Durchblick dank Klebeband

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Seit vier Monaten ist Peter Wenigs Brille kaputt. Seine Freunde sammeln nun öffentlich Geld für ihn.

Berchtesgaden - Peter Wenigs Brille ist seit vier Monaten kaputt. Weil er kein Geld hat, haben seine Freunde nun einen öffentlichen Aufruf gewagt – mit Erfolg!

Ein kleines Unglück, dann der Sprung im Glas. All das passierte beim Arbeiten: „Und plötzlich war meine Brille kaputt“, erinnert sich Peter Wenig zurück, ein junger Mann, Automechaniker, Brillenträger. Das rechte Glas seiner Sehhilfe war in der Mitte gesprungen, eine Glashälfte fiel raus. Und weil Peter Wenig kein Geld hat, hatte er die glorreiche Idee, die noch vorhandene Hälfte in das Gestell zu kleben. Mit weißem, undurchsichtigem Klebeband. Unauffällig geht anders. Jeder spricht ihn seitdem darauf an. Vier Monate ist das Brillen-Unglück nun schon her. Und Peters Freunden reicht es langsam: „Ich kann Dich nicht mehr anschauen“, sagte ein guter Kumpel kürzlich. „Du brauchst eine neue Brille.“ Flugs hatte er eine Facebook-Gruppe gegründet: „Brillen-Sponsoring für Peter“. Scheinbar mit Erfolg.

Weißes Klebeband hält die rechte Glashälfte in ihrer Fassung. Ganz glücklich ist Peter, der Träger, nicht. Für einen Neukauf fehlte ihm bislang aber das Geld.

„Das alles sollte eigentlich ja nur eine Gaudi sein“, fasst Peter, der Sehhilfen-Träger, die ganze Aktion zusammen. In gemütlicher Runde sei er gemeinsam mit seinen Kumpels gesessen, „wir haben ein Bier getrunken“, und dann folgte die Ankündigung, die Folgen haben sollte: „Wie schaust Du eigentlich aus, Du musst was mit Deiner Brille machen“, sagte ein Freund. Dem Peter fehlte zu diesem Zeitpunkt aber das notwendige Geld: „Ich hab mir mein neues Auto hergerichtet“, erzählt er. 4000 Euro habe das gekostet. Für ein Brillenglas blieb momentan nichts übrig. Woher das Geld nehmen, wenn nicht stehlen?

Facebook, lautete die Antwort. Für seinen Kumpel war klar: „Wir gründen eine Gruppe“. Gesagt, getan: Sein Gesicht wurde fotografiert, volles Augenmerk auf die beschädigte Brille. „Peter Wenig Brillensponsoring“ heißt es seitdem auf Facebook. Die Gruppe hat 78 Mitglieder, allesamt Freunde und Bekannte, die die Aktion unterstützen und „Hilfe“ zugesagt haben. In Form von einzelnen Euros etwa. „Schaut Euch den armen Jungen an, helft uns“, heißt es im Internet. Und die Antworten kamen prompt – und vor allem zahlreich. „I gib an Fünfer, weil des kon so ned weitergehen“, sagt etwa eine Bekannte von Peter. „An Euro hab ich schon noch übrig“, meint die Facebook-Nutzerin Barbara. „Ich spende einen Euro“, „Ich bin auch dabei“, „Ja, ok, 5 Euro und an Schnaps“ – zuhauf findet man Mitleidsbekundungen und unterstützende Zusagen im sozialen Netzwerk.

In der Disco haben ihm die Leute schon einige Münzen zugesteckt, „der arme Buam“, heißt es immer wieder. Peter Wenig freut es: „Damit habe ich nicht gerechnet“, sagt er. Etwa 150 Euro wird das Glas kosten, das er benötigt. „Meine Gläser sind teuer, wegen der Sehstärke.“ Nächste Woche wird er zum Optiker gehen. Seine Freunde werden ein Konto einrichten, das Geld für Peter einsammeln. Ein bisschen wirkt er peinlich berührt vom ganzen Rummel, der um ihn gemacht wird. Die Summe, die zusammenkommt, soll ausschließlich in den Brillenglas-Kauf gesteckt werden. „Da schauen schon meine Kumpels drauf“, sagt Peter Wenig. Denn enttäuschen will er seine edlen Spender schließlich nicht.

Und demnächst wieder mit einer intakten Brille in der Öffentlichkeit aufkreuzen. Dann klappt es auch wieder mit dem vollen Durchblick.

kp

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