Interview mit Stefan Kantsperger vom CJD Gymnasium

"An unserer Schule werden nicht nur die Sportler gefördert"

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v.l. Sebastian Waldherr, Stefan Kantsperger, Christian Scholz
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Berchtesgaden - Die CJD Christophorusschule gilt als Talentschmiede für Nachwuchssportler, vor allem aus dem Bereich Wintersport. Viele Olympioniken haben hier die Schulbank gedrückt. Aber nicht nur Leistungssportler bekommen hier ihre ganz persönliche Chance:

Die CJD Christophorus Schule in Berchtesgaden teilt sich in mehrere Schulkomplexe auf. Es gibt das Gymnasium und die Fachoberschule am Dürreck, die Realschule in der Schönau, sowie eine Mittel- und Grundschule auf der Buchenhöhe und eine Berufsfachschule für Kinderpflege in Bischofswiesen. 

Alle Schulen zusammen umfassen ca. 1000 Schüler, rund 100 davon sind Sportler, die entweder nur am Schulunterricht teilnehmen und daheim wohnen oder die im Internat untergebracht sind. 

Für die Nachwuchssportler, die im Internat wohnen entsteht aktuell ein moderner Neubau, das "Haus der Athleten".

Fokus auf den Wintersport

Die Sportler kommen aus allen gängigen Wintersportarten wie z.B. Ski-Alpin, Ski-Langlauf, Biathlon, Skisprung, Eisschnelllauf, Snowboard Race und Freestyle, Nordische Kombination

Die meisten Sportler kommen aus dem Freistaat Bayern, einige auch aus den Landkreisen Traunstein und Rosenheim oder auch aus den neuen Bundesländern.

So funktioniert Schule und Leistungssport

Insgesamt zwei Betreuer kümmern sich um die Organisation zwischen Schulalltag und Sportlerkarriere. Christian Scholz, der Leiter des gesamten Sportbereiches und Sportkoordinator Sebastian Waldherr. Beide stehen in engem Kontakt mit den Verantwortlichen und den Trainern, welche der Schule jede Woche die verschiedensten Termine, wie zum Beispiel Training, Wettkampf usw. mitteilen. 

Diese Informationen werden in eine Abwesenheitsmatrix eingearbeitet und an Lehrerkollegen und Internatsmitarbeiter verteilt. Um verpassten Unterrichtsstoff nachzuholen, sind alle Leistungssportler verpflichtet am Osterunterricht in einer der beiden Ferienwochen teilzunehmen. Dieser wird in enger Absprache mit den jeweiligen Fachlehrern ausgearbeitet. 

Desweiteren werden für die Sportler eigene Nachschrifttermine angesetzt. So haben sie zum Beispiel die Möglichkeit bei Trainingslehrgängen unter strenger Beaufsichtigung des Trainers, oder an einem Schultag an dem trainigs-/wettkampffrei ist, den verpassten Leistungsnachweis nachzuholen, um eine Benotung gewährleisten zu können.

Außerdem bietet das CJD auch die Möglichkeit der Schulzeitstreckung an. Das bedeutet, dass die Sportler die Oberstufe auf drei Jahre ausdehnen können, um ausreichend Zeit für den Sport und die Schule zu haben.

Interview mit Stefan Kantsperger

BGLand24.de wollte wissen, wie der Schulalltag zwischen Leistungssport und Büffelei funktioniert und hat Stefan Kantsperger, den Schuldirektor des CJD Gymnasiums am Dürreck zum Interview getroffen.

Gibt es gesetzliche Vorgaben, wie viele Stunden, bzw. Tage die Schüler in welchem Alter maximal fehlen dürfen?

Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben, jedoch muss gewährleistet werden, dass jeder Schüler den vorgegebenen Lehrstoff absolviert hat und dieser auch ordnungsgemäß benotet wurde.

Wenn im Winter viel gefehlt wird und evtl. die ein oder andere schlechte Note dazukommt, gibt es einen Notendurchschnitt, ab dem "Stopp" ist mit Fehlen? Ist das vom Alter oder der Jahrgangsstufe her abhängig?

