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Warnung vor dem Inkassobrief

Hohe Geldforderungen nach Falschparken in Berchtesgaden - Verbraucherschutz warnt

„Fristsache”: Verbraucherschützer warnen dennoch vor den Schreiben, die das Inkassounternehmen Euro Collect verschickt.
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„Fristsache”: Verbraucherschützer warnen dennoch vor den Schreiben, die das Inkassounternehmen Euro Collect verschickt. 

Das Inkassounternehmen „Euro Collect” aus Monheim an der Ruhr bittet Fahrzeugbesitzer in Berchtesgaden und Umgebung wegen „Besitzstörung in Verbindung mit verbotener Eigenmacht” derzeit vermehrt zur Kasse. Mit hohen Geldforderungen werden außergerichtliche Vergleichsangebote im Auftrag von Mandanten verschickt - wegen Parkens auf „privaten Parkflächen”. Sofort zahlen sollte man nicht. Verbraucherdienste warnen: Es wird „Angst” geschürt.

Berchtesgaden/Berchtesgadener Land - In einem vorliegenden Schreiben teilt die Euro Collect GmbH mit, der Mandant, ein Shop-Besitzer aus Berchtesgaden und Besitzer einer privaten Parkfläche am Franziskanerplatz, habe das Inkassounternehmen beauftragt, weil mit einem Fahrzeug eine widerrechtliche Handlung begangen worden sei: „Unser Mandant war daran gehindert (...) seine Parkfläche zu nutzen und hat den Falschparker-Verstoß mittels Beweisfoto dokumentiert.”

In dem Schreiben, das mit „Fristsache!” gekennzeichnet ist, heißt es weiter: „Auf dem Beweisfoto ist Ihr amtliches KFZ-Kennzeichen abgebildet.” Bei der zuständigen KfZ-Zulassungsstelle in Bad Reichenhall wurden im Vorfeld die Halterdaten des Fahrzeugbesitzers ermittelt. Die Masche ist im Berchtesgadener Land bekannt. In mehreren Foren teilen Empfänger ähnlicher Schreiben ihre Erfahrung. Dort heißt es: „Zahlt nicht sofort.”  

In dem standardisierten Brief heißt es weiter: „Unser Mandant befürchtet (...) Wiederholungsgefahr. Es wird jedoch das Angebot unterbreitet, durch Zahlung eines „erhöhten Parkentgelts für die Besitzstörung (...) sowie der Halterermittlungskosten und Rechtsverfolgungskosten die Sache auf sich beruhen zu lassen.” Man würde zudem auf eine gerichtliche Inanspruchnahme auf Unterlassung der Nutzung des Privatparkplatzes verzichten.

Gezielt aufgebauter Druck soll Empfänger der Schreiben einschüchtern: Man gehe von „Wiederholungsgefahr” aus, heißt es in dem Brief: „Scheitert die außergerichtliche Einigung, wird unser Mandant nach Ablauf der Frist (...) Rechtsanwälte mit der Abmahnung und Klage auf Unterlassung beauftragen.” Sowohl Zahlungsaufschub als auch Ratenzahlung seien nicht möglich. 

In den vorliegenden Fällen geht es um 111,40 Euro. Auf Anfrage schickt die Euro Collect GmbH ein Beweisfoto des Fahrzeugs auf der privaten Parkfläche, das der Mandant, der Shop-Betreiber, aufgenommen und eingereicht hatte. Genannt wird im Schreiben lediglich der Zeitpunkt, zu dem das Auto geparkt war. Verzichtet wird auf eine zweite Uhrzeit, die das Parken über einen längeren Zeitraum darlegen würde, in dem das Auto widerrechtlich abgestellt wurde. Hinzu kommt: Der Parkvorgang ereignete sich zu den regulären Öffnungszeiten des Shops. Dass der Besitzer des Fahrzeugs Kunde war, kann dabei nicht ausgeschlossen werden. Auf eine Presseanfrage reagiert die Euro Collect nicht

Beim „Verbraucherdienst” in Essen kennt man die Euro Collect GmbH. “So mancher Verbraucher könnte sich wundern, ob das Inkassounternehmen seriös ist oder ob es sich um einen Fake handelt”, heißt es dort. Das Unternehmen aus Monheim ist ein im Rechtsdienstleistungsregister eingetragenes Inkassounternehmen.

Demzufolge ist es zwar berechtigt, in Deutschland Inkasso-Dienstleistungen anzubieten und durchzuführen. Verbraucherschützer beim „Verbraucherdienst” in Essen kommen aber zum Schluss, dass in mehreren Fällen bei Betroffenen „Angst” geschürt werde - mit Hilfe von bestimmten Formulierung und durch Weglassen von Informationen. So wird in weiteren Fällen mit einem Haftbefehl gedroht. „Verschwiegen wird dabei aber das Fehlen der gesetzlichen Voraussetzungen für einen Haftbefehl”, heißt es beim Verbraucherdienst. Spätestens beim Erhalt eines gerichtlichen Mahnbescheids sollte reagiert werden – mit einem Widerspruch, heißt es dort.

Im Schreiben aus Berchtesgaden reichte eine E-Mail mit der Bitte des Betroffenen, mehrere Fragen zum Parkvergehen zu beantworten. Die knappe Antwort kam kurze Zeit später: „Die Akte wurde geschlossen.”

kp

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