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Emotionale Debatte vor 300 in Berchtesgaden

Kampf um die Klinik: Lässt sich Ende der Notaufnahme noch irgendwie hinauszögern?

Die Reform der Kliniken Südostbayern ist umstritten, rund 300 Interessierte kamen zur Infoveranstaltung nach Berchtesgaden.
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Die Reform der Kliniken Südostbayern ist umstritten, rund 300 Interessierte kamen zur Infoveranstaltung nach Berchtesgaden.

Wie viel vom Krankenhaus bleibt übrig? Und lässt sich das Ende der Notaufnahme noch hinauszögern? 300 kamen am Montag zur Infoveranstaltung nach Berchtesgaden - und lieferten sich heiße Debatten. Worum es ging und was schon fix ist:

Berchtesgaden - Die Stimmungsverhältnisse in der Aula des Berchtesgadener Gymnasiums waren eindeutig: Während Kliniken-Vorstand Uwe Gretscher praktisch nie Beifall bekam, wurden die Kritiker der Neuausrichtung des Krankenhauses mit tosendem Applaus bedacht. Rund 300 Interessierte fanden sich am Montagabend (19. September) zur Infoveranstaltung zusammen. Obwohl das neue Konzept für die Kliniken in Freilassing und Berchtesgaden schon beschlossene Sache ist, hoffen viele, in letzter Sekunde doch noch etwas zu bewegen.

Klinik-Reform in Berchtesgaden: Notaufnahme noch bis Mitte 2023

Reinhard Reichelt, Kopf der Kritiker der Klinikreform, brachte die Bedenken auf den Punkt: „Warum diese Eile am Standort Berchtesgaden? Warum kann mit der Schließung der Notaufnahme nicht gewartet werden, bis der Neubau in Bad Reichenhall fertig ist? Wir brauchen eine Grundversorgung.“ Denn die Kliniken planen, den Standort Berchtesgaden umzukrempeln: Keine klinische Grundversorgung mehr, keine Anfahrten durch den Rettungsdienst, keine Rund-um-die-Uhr-Versorgung. Stattdessen Spezialisierung auf Orthopädie, Altersmedizin, ästhetische Chirurgie und orthopädische Reha.

Reinhard Reichelt fasste die Argumente der Kritiker der Klinik-Reform zusammen.

Bis Mitte nächsten Jahres soll laut Uwe Gretscher die Notaufnahme in Berchtesgaden noch in Betrieb sein. Die Spezialisierung auf Orthopädie und Altersmedizin wird aber wohl noch heuer umgesetzt - und damit auch die Umstellung bei der Inneren Medizin im Haus, die auf sechs bis zwölf Betten, je nach Bedarf, zusammenschrumpft. Warum es bei der Orthopädie so pressiert, erläuterte Stefan Paech, Medizinischer Direktor der Kliniken Südostbayern (KSOB): „In den letzten Jahren sind orthopädische Patienten reihenweise zu Spezialkliniken nach München abgewandert. Denn die hatten, im Gegensatz zu uns, keine Belastungen mit Covid-Patienten. Wenn wir noch fünf Jahre warten, ist das Thema weg.“

Auch in Zukunft werde kein Patient in Berchtesgaden abgewiesen

Der Sanka wird nicht später kommen und die Notfallversorgung wird sich nicht verschlechtern. Da war sich zumindest Joaquin Kersting, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst bei den KSOB, sicher. Überhaupt würden nur gut 1,3 Notfallpatienten täglich durch den Rettungsdienst in Berchtesgaden eingeliefert - und „schwere Fälle“ mit Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma sowieso nicht: „Schon heute ist es in jedem Fall besser, auch privat, Notfallpatienten nach Bad Reichenhall zu bringen. Schwererkrankte haben in Berchtesgaden nichts zu suchen“, so Kersting.

45.000 Kilometer mehr lege der Rettungsdienst durch die Zentralisierung der Kliniken zurück, hielt Reinhard Reichelt dagegen. „Auch das muss erstmal aufgefangen werden. Und wir Hausärzte können auch nicht alle Notfälle stemmen“, so der Berchtesgadener Arzt, der mit Applaus förmlich überschüttet wurde. Auch wenn der Sanka Berchtesgaden nicht mehr ansteuern wird, ganz zu könnten die Türen in der dortigen Klinik für Notfallpatienten nicht sein: Medizinischer Direkter Paech könnte sich an den Wochenenden eine Notfall-Sprechstunde im Krankenhaus vorstellen. „Wir werden keinen Patienten, der privat kommt, abweisen“, betonte auch Gretscher.

Uwe Gretscher, Vorstandsvorsitzender der Kliniken Südostbayern.

Seit gut einer Woche werden von den Kritikern auch Unterschriften für einen Bürgerantrag gesammelt. Er will aber keinen Bürgerentscheid erreichen, mit dem die Klinik-Reform rückgängig gemacht werden soll. Kommen 1100 gültige Unterschriften zusammen, wovon man ausgehen darf, kommt das Thema lediglich nochmal in den Kreistag. Dort wurde den Plänen der KSOB im Mai eigentlich bereits mit breiter Mehrheit zugestimmt. Drei Gegenstimmen kamen von AfD, ödp und Grünen. Im Traunsteiner Kreistag fiel das Votum einstimmig aus. „Dadurch ist die Umstrukturierung eigentlich bereits passiert, vollzogen“, so Uwe Gretscher.

„Ich nehme den Bürgerantrag sehr ernst“, so Landrat Bernhard Kern (CSU) in seinem kurzen Statement. „Aber er wird hoffentlich nicht zu viel Zeitverzögerung und Kostensteigerung bringen.“ Auch Kern warb nochmal für die Reform. Nur so könnten alle drei Klinik-Standorte im Berchtesgadener Land erhalten werden. Und Kliniken-Vorstand Gretscher spitzte zu: „Ein Rund-um-die-Uhr-sorglos-Paket an allen Standorten können wir nicht anbieten“ - vor allem, wenn Personal immer schwieriger zu finden sei. Heute gehe es nicht mehr unbedingt um Nähe, sondern um die bestmögliche Versorgung. Und die wolle der Klinik-Verbund mit der Spezialisierung der sechs Standorte eben bieten.

Stefan Paech, Medizinischer Direktor der Kliniken Südostbayern.

Auch einige Kreisräte ergriffen das Mirko: „Wir mussten so entscheiden, um alle Standorte der KSOB zu erhalten“, so Helmut Langosch (FW) - auch wenn den Kreisräten die Reformpläne „rhetorisch recht geschickt“ vorgestellt worden wären. Klartext sprach Bartl Wimmer (Grüne): Bei den Personalmängeln die Kliniken jetzt auch noch schlechtzureden, verursache einen „Blechschaden sondergleichen“. Drei Vollversorger gleichzeitig im Landkreis seien zum Scheitern verurteilt: „Sonst stehen wir in zehn Jahren nackt da und es gibt nur noch ein Krankenhaus in Traunstein.“

xe

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