TRBK-Vorsitzender Bartl Wimmer im BGLand24.de-Interview

Noch vor Weihnachten getrennt, aber „die Hand der touristischen Vermarktung bleibt ausgestreckt“

Bartl Wimmer, Vorsitzender Tourismusregion Berchtesgaden - Königssee
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Dr. Bartl Wimmer hat als neuer Vorsitzender der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee viele Aufgaben vor sich. Im BGLand24.de-Interview schildert er, wie die neue touristische Arbeit aussieht.

Berchtesgaden - Seit September befindet sich die touristische Vermarktung des Berchtesgadener Landes im Umbruch. Kurzfristig soll Ende des Jahres alles unter Dach und Fach gebracht werden. BGLand24.de hat mit dem neuen Vorsitzenden der Tourismusregion Berchtesgaden - Königssee, Dr. Bartl Wimmer, über die Neuausrichtung, Corona und die Zukunft gesprochen.

Es war der 3. September 2020 als der damalige Vorsitzende der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee (TRBK), Hannes Rasp, seinen Rücktritt verkündete. Auch sein Stellvertreter Franz Rasp stellte seinen Posten ab Ende Oktober zur Verfügung. Gleichzeitig wurde in der Verbandsversammlung einstimmig beschlossen, die Vermarktung der Marke Berchtesgaden künftig federführend übernehmen zu wollen.


Touristische Neu-Ausrichtung im Berchtesgadener Land - Federführung bei der TRBK

Eine Entscheidung, die im gesamten Landkreis für Aufregung sorgte und letztlich für den Zerfall der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH (BGLT). Ab 1. Januar wird die Stadt Bad Reichenhall alleiniger Anteilseigner der BGLT sein. Die Gemeinden des Vereins Erlebnisregion Berchtesgadener Land verkaufen ihre Anteile an Bad Reichenhall und beraten über ihre künftige touristische Betreuung in den einzelnen Gemeinderäten.


Wenn sie sich der TRBK anschließen, führen sie ihre Gespräche mit dem neuen Vorsitzenden, Dr. Bartl Wimmer. Er wurde im November gewählt und hat sich jetzt den Fragen von BGLand24.de gestellt.

BGLand24.de: Mit Teresa Hallinger steht die Tourismusleiterin in der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee für die Marke Berchtesgaden fest. Welche konkreten Maßnahmen sind zur künftigen Vermarktung geplant? Wie sieht die Marke Berchtesgaden aus?
Wimmer: Grundsätzlich, das muss man einfach mal richtig stellen, ist die Basis weiterhin eins zu eins das, was im Markenprozess festgelegt worden ist, das ändert sich auch nicht. Wir wollen nur, dass das jetzt konsequent umgesetzt wird.
An dem was festgelegt wurde vor drei Jahren, wollen wir nicht rütteln. Wir wollen ein paar Dinge zu Ende bringen, bei denen wir sagen, das ist noch nicht ganz zu Ende. Aber rein vom Marketingauftritt wird sich nichts ändern, gar nix, weder für uns und um das auch noch mal zu sagen, wenn die Gemeinden des Rupertiwinkels es wollen, auch für die nicht.

Kritik aus den Gemeinden der Erlebnisregion Berchtesgadener Land an der touristischen Neuausrichtung

Welche Punkte sind es, die aus Ihrer Sicht noch nicht ganz zu Ende sind?
Generell möchte ich nicht mehr groß in der Vergangenheit rumwühlen. Die Entscheidung ist gefallen. Sie ist einstimmig gefallen, von allen Beteiligten der TRBK. Ich persönlich habe jetzt gerade in der Arbeit zusammen mit Bad Reichenhall das vernünftig zu regeln sehr gut mit Frau Dr. Schlögl zusammengearbeitet und ich werde das jetzt nicht gefährden, in dem man in der Vergangenheit rumwühlt.

Mit Piding und Anger haben bereits zwei Gemeinden aus dem Rupertiwinkl ihr Interesse bekundet, weiter unter der Marke Berchtesgaden vermarktet werden zu wollen. Teisendorf und Saaldorf-Surheim haben dazu noch keine Entscheidung getroffen, Laufen und Freilassing wollen sich selbst vermarkten. Wie reagieren sie auf die Kritik aus den nördlichen Gemeinden?
Hannes Rasp und ich waren nahezu in allen Gemeinderäten - nicht in Laufen, da waren wir nicht eingeladen. Ich nehme die Kritik wie sie ist. Ich habe großes Verständnis, dass man sich nach der Entscheidung der TRBK politisch mal echauffieren musste. Ich hätte den großen Wunsch, dass man jetzt einfach die Dinge sachlich nimmt und sich sachlich auseinandersetzt. Die Hand bleibt auch ausgestreckt. Wir wollen weiter kooperieren. Es wird sich auch an den Grundprinzipien dessen, was die letzten drei Jahre gelaufen ist, nichts ändern, wenn die Partnergemeinden des Rupertiwinkel es wollen. Es gilt für alle sechs, auch für Ainring und Schneizlreuth sind wir grundsätzlich noch offen.

