Dr. Michael Hohlfeld arbeitet als "German Doctor" in Nairobi - Teil 2

"Wieder bei den German Doctors zu arbeiten, war mein schönstes Geburtstagsgeschenk"

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German Doctor Michael Hohlfeld in Nairobi
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Berchtesgaden - Zum mittlerweile sechsten Mal war der Berchtesgadener Kinderarzt Dr. Michael Hohlfeld mit den German Doctors im Ausland um unentgeltlich medizinische Versorgung zu leisten. BGLand24.de hat er erzählt, wie die Situation der Kinder vor Ort ausschaut:

Zum mittlerweile 4. Mal war der Berchtesgadener Kinderarzt Dr. Michael Hohlfeld bereits mit den German Doctors im Mathare Valley-Slum, einer festen Ambulanz-Station in der Nähe von Nairobi. 

Dort gibt es eine basismedizinische Versorgung für die Einwohner und außerdem werden dort auch HIV-infizierte Menschen in einem eigenen HIV-Programm betreut, unterernährte Kinder in einer sogenannten Feeding-Station wieder aufgepäppelt und an zahlreichen Slumschulen Schulspeisungen durchführt.

Im Interview mit BGLand24.de berichtet Dr. Michael Hohlfeld von der Arbeit mit den Kindern vor Ort 

Interview mit Dr. Michael Hohlfeld - Teil 2

Sie sind ja als Kinderarzt tätig - hatten Sie in diesem Jahr auch wieder Autos für die Kinder mit? 

Ja, wo ich bin, da sind auch immer Autos. Ich nehme immer so viele Metallautos mit, wie möglich. Dieses Jahr hatte rund 400 Luftballons und circa 4 Kilo Autos mit. Viele Kinder haben ja immer erstmal Angst, aber wenn sie die Autos sehen, dann nimmt man ihnen ganz schnell die Ängste. 

Was sind so die typischen Krankheiten unter denen die Kinder leiden?

Eigentlich sind es die gleichen Krankheiten wie bei uns. Sie haben Bauch- oder Kopfweh, viele sind mit irgendwas überfordert, haben Angst vor der Schule oder weil es in der Familie Probleme gibt, oder einfach aufgrund der beengten Wohnverhältnisse. 

Viele Krankheiten sind psychosomatisch bedingt. Malaria gibt es eher selten in Nairobi, da es so hoch liegt 1500m über Meeresspiegel, dennoch sehe ich eigentlich jeden Tag Kinder mit Malaria, die nicht in Nairobi aber in Ferien bei Verwandten in typischen Malariagebieten erkrankt sind. 

So wird der Malaria Test täglich mehrmals durchgeführt. Dann ist auch Neurodermitis ein großes Problem. Die liegt häufig an den Wohnverhältnissen und weil sich die Leute nicht richtig pflegen. Sehr viele Kinder leiden unter Krätze und es wird dann immer die ganze Hausgemeinschaft mitbehandelt. 

Und dann gibt es auch viele Kinder mit epileptischen Anfällen, Lungenentzündungen oder schweren Atemwegserkrankungen. 

Gibt es dort auch eine Krankenversicherung oder wie wird die Behandlung finanziert? 

Unter 5 Jahren ist die medizinische Versorgung kostenlos, wenn sie älter sind, kostet eine Behandlung zwischen 1 und 2 Euro. Es gibt für 5 Euro im Jahr eine Familienversicherung, aber die haben nur rund 20% unserer Patientin und wenn jemand ins Krankenhaus soll, der keine Versicherung hat, dann wird es wirklich schwierig. 

Vor allem wenn es Kinder trifft. Wenn ein Kind zum Beispiel eine Blutarmut hat, dann muss es ins Krankenhaus, denn wir können zwar Blut abnehmen aber kein Blut geben. 

War Ihr Sohn dieses mal auch wieder mit dabei? 

Nein, dieses Jahr leider nicht. Nach Beendigung meines Einsatzes bin ich dann ohne ihn auf den höchsten Berg Kenias Mount Kenya 5000 m hoch gegangen. Aber ich erinnere mich noch sehr gerne an unsere tolle Bergtour im vergangenen Jahr auf den Kilimandscharo. 

Was machen Sie jetzt daheim? 

