Über 3.000 Mitglieder wahren 400-jährige Tradition

Berchtesgadener Weihnachtsschützen sind bayerisches Kulturerbe

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Der Vorsitzende der Weihnachtsschützen, Rudi Koller (r.), wünscht sich die Aufnahme ins UNESCO-Kulturerbe. Mit auf dem Bild: Kreisheimatpfleger Johannes Schöbinger.

Berchtesgaden - Die Vereinigten Weihnachtsschützen des Berchtesgadener Landes gehören nun offiziell zum immateriellen Kulturerbe in Bayern. Insgesamt zwölf Handwerkstechniken, Bräuche und Traditionen wurden am Dienstag in das bayerische Landesverzeichnis aufgenommen. Bei den Weihnachtsschützen ist die Freude groß.

Die Vereinigten Weihnachtsschützen des Berchtesgadener Landes haben es geschafft: Sie sind in die das Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Bereits im vergangenen Jahr hatte Vorsitzender Rudi Koller den Antrag gestellt, die Weihnachtsschützen mit ihrer rund 400-jährigen Tradition anzumelden.

Der Antrag wurde von zwei fachlichen Schreiben begleitet, die von Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp und dem Bildungsreferenten der Dokumentation Obersalzberg, Dr. Mathias Irlinger, stammen. Schon im Vorfeld zur Entscheidung über die Aufnahme in das Landesverzeichnis hatte sich Rudi Koller optimistisch geäußert: „Wir haben eine lange Tradition, uns gibt es seit Jahrhunderten.“

Mitgliedschaft Hitlers von Historiker relativiert

In der Tat existieren die Weihnachtsschützen seit langer Zeit. Über 3.000 Mitlgieder gibt es im Berchtesgadener Land, darunter etwa 1.100 aktive Mitglieder, die in 17 unterschiedlichen Vereinen organisiert sind. Gemeinsam möchte man „überliefertes Brauchtum sichern und Traditionen wahren“, sagt Koller, der bereits angekündigt hatte, dass es eine „große Freude“ wäre, als immaterielles Kulturerbe im bayerischen Landesverzeichnis aufgenommen zu werden. Bürgermeister Rasp beschreibt das Schießen der Weihnachtsschützen als festen gesellschaftlichen Bestandteil. „Das Brauchtum der Weihnachtsschützen gehört zu Berchtesgaden wie der Watzmann, unsere Tracht und unsere Sprache“, sei seit Ewigkeiten gelebte Tradition und daher fest verwurzelt in der Region. Der historische Hintergrund, die Mitgliedschaft Adolf Hitlers bei den Weihnachtsschützen, die von Historiker Dr. Mathias Irlinger im fachlichen Begleitschreiben aufgegriffen und relativiert worden war, hatte am Ende keinerlei Auswirkungen auf den Eintrag in das Landesverzeichnis.

Seit knapp vier Jahrhunderten hat man sich bei den Vereinigten Weihnachtsschützen des Berchtesgadener Landes die Tradition des Schießens bewahrt.

Elf weitere kulturerbe-relevante Bräuche aufgenommen

In das Verzeichnis wurden neben den Weihnachtsschützen des Berchtesgadener Landes elf weitere kulturerbe-relevante Bräuche und Traditionen aufgenommen. Dazu gehören der Erhalt der traditionellen Baukultur im Altmühljura, das Augsburger Friedensfest, die bäuerlichen Gemeinschaftswälder im Steigerwald, die traditionelle Dörrobstherstellung, die Agnes-Bernauer-Festspiele in Straubing, das Drechslerhandwerk, die Baumfelderwirtschaft in Straubing, die Oberpfälzer Zoiglkultur sowie die Schafhaltung in Bayern.

Seit fünf Jahren existiert in Deutschland das von der Unesco abgestimmte Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes, das allerdings nichts mit dem weithin bekannten Weltkulturerbe zu tun hat. Um in die Unesco-Liste mitaufgenommen zu werden, müssen Traditionen und Bräuche zunächst in das bayerische und das bundesweite Verzeichnis aufgenommen werden.

Kilian Pfeiffer

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