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Hilfe für Kriegsflüchtlinge aus Ukraine

Drei Berchtesgadenerinnen stellen große Spendenaktion auf die Beine - Erster Lkw auf dem Weg

Anja Edel (links), Sabine Bottländer (Mitte) und Kati Butnaru haben sich am Wochenende kennengelernt. Der erste Spendentransport an die Grenze der Ukraine ist am Dienstag aufgebrochen.
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Anja Edel (links), Sabine Bottländer (Mitte) und Kati Butnaru haben sich am Wochenende kennengelernt. Der erste Spendentransport an die Grenze der Ukraine ist am Dienstag aufgebrochen.

 „Ich weiß gar nicht, wie man sich da bedanken soll”, sagt Sabine Bottländer mit Freude strahlendem Gesicht: Der 7,5-Tonner, der noch am Dienstagabend in Richtung ukrainischer Grenze aufbrechen wird, dort Kriegsflüchtlingen Lebensnotwendiges bringt, ist bereits nach eineinhalb Stunden mehr als zur Hälfte gefüllt. „Mein Telefon klingelt in einem durch, alle wollen unterstützen“, sagt die Berchtesgadenerin. Dass das Ganze so schnell so groß wird, damit hat sie nicht gerechnet.

Berchtesgaden - Ein Bauernhof in Bischofswiesen, „In der Au 7” ist die Adresse, davor ein Lkw aus Rumänien. Kati Butnaru ist Rumänin, seit 30 Jahren in der Auslandshilfe aktiv. Sie hat ein großes Netzwerk, sie hat Kontakte - und vor allem jede Menge Erfahrung. Die rührige 57-jährige Helferin hat Sabine Bottländer erst am Samstagabend kennengelernt. Mit im Helfer-Boot sitzt auch Anja Edel. Butnaru sagt: „Wir sind die drei Musketiere” und meint damit etwa nicht die Truppengattung der Infanterie, die mit Musketen bewaffnet war. Vielmehr will sie damit sagen, wie stolz sie ist auf das anpackende Trio und was die drei Frauen aus Berchtesgaden in Windeseile erreicht haben. 

„Wir sind die drei Musketiere”

„Aktionsgruppe AKS Bischofswiesen” nennen sich die drei Gleichgesinnten, die „einfach nur helfen wollten”, nachdem sie die Bilder vom Krieg im TV gesehen hatten, das Leid Unschuldiger, Menschen ohne Dach über dem Kopf, die sich auf der Flucht in Richtung Westen befinden. „In der Ukraine herrscht Krieg, alles andere ist jetzt nebensächlich”, macht Sabine Bottländer deutlich, packt einen Karton und hievt ihn auf die Ladefläche des Lkw. 

Alle wollen helfen

Seit Samstagabend ist viel passiert. In den vergangenen Tagen hat Bottländer ihr Telefonbuch durchstöbert, WhatsApp-Kontakte aktiviert, sie hat eine Facebook-Gruppe gegründet und öffentlich über einen Flyer zur Hilfe aufgerufen. Mit den Kontakten von Kati Butnaru und der Unterstützung von Anja Edel ist in kürzester Zeit ein Netzwerk entstanden. Etliche Zuschriften haben Bottländer erreicht. Ihr Telefon klingelt in einem durch: „Alle wollen uns unterstützen”, sagt die 52-Jährige und freut sich über die Resonanz, auf die der Spendenaufruf gestoßen ist.

Kati Butnaru hat mit Ioanna Vartosu einen Kontakt auf rumänischer Seite unweit der ukrainischen Grenze: Vartosu ist Kinderärztin, in der Auslandshilfe aktiv. Sie koordiniert vor Ort, hat ein großes Netzwerk, sagt, was benötigt wird. Mehrere hundert Ukrainer, vor allem Frauen und Kinder, sind in den vergangenen Tagen in Rumänien aufgeschlagen. „Die Not ist groß, es mangelt an allem”, sagt Kati Butnaru.