Wie können diese Gemeinden in der Marke Berchtesgaden ihren Platz finden?
Wir sollten einfach mal festhalten, dass jenseits von den Corona-Schließungen die Saison insgesamt in Berchtesgaden sehr gut war und ich glaube, die Touristiker im Rupertiwinkel wissen, dass sehr, sehr viele Gäste von den Tourist-Infos hier im Süden in den Norden vermittelt wurden. Auf touristischer Ebene funktioniert das. Das Ergebnis, dass die Marke Berchtesgaden und Bergerlebnis heißt, das ist vor drei Jahren gefallen, als man das beschlossen hat. Daran wird auch nicht gerüttelt. Ich werde auch einen Teufel tun und die Markendiskussion wieder aufwärmen. Unser Angebot steht, dass es eins zu eins so weitergeht. Wer das annimmt, freuen wir uns sehr. Wer es nicht annimmt, dann ist es so, dann haben wir es hinzunehmen, weil wir es nicht beeinflussen können.

Das passiert ab 1. Januar in der TRBK und der BGLT

Es wird einige personelle Veränderungen innerhalb der TRBK, aber auch der BGLT geben müssen. Welche Schritte sind schon klar? Wie kann eine Umverteilung aussehen?
Es ist nahezu eigentlich schon alles klar. Von den 40 Mitarbeitern die die BGLT-alt hatte, bleiben zwölf bei Bad Reichenhall und damit bei der BGLT. Bad Reichenhall hat sich dafür entschieden, die BGLT fortzuführen. Das war ein Angebot von unserer Seite, dass sie entscheiden können, ob sie das wollen oder nicht.
Der Rest, circa 28 Mitarbeiter, wechselt zur TRBK und davon wollen weniger als eine handvoll wohl nicht mitkommen oder werden nicht mitkommen. Der Rest wird hier anfangen, die sitzen im AlpenCongress und da werden sie bleiben und im Wesentlichen die selbe Arbeit machen. Es gibt eine neue Leitung, das war uns auch wichtig. Nachdem Frau Dr. Schlögl bei der BGLT bleibt, war das auch notwendig. Ich glaube, wir haben mit Teresa Hallinger da ein sehr gutes Zeichen gesetzt.
Wo wir uns neben der Markenausrichtung, die sich nicht ändert, stärker positionieren wollen, das ist der Bereich Dienstleistung für die Touristikunternehmen insgesamt in dem Gebiet, das wir versorgen zu haben. Das ist einmal natürlich der Talkessel, aber gern auch die Gemeinden im Rupertiwinkl.

Wie soll die Dienstleistung aussehen?
Was wir jetzt schon mal gemacht haben, was wir auch fortsetzen werden, ist, dass wir mit allen wichtigen Gruppierungen ins Gespräch gehen. Die ganz offen fragen, was erwartet ihr von einem Destinationsmanagement, was erwartet ihr nicht, was braucht ihr dringend, was braucht ihr überhaupt nicht. Das haben wir den Hoteliers, das haben wir den Vermietern, das haben wir die Ausflugsziele gefragt. Wir haben die Tourist-Infos gefragt und werden das zusammenfassen und in einen strukturierten Prozess überführen. Daraus machen wir die Arbeitsanleitung für die nächsten Jahre, neben dem was im Markenhandbuch schon festgelegt ist.

Generell wartet viel Arbeit auf Sie. Welchen Zeitplan gibt es für die Übernahme, die Neuausrichtung und die nötigen Maßnahmen innerhalb der TRBK?
Ab 1. Januar 2021 wird das operative Geschäft voll umfänglich von der TRBK fortgeführt. Es steht noch ein Notartermin aus, der ist einvernehmlich zwischen der TRBK, Bad Reichenhall und dem Verein Erlebnisregion Berchtesgadener Land vereinbart. Ich denke, wir werden das noch vor Weihnachten machen. Das ist dann eigentlich die letzte Hürde. Selbst wenn das aus irgendwelchen Gründen nicht klappen sollte, ist das operative Geschäft defacto samt Mitarbeitern ab 1. Januar bei der TRBK.

