"BERGinale": Wie fühlt sich ein Achttausender an?

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Berchtesgaden – Wer auf den Berg geht, weiß: Höhenluft kann dem Körper gut tun – oder auch nicht. Denn der Sauerstoffgehalt der Luft nimmt in der Höhe ab.

Die Auswirkungen werden umso größer, je weiter man rauf kommt. Was mit dem Körper auf einem Achttausender geschieht, davon können sich Besucher derzeit auf der „BERGinale“ ein Bild machen.

Gerrit Glomser aus dem österreichischen Seekirchen hat eine Kabinengondel mitgebracht, die nun im Foyer des Kongresshauses in Berchtesgaden steht. „Das ist eine ausrangierte Kabine aus St. Anton“, erzählt der junge Mann, der im Bereich der Höhensimulationen arbeitet. „Baujahr 1974 – die haben dort zwischenzeitlich schon eine neue“, sagt der Höhenexperte und lacht. Die Kabine hat er sich ganz nach eigenem Wunsch gestaltet, mit roten Polstern ausgekleidet. Die Ski-Halter an der Außenseite sind noch immer die originalen. Die Gondel soll nur zeigen: Hier geht es hoch hinaus. Und wo es weit rauf geht, wird die Luft dünn. Um die gleiche Menge an Sauerstoff aufnehmen zu können, muss man häufiger atmen als gewohnt, der Puls steigt dann. Der Sauerstoffmangel (Hypoxie) hat eine natürliche Reaktion im Körper zur Folge: die vermehrte Produktion roter Blutkörperchen. Dadurch ist es möglich, dass das Blut mehr Sauerstoff aufnimmt und zu Muskeln und Gewebe transportieren kann. Denn: Auch in der Höhe müssen alle Organe mit Sauerstoff versorgt werden.

Gerrit Glomser simuliert mit seinem Gast nun eine Höhe von 8000 Metern. Dazu stöpselt er ein Pulsoxymeter an den Finger des Probanden, der zusammen mit ihm in der roten Gondel sitzt. Eine Sauerstoffmaske soll die reduzierte Atemluft liefern. „Ein Gerät entzieht der Luft den Sauerstoff, so, als würde man sich auf 8000 Metern befinden“, erklärt Glomser. Noch bevor die Sauerstoffmaske aufgezogen wird, zeigt das Pulsoxymeter einen leicht erhöhten Pulsschlag an, 80 Schläge in der Minute, die Sauerstoffsättigung befindet sich bei 99 Prozent. „Das ist ein Normalwert“, sagt Glomser. Dann aktiviert er die Luftzufuhr. Bereits nach wenigen Sekunden geht der Sauerstoffgehalt im Blut leicht zurück – 95, 92, 91 Prozent. „Ab einem gewissen Wert kann einem schwindelig werden“, sagt er. Der Puls steigt auf über 90 Schläge pro Minute – und die Sättigung rauscht weiter nach unten, in den 80er Bereich. Schwindel tritt nicht ein.

In 8000 Metern Höhe würde der Körper aber auf diese Weise reagieren, das sei ganz normal, sagt der Fachmann. Deshalb müsse man auch die langen Wartezeiten im Höhenlager beachten. „Um einen Achttausender zu erklimmen, muss man locker zwei Monate einplanen – Akklimationsphasen inklusive.“ Dann würde sich nach und nach sowohl Puls als auch Sauerstoffgehalt einpendeln. Glomser, der im realen Leben Höhentrainings anbietet, weiß, dass die Simulation niemals an die realen Verhältnisse auf dem Berg heranreicht, aber ein gutes Bild dessen liefert, was dort auf den menschlichen Körper einwirkt. „Alpinisten, die viel auf Bergen unterwegs sind, setzen das Höhentraining ein, um einer akuten Höhenkrankheit vorzubeugen.“

kp

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