Ich gehe viel in die Berge und mache weiterhin meine Praxisvertretungen in Bad Reichenhall und München. Außerdem war ich erst kürzlich auf einem Kongress und dort mache ich auch immer viel Reklame für unsere Arbeit und versuche die Leute zu begeistern uns zu unterstützen. Nach meiner Pensionierung habe ich diese Tätigkeit als neue Aufgabe begonnen und es ist eigentlich etwas, was ich immer schon machen wollte. 

Der Alltag mit Familie und meinen Enkeln macht mir auch wahnsinnig viel Spaß, aber ich bin sehr glücklich, dass ich auch in Afrika arbeiten kann. Ich habe mich schon wieder für den nächsten Einsatz in Nairobi im Oktober diesen Jahres beworben. Es war mein schönstes Geburtstagsgeschenk, dass ich nochmal da arbeiten kann, denn mittlerweile bin ich 75 Jahre alt geworden und damit an der Altersgrenze. Ich habe auch schon Angebote von anderen Organisationen erhalten, aber für mich sind die German-Austrian Doctors die Besten und äußerst sinnvoll. 

Bilder: Zurück aus Nairobi - Berchtesgadener Kinderarzt über seine Arbeit in Afrika

Wenn Sie daheim in Berchtesgaden sind, dann sind Sie auch sehr oft in die Arbeit der Austrian Doctors eingebunden. Diese geben am 24. Juni 2018 in Salzburg ein Benefizkonzert. Was hat es damit auf sich? 

Die Austrian Doctors, oder auch „Ärzte für die dritte Welt“, wie sie früher hießen, haben sich vor einiger Zeit aufgeteilt in eine deutsche und eine österreichische Organisation. Das Konzert wird von den Österreichischen Kollegen organisiert und soll Spenden für unsere Tätigkeit sammeln. 

Dieses Jahr ist es sozusagen das 100. Jubiläum, denn wir feiern 90 plus 10. Werner Waldmann, der ehemalige Kinderarzt aus Salzburg, der selber rund 30 Jahre mit der Organisation hauptsächlich in Bangladesh unterwegs war und immer noch genau wie ich im Winter auf dem Salzburger Christkindlmarkt steht um Glühwein und Würstel zu verkaufen, feiert seinen 90. Geburtstag. Die Organisation selber feiert ihr 10-jähriges Jubiläum. 

Darum haben wir einfach beide Zahlen addiert und feiern 100-jähriges Jubiläum 

Lesen Sie ebenfalls auf BGLand24.de:

Zurück aus Nairobi - Berchtesgadener Kinderarzt über seine Arbeit im Mathare Valley Slum - Interview Teil 1

Über das Benefizkonzert der Austrian Doctors 

Benefizkonzert zugunsten der Austrian Doctors

Regelmäßig finden zugunsten der Austrian Doctors Benefizkonzert statt, so auch im Jubiläumsjahr 90+10. Die Zahl „90“ resultiert aus dem neunzigsten Geburtstag von Dr. Werner Waldmann. Obmann und Gründer der Austrian Doctors und die Zahl „10“ aus dem zehnjährigen Jubiläum der gemeinnützigen Organisation. 

Das Jubiläumskonzert findet am Sonntag, dem 24. Juni um 11 Uhr im großen Saal der Stiftung Mozarteum Salzburg, Schwarzstraße 26 mit dem Hedenborg-Trio, die zu den Wiener Philharmonikern gehören, statt.

Gespielt wird wird eine Beethoven Matinee:

  • Ludwig van Beethoven Klaviertrio op. 1/2 in G-Dur
  • Ludwig van Beethoven Klaviertrio op. 70/1 in D-Dur, "Geister-Trio"
  • Ludwig van Beethoven Klaviertrio op. 97 in B-Dur, "Erzherzog-Trio" 

Das Trio besteht aus

  • Wilfried Kazuki Hedenborg, Violine
  • Bernhard Naoki Hedenborg, Violoncello
  • Julian Jo Hedenborg, Klavier 

 Kartenvorbestellungen sind möglich per Mail bei office@austrian-doctors.at, sowie telefonisch unter 0664 1507888 erreichen. Der Spendenerlös wird für die Projektarbeit verwendet, für die Gesundheit und Bildung für Kinder & Erwachsene in den ärmsten Ländern der Welt.

Spendenkonto German Doctors

Wer gerne für die German Doctors spenden möchte, die Daten für das Spendenkonto der lauten: 

  • German Doctors
  • Bank für Sozialwirtschaft 
  • IBAN :DE26550205004000800020 
  • BIC: BFSWDE33MNZ 

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