Meilenstein für Galileo-Testgebiet

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Große Freude bei Georg Kern (links) sowie Andreas Kahmann (Mitte) und Frank Förster (rechts) nach dem erfolgreichen Test im Technikraum des Kehlsteinhauses.
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Berchtesgaden - Im Galileo-Testgebiet (GATE) in Berchtesgaden können Navigationsanwendungen in Echtzeit getestet werden. Das bestätigte der TÜV SÜD jetzt nach umfangreichen Tests.

Die acht Test-Sendestationen im Berchtesgadener Land arbeiten analog zu Galileo-Satelliten, die bereits teilweise im Weltall stationiert sind. „Das TÜV-Zertifikat gibt Firmen weltweit Gewissheit, dass sie ihre Entwicklungen unter Realbedingungen bei uns testen können“, so der Leiter des Unternehmernetzwerks „Satellitennavigation Berchtesgadener Land“ Lars Holstein von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises. Damit bleibe GATE auch nach Inbetriebnahme des Galileo-Satellitennavigationssystems unverzichtbar und das Berchtesgadener Land Hightech-Region.

Die Firmen, die in dem Berchtesgadener Unternehmensnetzwerk zusammen geschlossen sind, haben in der Entwicklungsphase des Galileo-Satellitensystems immer wieder wichtige Impulse gegeben. Einer ihrer zentralen Betriebe ist die Firma IFEN GmbH. Sie entwickelte das System mit den acht fest installierten Pseudo-Satelliten im Berchtesgadener Land und betreibt diese. Ihre umfassenden Erfahrungen sind auch bei der Entwicklung und den Tests des realen Galileo- Systems gefragt. Momentan sind vier dieser Satelliten in der Umlaufbahn, 30 sollen es im Endausbau 2018 sein. Sie werden zuverlässig exakte Positionsbestimmungen ermöglichen, von denen zahlreiche zivile Systeme und Nutzer profitieren. So soll zukünftig dank Galileo zum Beispiel der aus dem All unterstützte automatische Landeanflug von Flugzeugen möglich sein.

Zertifikat entscheidend

Georg Kern (links) und Chefprüfer Andreas Kahmann vor dem Kehlsteinhaus, einer von acht Stationen der fest installierten Galileo Test-Satelliten.

Damit solche kritischen Anwendungen auch absolut sicher sind, müssen sie mit größter Sorgfalt getestet werden. Hier kommt den fest installierten Pseudo- Satelliten rund um Schönau am Königssee auch nach Aufnahme des regulären Galileo-Betriebs ab 2014 eine wichtige Rolle zu. Neben dem laufenden Betrieb stehen sie für Experimente zur Verfügung. „Wir können zum Beispiel einen Satellitenfehler simulieren und sehen, welche Auswirkungen dieser zum Beispiel auf die Zuverlässigkeit einer Navigationsanwendung eines Autos hat“, erklärt der Leiter des GATE-Büros, Georg Kern von der Firma IFEN. Auch hochdynamische Tests wie sie in der internationalen Luftfahrtindustrie vonnöten sind, sind mit den fest installierten Sendern auf den Bergen rund um Schönau am Königssee bereits durchgeführt worden.

Allerdings müssen diese Tests unter Realbedingungen passieren. „Wenn das nicht der Fall ist, können unsere Kunden nicht sicher sein, ob ihre Systeme später funktionieren“, so Kern. „Es gilt also: Egal ob vom Weltall oder vom Grünstein aus gesendet wird, die Signale müssen synchron auf der Erde ankommen.“ Dass dem auch wirklich so ist, stellt der TÜV SÜD in unabhängigen Messungen fest. „Das TÜV-Zertifikat ist für uns ganz entscheidend. Mit ihm zeigen wir unseren internationalen Test-Kunden, dass sie hier im Berchtesgadener Land die gleichen Bedingungen wie in der Wirklichkeit vorfinden“, erläutert der GATE-Büroleiter.

GATE unverzichtbar

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Kein Wunder, dass ihm die Spannung anzumerken ist, als vier Mitarbeiter der Firma NavCert in sein Büro in Schönau am Königssee kommen. Sie wurden vom TÜV SÜD zum Technischen Zertifizierer benannt und sind mit der wichtigen Kompatibilitäts-Prüfung betraut. Im Gepäck haben sie die Spezifikation der vier Galileo-Satelliten im Weltall. „Deren Ergebnisse sind uns natürlich bekannt. Es müsste also alles passen“, beruhigt sich Kern. Tut es auch, soweit es die TÜV- Ingenieure nach insgesamt vier Tagen Tests beurteilen können. Doch noch kann Georg Kern nicht entspannen. Chefprüfer Andreas Kahmann und seine Männer von NavCert wollen die Signale ohne störendes Rauschen möglichst nahe am Sender messen. Pseudo-Satellit GTS 5 am Kehlsteinhaus wird als Testobjekt ausgewählt. Sendet er die gleichen Signale wie seine Brüder im All? Diese richten sich immerhin nach ultrapräzisen Atomuhren.

Am Kehlsteinhaus angekommen, führt Georg Kern die Prüfer in den Technikraum. Auch hier wird umfangreich getestet, gesendete Signale aufgezeichnet, Zeiten verglichen. Nach einer weiteren Stunde sind alle Messungen im Kasten. Die Auswertung der gesammelten Daten wird weitere Wochen in Anspruch nehmen, bevor das Ergebnis endgültig fest steht. Es sieht allerdings sehr gut aus. Nicht nur bei Georg Kern ist die Freude groß. Auch Andreas Kahmann ist zufrieden. „Galileo erfüllt die technischen Erwartungen“, betont der Chefprüfer. Dem Team der Galileo-Testregion Berchtesgadener Land bescheinigt er sorgfältige Arbeit. „Als Testregion für internationale Navigationsanwendungen ist Berchtesgaden auch in Zukunft sehr wichtig“, betont Kahmann.

Pressemitteilung WFG BGL

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