Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Bürger müssen aus- und umziehen

Fels- und Steinschlag: Berchtesgadens ältester Ortsteil liegt im „akuten” Gefahrengebiet

Seit Jahren klafft in der Häuserfassade ein Loch: Der Eigentümer hat keine Lust, sich um die Bauruine zu kümmern. Ob er den Schutzzaun mitzahlen wird, ist fraglich
+
Seit Jahren klafft in der Häuserfassade ein Loch: Der Eigentümer hat keine Lust, sich um die Bauruine zu kümmern. Ob er den Schutzzaun mitzahlen wird, ist fraglich

Der älteste Straßenzug in Berchtesgaden, das Nonntal, steht nach dem Unwetter im Juli unter akuter Steinschlaggefahr. Die Anwohner mehrerer Häuser im Umfeld des sogenannten Pozenzenbichls haben für die bergseitigen Räume ihrer Wohnungen Nutzungsuntersagungen erhalten - “solange bis eine Sicherung installiert ist”, sagt Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp. Ein angedachter Steinschlagschutzzaun kostet rund 500000 Euro. Den größten Teil werden die Anwohner zahlen müssen.

Berchtesgaden - Vor acht Jahren war der Hang, der gleich hinter den Häusern im Nonntal steil nach oben verläuft, schon mal im Fokus der Aufmerksamkeit. Damals gab es einen Starkregen, Überschwemmungen in Berchtesgaden. „Latente Gefahr” sei damals vom Hang ausgehend festgestellt worden. Die Anwohner wurden darauf hingewiesen, sagt Marktbürgermeister Rasp. Es gab keine Mehrheit, infolgedessen auch keine baulichen Maßnahmen. Nun ist der Regen wieder über Berchtesgaden niedergegangen, hat den Hang gelockert, der teilweise dicht bewaldet ist. Dieses Mal sind mehrere Muren vom Pozenzenbichl abgegangen, schwere Steine, auch in den vergangenen Wochen. 

Die „latente Gefahr” ist zur „akuten” geworden. Das hat auch das Bayerische Landesamt für Umwelt bestätigt, sagt der Bürgermeister. Ein gesamter Straßenzug liegt nun im Gefahrenbereich. 

Das ist auch der Grund dafür, weshalb den Bewohnern die Nutzung einzelner Räume untersagt wurde. „Wenn jemand ein Wohn- oder Schlafzimmer zum Hang hat, musste er es räumen”, sagt Franz Rasp. Aufhalten darf man sich nur in den Räumen zur Straßenseite hin. Ein Bewohner musste umziehen, weitere ihren Alltag neu regeln. 

“Man kann einen sinnvollen Steinschlagschutz nur miteinander umsetzen”, sagt der Bürgermeister. Bedeutet: Alle müssen in ein Boot und Bereitschaft zeigen. Einen grundsätzlichen Konsens gab es bereits, die Gefahr wurde erkannt, ein Großteil ist zum Handeln bereit. Doch das Handeln erfordert viel Geld. Nicht jedem Beteiligten gefällt das. Gelöst werden kann die akute Gefahr nur unter Realisierung eines Steinschlagschutzzaunes, der etwa in der Mitte des Hanges, in unwegsamem Gelände, installiert werden soll. Mehrere hundert Meter lang wird die Konstruktion.

Die Hausbewohner wünschen sich, dass der Zaun möglichst weit entfernt von den Häusern gebaut wird. Ein gewaltiges Konstrukt soll dies werden, vier Meter hoch, massiv genug, um möglichen weiteren Steinschlag vom Hang abzufangen. Dafür müssen viele Bäume entfernt werden, eventuell mit dem Hubschrauber. Der Hang ist so steil, dass man ohne Hilfe von oben nur mit viel Aufwand und unter Gefahr die Bäume entfernen könnte. 1500 Euro teuer soll der Laufmeter sein. “Wir müssen mit rund 500.000 Euro rechnen”, sagt Bürgermeister Franz Rasp. Die Kosten werden sich an der Qualität und dem Umfang des Steinschlagschutzes orientieren. Allerdings übernimmt der Markt Berchtesgaden nur die Planungskosten. “Unser Risiko ist, dass wir auf diesen Kosten sitzen bleiben.”

Den Großteil der Maßnahme werden sich die Hauseigentümer und Wohnungsbesitzer am Fuße des Pozenzenbichls teilen müssen - „sofern keine Förderung greift”, fügt Rasp hinzu. Gespräche hat es bereits gegeben, die Begeisterung über die hohe, von Expertenseite aus notwendige Investition hielt sich in Grenzen. Bei so mancher Eigentümergemeinschaft erwartet die Gemeindeverwaltung Schwierigkeiten in den Verhandlungen. „Es müssen aber alle mitmachen, sonst wird es nicht funktionieren”, sagt der Bürgermeister. Er rechnet damit, dass die Planung zu Weihnachten abgeschlossen sein wird. Der frühest mögliche Baubeginn des Steinschlagschutzzaunes: Ostern. Für die Bewohner der Häuser bedeutet das: Sie werden die bergseitigen Räume, deren Nutzung untersagt wurde, erst nach Abschluss der Maßnahme wieder wie gewohnt nutzen können. „Ungeklärt bleibt zunächst auch die Holzabfuhr am Berg und die Frage, wie man das alles schadlos entfernt”, sagt Marktbaumeister Peter Hasenknopf. Spannend werde das, „nicht ganz einfach”. 

Vor einigen Jahren wurde bereits ein kleiner Teilbereich des Hanges oberhalb des Nonntals mit einem Steinschlagschutzzaun bedacht. Er reicht gerade einmal für zwei Grundstücke. Auf selber Höhe könnte nun die Schutzkonstruktion fortgesetzt werden. Eine Lösung finden will die Gemeinde auch für das Nonntal 15. Dort ist eine Baulücke, eine Ruine, um die sich der Eigentümer seit Jahren nicht kümmert. Einen natürlichen Schutz gibt es nicht. „Es gibt Simulationsmodelle auf digitalem Gelände, die klären, ob bei solchen Durchlässen Gefahr besteht”, weiß Bürgermeister Franz Rasp. 

Alles laufe auf „freiwilliger Basis”, sagt er. Allerdings: Die Erkenntnis ist gereift, dass das Nonntal ohne zusätzlichen Schutz nicht auskommen wird. 

kp

Kommentare