Extremes Jahr für die Wasserwacht

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Landkreis - Die BRK-Wasserwacht blickte auf ihrer Jahreshauptversammlung auf ein extremes Jahr zurück. Nicht nur die Hochwasserkatastrophe verlangte den Einsatzkräften alles ab.

Die vier Ortsgruppen der BRK-Wasserwacht im Landkreis haben 2013 vor allem in den Bädern und an den Seen 134 mal Erste Hilfe geleistet oder Leben gerettet und waren mit ihren Schnell-Einsatz-Gruppen (SEG´n) bei insgesamt 95 kleinen und größeren Notfällen gefordert, darunter 57 Rettungsboot-Einsätze, 17 Tauch-Einsätze, drei Canyon-Einsätze, 17 Vermisstensuchen, zwei Totenbergungen und elf Sachbergungen.

Der Einsatzschwerpunkt des von der Hochwasser-Katastrophe im Juni und von drei Waldbränden geprägten Einsatzjahrs lag erneut eindeutig im südlichen Landkreis, wo allein das Rettungsboot am Königssee 25 Mal ausrücken musste.

Bei der Jahreshauptversammlung der Kreis-Wasserwacht im Berchtesgadener BRK-Haus blickten Vorsitzender Rudolf Schierghofer, sein Technischer Leiter Siegfried Hauber und Jugendleiterin Monika Reiner auch auf ein außergewöhnlich schwieriges Jahr zurück, denn nach dem Brand der Watzmanntherme und wegen des vom Hochwasser zerstörten Badylons war und ist bei gleich zwei Ortsgruppen das Nachwuchs- und Rettungsschwimmtraining ernsthaft gefährdet.

14.000 ehrenamtliche Stunden

Mit dem Wasserrettungsdienst im Landkreis sind rund 100 ehrenamtliche Rettungsschwimmer der BRK-Wasserwacht gesetzlich beauftragt, die 2013 über als 14.000 Stunden an Freizeit für die Allgemeinheit geopfert haben. Insgesamt sorgen im Berchtesgadener Land vier selbständige Wasserwacht-Ortsgruppen für die Sicherheit an Seen, Flüssen und in Schwimmbädern, zu denen rund 1.700 aktive und fördernde Mitglieder gehören. Sie betreuen vier Rettungsstationen an Seen und weitere sieben Rettungsstationen in Frei- und Hallenbädern. In Bad Reichenhall, Berchtesgaden, Freilassing und Laufen stellen die Ehrenamtlichen zudem je eine Schnell-Einsatz-Gruppe-Wasserrettung (SEG), die 2013 95 Mal ausrücken mussten. Im Bereitschafts-, Sanitäts- und Wachdienst an den Badeseen und in den Schwimmbädern hat die BRK-Wasserwacht 2013 3.778 ehrenamtliche Stunden geleistet; zusätzlich weitere 2.402 Stunden im Rettungsdienst. Aus- und Fortbildung schlagen mit 5.775 Stunden zu Buche.

Extremes Jahr mit Hochwasser & Waldbränden

2013 war ein außergewöhnliches Einsatzjahr mit vielen Extremen und gleich zwei Katastrophenfällen: Auf den Großeinsatz mit tagelangen Evakuierungen beim Hochwasser im Landkreis und in Niederbayern folgten die Waldbrände in der Seeleiten am Thumsee und am Königssee, wo die Wasserretter des Roten Kreuzes die Löschwasseraufnahme der Hubschrauber mit Booten und Tauchern absichern mussten.

„Wir rückten am 2. Juni frühmorgens aus und unterstützten zunächst die Reichenhaller Feuerwehr beim Sandsackfüllen. Als am Morgen dann ein überflutetes Auto und eine treibende Person auf der B20 bei Freilassing gemeldet wurde, überschlugen sich die Ereignisse und uns war schlagartig bewusst, wie dramatisch sich die Lage innerhalb kürzester Zeit zugespitzt hatte“, berichtete Hauber, der zusammen mit seinen Kameraden als Wasserretter zahlreiche von den Fluten eingeschlossene Menschen evakuiert hat. Das Hochwasser in Freilassing war auch die Premiere für den rund 80 Mann starken oberbayerischen Wasserrettungszug der BRK-Wasserwacht, der die heimischen Retter am frühen Abend in Freilassing ablöste, dann weiter in die Region Rosenheim und dann nach Niederbayern verlegt wurde, wo die heimischen Wasserwachten wieder im Schichtbetrieb bis zum 7. Juni mit dabei waren. „In Niederbayern sind wir kilometerweit mit den Rettungsbooten gegen die Fahrtrichtung auf der komplett überschwemmten Bundesstraße und Autobahn gefahren, mit der Bootsschraube an Autodächern und Zäunen angeschrammt, haben ganze Dörfer evakuiert und waren zur Absicherung der Arbeiten am Deich eingeteilt; so was Extremes hat noch keiner von uns erlebt, aber für solche Einsätze machen unsere Leute all die umfangreiche Aus- und Fortbildung, und wenn es drauf ankommt, können wir uns voll auf sie verlassen!“, lobte Hauber.

