ausschuss für Wissenschaft und Kunst bis zum Vorliegen des neuen Sanierungskonzepts zurückgestellt

Berichterstatterin in diesem Ausschuss ist die hiesige Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber. Sie steht mit Klaus Gerlach in Verbindung und hat für die nächste Zeit ein Gespräch mit Vertretern der Bürgerinitiative zugesagt.

Klaus Gerlach

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