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Auf dem Weg zum Klimawald

Borkenkäfer und Schneebruchschäden: Forstbetrieb Berchtesgaden hatte 2021 viel zu tun - Geringerer Holzerlös

Über 1000 Alteiben zählte der Forstbetrieb in diesem Jahr, hier in Bad Reichenhall. 9000 Jungeiben wurden zudem neu gepflanzt.
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Über 1000 Alteiben zählte der Forstbetrieb in diesem Jahr, hier in Bad Reichenhall. 9000 Jungeiben wurden zudem neu gepflanzt.

Der Holzmarkt hat sich stabilisiert, sagt Dr. Daniel Müller, Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden der Bayerischen Staatsforste, bei der Bilanzpressekonferenz in Berchtesgaden. Wegen der Aufarbeitung von Schneebruch, hoher Aufforstungskosten und jeder Menge Käferholz endet das Geschäftsjahr zwar mit einem Minus.

Berchtesgaden - Schon jetzt investiert der Forstbetrieb, der sich über das Berchtesgadener Land, den Rupertiwinkel und das östliche Chiemgau erstreckt, aber hohe Ressourcen in den Wald der kommenden Generationen. Denn der Klimawandel dürfte die Staatsforste vor gewaltige Herausforderungen stellen.

Knapp drei Jahre nach dem Jahrhundertwinter sind im Forstbetrieb Berchtesgaden die gewaltigen Schneebruchereignisse vollständig aufgearbeitet worden. „Das war eine außerordentliche Leistung unserer Mitarbeiter”, sagt Daniel Müller, der zum 17-mal zur Bilanzpressekonferenz eingeladen hatte. Die Schadholzmenge, die die Forstmitarbeiter im vergangenen Jahr aufarbeiteten, liegt bei 131.000 Festmetern, das Jahr zuvor waren es 69.000 Festmeter. Weil geschädigte Wälder vorgefunden wurden, hatte der Borkenkäfer leichtes Spiel.

„Überall in Bayern ging dessen Bestand zurück. Bei uns zeigte sich ein anderes Bild”, sagt Müller. Zufrieden ist der Leiter, „wie gut wir das hinbekommen haben”. Ein hoher Ressourceneinsatz habe dazu geführt, dass das Käferholz aufgearbeitet werden konnte, „dass es nicht noch mehr geworden ist”. Mit knapp 19.000 Festmetern bewegt sich der Forstbetrieb in Dimensionen wie einst nach Sturm Kyrill im Jahr 2007.

Dr. Daniel Müller, Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden der Bayerischen Staatsforste.

„Nachhaltig wirtschaften hat immerzu Priorität“

Der Forstbetrieb Berchtesgaden umfasst ein großes, landkreisübergreifendes Gebiet, 28.400 Hektar groß. Über die Hälfte davon ist Schutzwald, mehr als in jedem anderen der insgesamt 40 bayerischen Forstbetriebe. Knapp 6000 Hektar davon entsprechen sogenannten Naturwaldflächen. Der jährliche Holzzuwachs im Berchtesgadener Land und Traunstein beträgt 158.000 Festmeter.

Laut Zehn-Jahres-Plan ist der Jahreseinschlag mit 103.000 Festmetern festgelegt. Weil in den vergangenen Jahren mehr eingeschlagen wurde als geplant, verfolgt der Forstbetrieb nun das Ziel, lediglich 84 Prozent der Menge an Holz zu verarbeiten. “Wir haben die Handbremse gezogen. Nachhaltig wirtschaften hat immerzu Priorität”, sagt Daniel Müller. 

Daniel Müllers ausgewiesenes Ziel ist es, einen „klimagerechten Wald” zu formen, der den Ansprüchen, den der Klimawandel stellt, gerecht wird. „Die Temperaturen steigen weiterhin. Der Trend zeigt klar nach oben. Wir müssen davon ausgehen, dass die Risiken für unsere Wälder steigen werden”, sagt Müller. Die daraus resultierenden Effekte wirkten sich wesentlich auf den Wald aus. Die Jahre 2018 bis 2020 gelten als „große Dürrejahre”, regional zwar sehr unterschiedlich ausgeprägt, im Norden und Osten deutlich stärker als etwa im Süden.

Dennoch: Wegdiskutiert werden können die zunehmenden Dürreereignisse, wesentlich vom Klimawandel mitbestimmt, nicht. Das nächste Dürrejahr komme bestimmt, so die Einschätzung. „Wir müssen den Ansprüchen der Gegenwart und der Zukunft gerecht werden können”, sagt deshalb der Forstbetriebsleiter, der im Holz nicht nur den Rohstoff der Zukunft erkennt, weil dieser nachwachsend ist, darin CO₂ fixiert und gebunden wird, zudem als natürlicher Steinschlagschutz gilt.

