Großes Bedauern bei Mitgliedern

Im Jubiläumsjahr! Verein der Faschingsfreunde Rot-Blau löst sich auf

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Für Präsident Andreas Heilmann ist klar: der Verein hat keine Zukunft. 

Berchtesgaden – Ein Bürgermeister, „der nie da ist“, zu wenig Rückhalt in der Bevölkerung, zu viel Arbeit, die man nicht mehr im Stande ist zu leisten. Der Verein der Faschingsfreunde stimmt schweren Herzens für die Auflösung.

Der Verein der Faschingsfreunde Rot-Blau Berchtesgaden hat sich in dessen 60. Jubiläumsjahr auf der Jahreshauptversammlung aufgelöst – mit einstimmigem Beschluss. Trotzdem soll der Fasching in Berchtesgaden weitergehen.

Der Landespräsident Österreichischer Faschingsgilden, Dr. Gerhard Ummenberger, schaute bedröppelt aus der Wäsche: Gerade eben hatte er noch einen neu geschaffenen Orden, eine hochgradige Landesehrung, an verdiente Berchtesgadener Faschingsmitglieder vergeben, da ließ Faschingsfreunde-Präsident Andreas Heilmann die Bombe platzen: „Ich habe einfach keine Lust mehr“, sagte Heilmann, der seit einem Jahr die Faschingsfreunde Rot-Blau Berchtesgaden anführt und soeben noch den Zusammenhalt der kleinen, aktiven Gruppe gelobt hatte. 

Heilmann: „Wir können so nicht weitermachen.“

„Wir haben viel herumdiskutiert“, sagte er. Man sei aber immer wieder auf dasselbe Ergebnis gekommen. „Wir können so nicht weitermachen.“ Deshalb bat er die versammelten Mitglieder, den Verein, der seit 60 Jahren besteht und viele Aufs und Abs erlebt hatte, aufzulösen. Tatsächlich sind diesem Entschluss zahlreiche Vorkommnisse vorausgegangen, die dazu geführt haben. 

„Wirtschaftlich stehen wir gut da“, sagte Heilmann zwar. Allerdings sei einer der vielen Gründe der fehlende Rückhalt in der Bevölkerung sowie in der Politik. Nie erscheine ein hochrangiger Gemeindevertreter, wenn die Faschingsfreunde einladen, hinter dem eigenen Rücken höre man immer Dinge wie: „Was möchten denn die Deppen überhaupt?“ Für Heilmann sei das schmerzhaft: „Natürlich tragen wir keine Lederhose“, aber dennoch habe man eine Daseinsberechtigung. 

„So macht das alles auf jeden Fall keinen Spaß mehr“, sagte der Vereinspräsident. Darüber hinaus habe es im Laufe der vergangenen Faschingssaison mehrere Begebenheiten gegeben, „die uns schockierten“ und den Verein vor eine große finanzielle Herausforderung stellten. Unter anderem wurde während des großen Hofballs im Juli auf Kosten der Faschingsfreunde gegessen und getrunken. 

Die Konsumierer verschwanden, ohne ihre Rechnung zu begleichen. Das Kongresshaus, in dem der Ball stattgefunden hatte, stellte die Rechnung den Narren zu. Zudem wurde die vereinseigene Fahne, die während des Hofballs hinter der Bühne gelagert wurde, gestohlen und an mehrere Faschingsfreunde weitergereicht. Das Thema ist so bedeutsam, dass es nun ein Tagesordnungspunkt auf der Landessitzung des Bundes Österreichischer Faschingsgilden wird, bei dem die Berchtesgadener Mitglied sind. 