Vom Kehlstein über die Watzmanntherme bis zum AlpenCongress - die Aufgaben der TRBK

Neben der Übernahme der Marke Berchtesgaden hat die TRBK selbst einige wichtige Aufgaben im neuen Jahr. Welche sind das und wie sieht die Planung dafür aus?
Für uns ist erstmal wichtig, dass wir nächstes Jahr wirklich den Kehlstein wieder aufmachen. Der war ja heuer ganzjährig geschlossen. Es war ein erheblicher Einnahmeausfall für die TRBK, das muss man ganz klar sagen. Wir wollen und werden alles tun, was da so an Auflagen im Bereich Sicherheit und Brandschutz noch ist, um das zu erfüllen, damit wir wirklich die komplette Saison - Corona und Schneefall mal beiseite gelassen - am Kehlstein machen. Das hat neben der Eingliederung BGLT die höchste Priorität und das wird jetzt parallel auch einfach passieren.
Das zweite, was wir uns fest vorgenommen haben, ist, dass wir im ersten Halbjahr eine klare Entscheidungsfindung bekommen, wie es mit der Watzmanntherme weitergeht. Da werden wir sicherlich noch zu diskutieren haben. Es kostet alles sehr viel Geld, das man in Corona-Zeiten auch nur bedingt hat. Der Bestand ist sicherlich nicht in Frage gestellt, das möchte ich jetzt schon betonen, aber wie es genau weitergeht, haben wir uns vorgenommen, dass wir das im ersten Halbjahr entscheiden.
Dann denke ich stehen ganz generell halt noch die Themen an, dass wir die Mitarbeiter hier im AlpenCongress zusammenführen wollen. Das heißt, wir wollen die alte Kurdirektion übersiedeln, dazu müssen wir den AlpenCongress umbauen. Wir werden uns sicherlich zusammen mit den Gemeinden Gedanken machen, wie wir unsere Tourist-Infos in naher Zukunft aufstellen werden und dann wollen wir uns natürlich ein paar grundsätzliche Gedanken machen, wie wir uns touristisch mittel- und langfristig weiterbewegen wollen.

Generell ist 2020 und wahrscheinlich auch 2021 durch Corona ein schwieriges touristisches Jahr, wie wollen und können sie dem begegnen, auch finanziell?
Die TRBK kann, darf und wird nicht Tourismusbetriebe sponsern. Das ist klare Aufgabe des Bundes gegebenenfalls des Landes. Ich glaube, dass wir zusammen auch mit der BGLW, die hier auch eine gute Beratungsleistung schon angeboten hat, die Betriebe weiter unterstützen müssen. Die Situation wird sich nicht am 10. Januar in Luft auflösen, das ist so sicher wie das Amen im Gebet.
Wir haben uns mit Hotels ausgetauscht, werden auch noch mit der DEHOGA sprechen, ob wir nicht noch versuchen den Tourismus stärker zu positionieren in der Corona-Debatte. Ich tu das ganz bestimmt nicht als Corona-Leugner, sondern bin mir sehr bewusst, was da für Gefahren einfach da sind. Trotzdem muss man sagen, dass der Tourismus schon zusammen mit der Gastronomie ein sehr schnelles Opfer bei den Entscheidungen war.
Man muss klar sagen, das kostet sehr viel Zeit und ist nur mittel- und langfristig tatsächlich wirksam, kurzfristig ist es nicht zu erwarten. Wir werden beraten, ob wir den Ball noch aufgreifen oder nicht. Das möchte ich aber auch davon abhängig machen, was die Betriebe von uns erwarten.

Welche Hilfe kommt bei den touristischen Betrieben im Berchtesgadener Land an?
Nach meiner Erfahrung und wir haben da den Überblick nicht, weil wir schlicht nicht zuständig sind, ist es sehr unterschiedlich. Bei manchen lief es sehr gut, bei manchen hat es sehr lange gedauert. Manchmal ist die Zeit auch durchaus kritisch. Es wird jetzt bei den Hilfen, die jetzt fällig werden, nicht anders sein. Das ist ja schon angekündigt, dass es erst nächstes Jahr fließt. Es ist klar, dass der Ausfall von Weihnachten eine massive Belastung für die Betriebe ist, das tut richtig weh. Deswegen ist auch Hilfe wirklich angesagt und man kann nur hoffen, dass es einigermaßen unbürokratisch tatsächlich fließt.

Vielen Dank für das Gespräch!

cz

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