Holzpreise bewegen sich nun wieder in Richtung Ausgangspunkt

Dass sich der Holzmarkt auch in wirtschaftlicher Hinsicht langsam aber sicher wieder stabilisiert hat, darüber freut sich nicht nur Müller. Panikkäufe in Corona-Zeiten hatten den Holzpreis auf Rekordhochs schnellen lassen, „der Dachlattenpreis hatte sich zwischenzeitlich verfünffacht”, weiß Müller. Im Forstbetrieb hat man die Rundholzpreise mittlerweile gedeckelt. „Alles andere hätte dem Markt geschadet.” Die Preise bewegen sich nun wieder in Richtung Ausgangspunkt, so mancher holzverarbeitende Betrieb, der sich einen Zwölfmonatsvorrat beschafft hatte, sitzt nun auf großen Mengen. 

Der Einschlag von Fichte und Tanne im Forstbetrieb Berchtesgaden liegt mit 76.700 Festmetern 2500 Festmeter über Plan. Rund 13.600 Kubikmeter Buche sind im Lauf des Jahres eingeschlagen worden. 

Schneebruch, Käferholz und hohe Investitionen wirken sich negativ aus

Wegen Schneebruch, Käferholz und hoher Investitionen in die Aufforstung hat sich das wirtschaftliche Ergebnis erneut „ins Negative verkehrt”, sagt Daniel Müller. Lag der Erfolg des Forstbetriebs im Geschäftsjahr 2019 noch bei 120.000 Euro, verbuchte der Betrieb 2020 ein Minus von 2,14 Millionen Euro. Für dieses Jahr liegt das Minus bei 1,8 Millionen Euro.

Die Erträge beliefen sich für 2021 auf 7,1 Millionen Euro (2020: 10,7), der Aufwand auf 8,9 Millionen Euro (2020: 12,9). Im Vergleich mit dem Vorjahr ist ein deutlicher Einbruch bei den Holzerlösen festzustellen (2020: 8,4 Millionen Euro; 2021: 5,1). Der Personalaufwand für die 58 Mitarbeiter - davon 32 Waldarbeiter - blieb mit 3,5 Millionen Euro konstant. Seit sieben Jahren bildet der Forstbetrieb Berchtesgaden zudem aus. Mittlerweile sind vier Azubis beschäftigt. Neue Revierleiter gibt es seit Februar mit Vinzenz Bader im Revier Berchtesgaden West. Seit Oktober hat Roman Prielmeier Hubert Graßl als Revierleiter in Bad Reichenhall abgelöst.

Wald nicht nur für Holzverarbeitung, sondern auch für Wildtiere wichtig

Stolz zeigte sich Daniel Müller, dass die Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforste auch beim Bartgeier-Projekt von Nationalpark und Landesbund für Vogelschutz beteiligt waren. Als Erfolg verbucht er auch die in diesem Jahr vollzogene allgemeine Umstellung auf bleifreie Munition „zum Schutz von Adler, Gänse- und Bartgeier”. Vertrauen in der Gesellschaft schaffe auch das Gamswildmonitoring, bei dem an 15 Zählpunkten die Tiere auf Freiflächen gezählt werden, etwa auf der Ecker Alm, dem Moosenkopf, im Murkar und am Steinbergsee. Konnten im vergangenen Jahr 167 Stück Gamswild gezählt werden, waren es in diesem Jahr deutlich mehr, 250. Die Abschüsse innerhalb des Forstbetriebs für das Jagdjahr 2020/21 belaufen sich auf 1705 Stück Schalenwild, darunter Rehwild (1206), Rotwild (152) sowie Gamswild (347).

Laut einem alle drei Jahre durchgeführten Verbissgutachten an der Weißtanne stellt der Forstbetriebsleiter fest, „dass es Wellenbewegungen gibt”. Dieses Jahr war der Verbiss mit 3,7 Prozent minimal, 2020 lag dieser bei 14,1 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich in den Jahren zuvor. 

Strategische Ziele im Forstbetrieb Berchtesgaden

Fleißig seien die Forstmitarbeiter bei der Wiederansiedlung von Eiben gewesen. Über 9000 Jungeiben pflanzten die Mitarbeiter, registrierten über 1000 Alteiben. „Eine vergleichbare Zahl gibt es in Bayern nicht”, sagt Daniel Müller. Die Alteibenzählung soll auch im kommenden Jahr fortgesetzt werden. 

Die langfristige Planung, die Umsetzung strategischer Ziele im Forstbetrieb Berchtesgaden, fordert Daniel Müller und dessen Team: Um einen Klimawald für die kommenden Generationen zu schaffen, steht das Erreichen mehrerer Ziele auf dem Plan. So sollen künftig immer mindestens vier Baumarten in Mischung wachsen. Das Augenmerk wird weiterhin auf klimatolerante heimische Baumarten wie Tanne und Buche gelegt.

Aber auch neue Baumarten sollen in Zukunft in größerer Zahl im Forstbetrieb zu finden sein, etwa Libanon-Zeder und Schwarznuss. „Nur gepflegte und genutzte Wälder sind Klimawälder”, sagt Müller. Dabei vergessen werden dürfe aber nicht die Jagd: „Nur mit angepassten Wildbeständen können junge Bäume wachsen und ihre Funktion im Kampf gegen den Klimawandel erfüllen.” 

kp

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