Die Sportkoordinatoren stehen mit den Lehrerkollegen aller Schulen in engem Kontakt. Das bedeutet, wenn bei dem ein oder anderen Sportler Auffälligkeiten im schulischen Leistungsbereich vorkommen, werden mit allen Beteiligten (Schüler, Lehrer, Trainer) Gespräche geführt, aus denen sich dann das weitere Vorgehen resultiert. Für jeden einzelnen Schüler/Schülergruppe gibt es dann einen Nachführunterricht in den Problemfächern um wieder in den grünen Bereich zu kommen. 

Je nach „Größe“ des Defizites kann es auch sein, dass man vom Training/Wettkampf befreit wird, um sich dann voll und ganz auf die schulische Leistungen zu konzentrieren, denn das Wichtigste ist ein guter Schulabschluss. Das Thema Nachführung zählt aber nicht nur für unsere Sportler, sondern bei uns wird jedem Schüler, egal ob Sport oder „Normal“, geholfen um den bestmöglichsten Schulabschluss, bzw. das Klassenziel erreichen zu können.

Was kostet es eine Schule wie das CJD, all diese Fördermöglichkeiten bereitzustellen? Neben dem Angebot für die Sportler müssen ja auch die Sportkoordinatoren und -betreuer, der Osterrunterricht, etc. finanziert werden? 

Die finanziellen Mittel werden durch das Kultusministerium, das Innenministerium sowie durch die Deutsche Sporthilfe zur Verfügung gestellt.

Ist das CJD dann ein reines Sportgymnasium?

Nein, definitiv nicht, das wird aber leider oft so angenommen, weil unsere Sportler häufig in der Presse sind, vor allem jetzt im Rahmen der Olympiaberichterstattungen. Rund 1/3 unserer Schüler sind Leistungssportler, der Rest sind "ganz normale Schüler". Es braucht keine speziellen Voraussetzungen, um an unsere Schule zu kommen. Wir sind für alle offen und fördern alle Kinder, egal in welchem Bereich sie Förderung benötigen oder wofür sie sich interessieren.

Bieten Sie mehr Sportstunden an wie andere Schulen?
Nein, wir lehren nach dem ganz normalen Lehrplan. Schüler, die in der Nachmittagsbetreuung sind, haben in der 7. Stunde die Möglichkeit eine Stunde Sport zu machen, bevor sie sich an die Hausaufgaben setzen. 

Worin unterscheidet sich das CJD dann im normalen Alltag von einem staatlichen Gymnasium?

Da die Sportler an den Wochenenden häufig unterwegs sind, werden in unseren Klassen zum Beispiel Montags generell keine Leistungsnachweise geschrieben. Davon profitiert natürlich die ganze Klasse. Außerdem haben wir sehr gut ausgerüstete Sport- und Trainingsmöglichkeiten, die alle Schüler nutzen können. Lediglich die neue Trampolinhalle ist nur für die Sportteams gedacht, da die Trainer hier einen Ausbildungsschein benötigen.

Das CJD ist eine von vier Eliteschulen des Wintersports. Wer von den Sportlern wo am Besten aufgehoben ist, hängt von der Sportart ab. Alle vier Schulen bieten auch Nicht-Leistungssportlern eine gleichermaßen gute Ausbildung an.

Kein Handicap für Schüler mit Handicap

Wer Leistungssport betreibt, der lebt mit einem Verletzungsrisiko. Ist die Verletzung so stark, dass der Schüler bleibende Schäden und Einschränkungen für den Alltag erleidet, müssen trotzdem Schulalltag und -abschluss weitergehen. Auch um diese Kinder kümmert sich das CJD und fördert sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten

So wird zum Beispiel Nikolai Sommer, der vor rund einem Jahr einen schweren Unfall beim Ski Alpin Training hatte und seitdem im Rollstuhl sitzt, einer der ersten Bewohner der barrierefreien Appartements im neuen "Haus der Athleten" sein.

Um verletzten Schülern die Mobilität im Schulgebäude zu erleichtern, laufen aktuelle Planungen, das Schulgebäude des Gymnasiums barrierefrei zu gestalten. So ist zum Beispiel ein Aufzug geplant, eine behindertengerechte Toilette sowie ein barrierefreier Zugang zum Schulhaupteingang.

Auch das Thema Para-Sport wird am CJD übrigens unterstützt. So übt sich Nico Sommer bereits rund ein Jahr nach seinem Unfall im Mono-Skifahren und bekommt bekommt dabei große Unterstützung von Martin Braxenthaler.

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