Zerstört der Masterplan den Jenner?

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Berchtesgaden - Der BUND Naturschutz kritisiert die Zerstörung des Erholungsgebietes am Jenner massiv. Nicht nur das Wettrüsten der Skigebiete müsse beendet werden.

Unbeeindruckt von den immer deutlicher werdenden Auswirkungen des Klimawandels und wissenschaftlicher Prognosen gerade auch für den Alpenraum, wird in vielen der relativ niedrig gelegenen Skigebiete Bayerns mit allen Mitteln versucht, den alpinen Wintersport noch ein paar Jahre aufrecht zu halten. „Wir halten diese, auch am Hausberg von Schönau am Königssee zu beobachtende Entwicklung für kurzsichtig und wegen der unvermeidbaren Schädigungen der empfindlichen Bergnatur für nicht vertretbar“, betonte der BUND Naturschutz (BN) Landesvorsitzende Prof. Dr. Hubert Weiger.

Er kritisierte auch die massiven Eingriffe, die 2013 für das multifunktionale DSV-Trainingszentrum für Alpinsport durchgeführt wurden, insbesondere für eine neue Skilifttrasse und die Beschneiungserweiterung. Über vier Hektar Bergwald, darunter auch Schutzwald, fielen damals den Kettensägen zum Opfer und der Bescheid ist nach Ansicht des BN mit den natur- und artenschutzrechtlichen Vorgaben eigentlich nicht zu vereinbaren.

Lebensräume am Jenner immer mehr bedroht

Das Gebiet rund um den Königssee wurde bereits 1921 wegen seiner großen Bedeutung für die Artenvielfalt der alpinen Lebensgemeinschaften zum Naturschutzgebiet ausgewiesen. Der bayerische Landtag beschloss 1952, nach einer intensiven Debatte, die Genehmigung zum Bau einer Bergbahn auf den Jenner. Dabei ist es nicht geblieben und es werden immer neue Gründe gefunden, warum noch ein Skilift errichtet werden muss. Zuletzt war es ein neuer Vierersessellift am Krautkaser für das DSV-Trainingszentrum.

Schon bei der Erweiterung 2008 mit dem Bau des neuen Beschneiungsbeckens und der Talbeschneiung, die Teil des sogenannten Masterplans „Erlebnisberg Jenner“ sind, wurde massiv in die Landschaft und den Bergwald eingegriffen und die festgesetzten Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sind bis heute nicht oder nur unzureichend umgesetzt.

Da die Errichtung des DSV-Trainingszentrums vor allem über Steuergelder finanziert wird, konnte an dem Masterplan weiter gearbeitet werden und 2012 wurde der Plan zu Errichtung des DSV-Trainingszentrums und weiterer Beschneiungsanlagen auf dem Krautkaserfeld eingereicht. Hinzu kamen noch die Anlage einer Buckelpiste und einer Boardercrossstrecke. „Die Naturschutzverbände wurden am Verfahren nur unzureichend beteiligt und alle vorgebrachten Einwendungen einfach weggewischt“, erklärte Rita Poser, Vorsitzende der BN Kreisgruppe Berchtesgaden. Sie kritisierte auch, dass der sogenannte „Königsweg“ in den Nationalpark, der bei Touren- und Schneeschuhgehern sehr beliebt ist, jetzt das DSV-Trainingsfeld für die Schirennläufer sowie die Boardercrossstrecke und die Buckelpiste quert. „Bei der Ausweisung des Trainingszentrums wurde dies bewusst unterdrückt, damit keine Untertunnelung oder Überquerung gebaut werden musste“, betonte Poser.

Wettrüsten der Skigebiete

Obwohl die Jenner-Bergbahn in der Wintersaison so defizitär ist, dass der frühere Miteigner, die Lechwerke AG, ihren Aktienanteil 2006 an die Gemeinde verkauft hat, wurden Millionen investiert und ein Zuwachs von bis 30 Prozent an Fahrgästen für den Winter prognostiziert. Der stellte sich natürlich nicht ein, im Gegenteil, nur die Zahl der Tourengeher nahm beständig zu. Schon bei einer Anhörung im Landtag im März 2007 beurteilten die Tourismusexperten den Wettbewerb mit Österreich, Italien und der Schweiz um Wintersporturlauber als wenig aussichtsreich. Trotzdem wurden seither weiter Fördergelder und Millionen Euro ausgegeben.

Mit den erweiterten Beschneiungsflächen und dem Vierersessellift am Krautkaser sollte aufgerüstet werden um dem Klimawandel und der österreichischen Konkurrenz zu trotzen. Immer wieder wird die angebliche Nachhaltigkeit betont und die Millioneninvestitionen zum Teil mit absurden Argumenten gerechtfertigt. So lobte der Betriebsleiter der Jennerbahn die gewaltige Summe von über vier Millionen Euro, die für die aufwändigen Erdbewegungen, Bauwerke und Maschinen sowie Rohrleitungsmaterial ausgegeben wurde. Nach seiner Auffassung wird die Nachhaltigkeit dieser Investition unter anderem durch die lange Nutzungsdauer der speziellen Beschichtung der „duktilen“ Gussrohre für die Beschneiung gewährleistet.

Dass diese Form der Nachhaltigkeit nicht aufgeht, hat der letzte Winter wieder eindringlich gezeigt. Da auch mit der aufgerüsteten Beschneiung nicht alle Pisten ausreichend beschneit werden konnten, ist zu befürchten, dass eine weitere Nachrüstung mit einem Speicherbecken für notwendig erklärt wird. Außerdem ist noch eine Rodelbahn von der Mittelstation ins Tal vorgesehen, die im Sommer als Mountainbike-Strecke genutzt werden kann. Und auf der Bergstation soll eine spektakuläre Sommer- und Winter-Aussichtsplattform errichtet werden.

Pressemitteilung BUND Naturschutz in Bayern e. V.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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