Nahrungsmittel als wichtiges Gut

Was gebraucht wird? „Vor allem Nahrungsmittel”, so die 57-Jährige. Von Reis, Mehl über Nudeln und Konserven jeglicher Art ist es auch Kinderkleidung in allen Größen, die die Helfer erfragen. Decken und Kissen für kalte Nächte, Handtücher, Hygieneprodukte, FFP2-Masken, aber auch Schnelltests. „Alle Spenden sollten fest in Karton verpackt und mit Inhalt beschriftet sein ”, so lautet der Aufruf an die Spendenwilligen. 

Der rumänische Fahrer hilft beim Einladen.

Auch der Fahrer hilft, wo er kann

Die Zufahrt zum Bauernhof, dort, wo auch der Lkw steht, ist einspurig. An der Hauptstraße hat sich eine Helferin postiert, sie weist die mit Kleidung, Nahrungsmittel und Spielsachen voll bepackten Fahrzeuge ein. Weil der Platz knapp ist, gilt das Prinzip: „Warten, bis man dran ist.” Auf der Ladefläche steht der Fahrer des Transporters, ein Rumäne, den Kati Butnaru angefordert hat. Er hilft beim Beladen. Ein Auto folgt aufs nächste. Karton für Karton nimmt er entgegen, stapelt, wo Platz ist. Jeder Zentimeter im Laderaum ist wertvoll.

Die Kartons sind beschriftet: „Kinderkleidung” steht drauf, „Lebensmittel”, „Spielsachen”. Eine Frau schiebt den nun schon dritten Rollator über den matschigen Fußweg in Richtung Lkw. Kinderwagen wurden gespendet, sogar ein Rollstuhl ist mit dabei. „Ich habe nie damit gerechnet, dass die Spendenbereitschaft so groß wird”, sagt Sabine Bottländer, die händeringend auf der Suche nach einem öffentlichen Träger ist, um auch ein Spendenkonto eröffnen zu können. Denn tatsächlich erreicht das Helfer-Trio jede Menge Anfragen nach Geldspenden. 

Feldbetten und Stromgeneratoren

Weil tausende in Rumänien stranden, wären „Feldbetten so wichtig”, sagt Kati Butnaru und richtet sich damit indirekt an die Bundeswehr. “Die bräuchten wir ganz dringend.” Stromgeneratoren ebenso. In der Nacht sei es an der Grenze zur Ukraine kalt.

Der Plan der drei Frauen ist es, „die Kriegsflüchtlinge über längere Zeit zu begleiten”. Menschen, die Vertriebene aufnehmen, würden schnell feststellen, dass deren Versorgung mit Kosten verbunden ist. Also wollen die drei Berchtesgadenerinnen auch weiterhin unterstützen - mit Lebensmitteln und Waren. „Der Krieg in der Ukraine wird nicht morgen vorbei sein”, prophezeit Sabine Bottländer.

„Die Menschen brauchen unsere Hilfe.” 

Bereits am ersten Tag füllt sich der Lkw, hunderte Kartons sind es, „wir haben Tonnen an Material erhalten”, freut sich Kati Butnaru. In den vergangenen Tagen hatten sich unzählige Freiwillige gemeldet, die die Aktionsgruppe ehrenamtlich unterstützen wollen. Bis Freitag soll täglich weiter gesammelt werden. Der nächste Lkw wird am Donnerstag in Richtung Ukrainegrenze aufbrechen. Für kommende Woche haben die drei Frauen eine Vereinbarung mit der Gemeinde Bischofswiesen getroffen: Die Verwaltung stellt das Bachhäusl, eine leer stehende Gaststätte an der Hauptstraße im Zentrum des Ortes, zur Verfügung. Dann soll ein dritter Lkw mit Spenden in Richtung Kriegsgebiet aufbrechen. „Zur Zeit gibt es nichts Wichtigeres zu tun”, sagt Sabine Bottländer. „Die Menschen brauchen unsere Hilfe.”  

kp

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