Westhauser ist zurück: "Unschuld verloren"

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Johann Westhauser und sein Höhlenforscher-Kollege Ulrich Meyer am Mittwoch in Berchtesgaden.
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Berchtesgaden - Fit sieht er wieder aus, doch wann er wohl wieder ins Riesending einsteigt? Den Höhlenforscher-Kollegen von Johann Westhauser juckt es längst schon wieder in den Fingern.

Zwölf Tage dauerte es, bis der verletzte Höhlenforscher Johann Westhauser an Pfingsten 2014 aus der Riesending-Höhle im Untersberg gerettet wurde, aus tausend Metern Tiefe - das wohl einschneidendste Ereignis seines Lebens. Nun stand er am Mittwoch im Berchtesgadener Kongresshaus wieder auf der Bühne. Fit wie eh und je könnte man meinen. Gut sieht er aus, er lächelt, grüßt die rund 400 Besucher, gibt Autogramme.

Will Westhauser wieder rein?

Ein Diagramm bisher erforschter Höhlen im Untersberg. Zur größeren Ansicht bitte hier klicken.

Ob er wieder einsteigen will ins Riesending? "Erst muss ich wieder ganz gesund werden." Schon seit Längerem wird gerätselt, ob Westhauser wieder in die Höhle zurückwill, an der sich das größte Höhlenrettungsdrama überhaupt abspielte. "Das ist eine große Herausforderung, man muss es ganz langsam angehen", so Westhauser. Er schließt nichts aus.

Viele schütteln angesichts solcher Worte vielleicht nur den Kopf. Doch Westhauser brachte seine Kollegen mit nach Berchtesgaden, einer davon Ulrich Meyer. Begeistert und mit strahlenden Augen erzählte er von der Höhle: "Wir wollen Ihnen diese Faszination vermitteln", so Meyer.

Die "Faszination Riesending"

Warum setzt man sich immer wieder so einem großen Risiko aus, über tausend Meter tief im Bauch des Untersbergs?  1995 haben die Höhlenforscher aus Stuttgart den Eingang zum Riesending gefunden. Salzburger Kollegen gaben ihnen den Tipp: Im Untersberg gäbe es jede Menge unerforschter Höhlen. 2002 ging es das erste Mal hinein. Sie betraten Neuland, sahen Dinge, die noch kein Mensch zuvor gesehen hatte.

Fotos: Westhauser und Kollegen über das "Riesending"

"Es gibt Bäche und Wasserfälle, bei Gewitter schwellen sie an, ähnlich wie eine Klamm. Das kann natürlich auch sehr gefährlich werden", so Meyer. Wer die Foto- und Filmaufnahmen am Mittwoch in Berchtesgaden sah, bekommt Verständnis für die Höhlenforscher: "Tropfsteinhöhlen, sowas habe ich sonst noch nie gesehen", schwärmte Westhausers Kollege. Dort drinnen herrsche sogar ein eigenes Wetter, es gäbe Nebel, Wolken, Wind.

"Haben unsere Unschuld verloren"

Warum es sie immer wieder in den Schacht treibt? Für Geologen erstellen sie auf ihren Touren exakte Übersichtspläne der Höhle, aber "man ist auch ein Abenteurer", gestand Meyer. Und schon erzählte er vom nächsten Wasserfall in der Riesending-Höhle: "Uns ist nicht klar, wo das Wasser herkommt. Eines Tages wollen wir wieder Einsteigen und das herausfinden."

Meyer, Westhauser und Co. waren aber auch im Kongresshaus, um noch einmal danke zu sagen, für das was die über 700 Retter im Juni 2014 geleistet haben: "So eine Höhlenerforschung kann man nur machen, wenn einem nicht die Angst im Nacken sitzt, dass einem ein Stein auf den Kopf fallen könnte beispielsweise. Leider haben wir diese Unschuld inzwischen verloren."

Video: Aufnahmen von Westhauser und Co. aus dem Riesending in einem ZDF-Beitrag ("Terra X"), der am Mittwoch im Kongresshaus gezeigt wurde

xe

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