Umfangreiche Ausbildung für spezialisierte Aufgaben

In den Ortsgruppen sorgen die jeweiligen Technischen Leiter für eine fundierte und nachhaltige Aus- und Fortbildung der Aktiven. 2013 fanden unzählige Kurse statt, oft auch direkt im Landkreis, unter anderem ein Wasserretterkurs, Pflichtfortbildungen für Rettungstaucher und Schwimmausbilder, Einsatzleiter- und Wachleiter-Schulungen, ein Lehrgang Canyon-Rettung, Frühdefi- und Wiederbelebungsschulungen, ein Lehrgang in Psychosozialer Notfallversorgung (PSNV) und Trainingsflüge im Hubschraubersimulator der Bergwacht Bayern in Bad Tölz. „Wir sind unglaublich froh über die oft sehr zuvorkommenden Arbeitgeber in der Region, die unser soziales Engagement unterstützen und uns beispielsweise für den tagelangen Hochwasser-Einsatz freigestellt haben, aber die Erstattung für den Lohnausfall nicht angenommen haben“, lobte Hauber in seinem Jahresrückblick. Er erinnerte an die politischen Meilensteine der vergangenen beiden Jahre, von denen auch die Wasserwacht profitiert, beispielsweise die Helfergleichstellung mit Lohnfortzahlung, der Helferführerschein für schwere Einsatzfahrzeuge oder die begonnene Einführung des Digitalfunks.

Konstante Zahlen in den Jugendgruppen

Mit einem abwechslungsreichen Programm engagiert sich die BRK-Wasserwacht seit Jahrzehnten auch in der Jugendarbeit und begeistert den Nachwuchs für den Schwimmsport und die Wasserrettung: 2013 waren im Schnitt 150 Kinder und Jugendliche Mitglied in den vier Wasserwacht-Ortsgruppen des Landkreises; das sind nahezu genauso viele wie in den Vorjahren, obwohl nach dem Brand der Watzmanntherme und wegen des vom Hochwasser zerstörten Badylons für gleich zwei Ortsgruppen überraschend die Trainingsstätte wegfiel und die Wasserwacht nach kreativen Alternativen suchen musste, um das Interesse der Kinder aufrecht zu erhalten. In Berchtesgaden läuft mittlerweile wieder alles in gewohnten Bahnen; in Freilassing ist für die nächsten Jahre noch keine Lösung in Aussicht. Jugendleiterin Monika Reiner berichtete von den zahlreichen Aktivitäten der Sechs- bis 16-Jährigen, die von Ausflügen über T-Shirt-Bastelstunden bis hin zum aktiven Dienst an der Seite erfahrener Wasserretter an den Wachstationen reichten. Bei eigenen Fortbildungsterminen trainierte der Nachwuchs unter fachkundiger Anleitung regelmäßig Schwimmtechnik und Kondition, den Umgang mit der Basisausrüstung für Sporttaucher, Knotenkunde und Funkkommunikation sowie Inhalte aus dem Naturschutz und der Ersten Hilfe.

Verzögerungen bei grenzübergreifenden Einsätzen

„Bei uns im Land Salzburg sieht die Situation ähnlich wie im Berchtesgadener Land aus: Wir haben mit nur mehr drei Hallenbädern im ganzen Bundesland nicht mehr genug Schwimmbad-Kapazitäten und die Kinder und unsere Einsatzkräfte haben immer weniger Möglichkeiten, richtig zu trainieren, wodurch die Breitenausbildung auf die Hälfte zurückgegangen ist. Zum Schwimmtraining müssen wir bis zu 200 Kilometer weit fahren, was sich langfristig auch auf unsere Nachwuchsarbeit auswirkt“, bedauerte ÖWR-Präsident Heinrich Brandner in seinem Grußwort. Der ÖWR und die BRK-Wasserwacht im Berchtesgadener Land wollen in Zukunft enger über die Ländergrenzen hinweg enger zusammenarbeiten, denn Notfallorte seien oft nur einen Steinwurf von den Nachbarn entfernt, beispielsweise bei Suchaktionen an der Saalach oder Salzach. „Landkreisübergreifend klappt das bereits hervorragend, wie mit der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) im Kreis Traunstein“, erklärte Hauber. Bei länderübergreifenden Einsätzen gäbe es aber teilweise immer noch erhebliche Verzögerungen in der Alarmierung. „Daran müssen wir zum Wohl des Patienten unbedingt gemeinsam arbeiten!“, betonte Brandner.

Viel Lob für die geleistete Arbeit

Zahlreiche Ehrengäste gratulierten zu den Auszeichnungen und dankten der Wasserwacht für ihr Engagement, darunter der Präsident der Österreichischen Wasserrettung (ÖWR), Heinrich Brandner, Schönaus Bürgermeister Stefan Kurz, Berchtesgadens zweiter Bürgermeister Karl Seiberl, Ainrings zweite Bürgermeisterin Gabriele Noreisch, Marktschellenbergs dritter Bürgermeister Volkhard Geiger, Teisendorfs dritter Bürgermeister Georg Quentin, Berchtesgadens Polizeichef Günther Adolph, Anton Brandner und Manfred Dufter von der Kreisbrandinspektion, Harald Wieberger und Florian Simon vom Technischen Hilfswerk (THW), BRK-Chefarzt Dr. Franz Leipfinger, BRK-Kreisgeschäftsführer Tobias Kurz, der Sachbearbeiter Ehrenamt des Roten Kreuzes, Andreas Schneider und der Ehrenvorsitzende der Kreis-Wasserwacht, Alfons Kandler.

Pressemitteilung BRK KV BGL

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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