Mitgliederschwund und fehlende Zuverlässigkeit

Nur eine Handvoll Mitglieder seien es, die die gesamte Vereinsarbeit leisteten, so Heilmann. In den vergangenen Jahren hatte der Verein immer wieder Schwierigkeiten, Prinzenpaare zu finden, die den Verein bei befreundeten Gilden vertreten. Einmal gab es nur eine Prinzessin, dann folgte ein Prinzenpaar das nur wenige gemeinsame Termine wahrnahm. „So kann man einen Verein nicht am Leben erhalten“, sagte Heilmann

Zudem kämpfe man seit vielen Jahren mit dem vereinsüblichen Mitgliederschwund. „Wir waren guter Dinge, dass wir wieder junge Mitglieder gewinnen können, aber am Ende hat es nicht geklappt.“ Für Heilmann, der schon seit Jahrzehnten faschingstechnisch engagiert ist, bedeutet die Vereinsauflösung einen herben Rückschlag. 

Immerhin hatten er und seine Lebensgefährtin Tanja Missfeldt den Verein nach schwierigen Jahren übernommen, Spenden gesammelt und seit Langem wieder mal einen Hofball im großen Saal des Kongresshauses ins Leben gerufen. Über 360 Aktive aus befreundeten Gilden beteiligten sich.

 „Das war für uns eine große Herausforderung.“ Als Verein sehe man nun aber keine Überlebenschance mehr: „Wir müssten in Zukunft einen Datenschutzbeauftragten bestimmen. Aber wer soll das machen“, fragte Heilmann in die Runde, der sich außer Stande sieht, den Verein weiterzuführen. 

Für Mitglieder überraschende Entscheidung

Bei den Mitgliedern kommt die Vereinsauflösung überraschend, immerhin befindet man sich im Jubiläumsjahr, viele Mitglieder sind seit Jahrzehnten dabei, Fasching gehört zu ihrem Leben. 

Auch, wenn die fünfte Jahreszeit in Berchtesgaden keine große Rolle spielt, sah man sich immer als Verfechter der guten Sache, „abseits derer, die die Lederhose tragen.“ Präsident Andreas Heilmann möchte den Fasching im Talkessel aber nicht ganz aussterben lassen, nicht vollständig von der Bildfläche verschwinden: „ich wünsche mir, dass wir uns weiterhin treffen werden“, sagt er. 

Dann aber als Stammtisch, „ganz ohne Verpflichtungen, vielleicht einmal im Monat“, so lautete sein Vorschlag. Ob man den Namen dann behalten werde oder einen neuen finden werde, stehe noch in den Sternen. Tränen standen so manchem anwesenden Mitglied in den Augen und trotzdem folgten die Mitglieder einstimmig den Ausführungen des Präsidenten und dessen Wunsch, den Verein aufzulösen. 

Für Gerhard Ummenberger vom Bundesverband Österreichischer Faschingsgilden, der die Berchtesgadener seit Jahren kräftig unterstützt, kommt die Vereinsauflösung unverhofft. „Jetzt habe ich euch gerade noch geehrt und dann löst ihr euch auf“, sagte er. Er könne es verstehen, dass Berchtesgaden ein „hartes Pflaster“ sei, auf dem der Fortbestand eines Faschingsvereins schwierig ist. 

Bis Ende Juli soll nun der Verein abgewickelt werden, kündigte Heilmann an, „wir müssen noch einige Rechnungen begleichen.“ Bleibt am Ende etwas vom Vereinsvermögen übrig, fließt das Geld in die Kasse der Marktgemeinde Berchtesgaden. 

Kilian Pfeiffer

Kommentar von Kilian Pfeiffer

Das Aus der Faschingsfreunde kam plötzlich, aber absehbar. Tatsächlich wurde es dem Verein im Talkessel noch nie leicht gemacht. In Berchtesgaden, wo Weihnachtsschützen und Trachtenvereine das Vereinsbild prägen, haben es die Narren, die im roten Ornat und „BGD juchhe“-jauchzend durch den Markt pilgern, nicht einfach. Dass man belächelt wird, damit konnte man bislang umgehen. 

Die Missachtung seitens politischer Gemeindevertreter schmerzte die Faschingsfreunde aber schon seit Jahren. Zudem kommt ein immer schwierigeres Umfeld in Sachen Neumitgliedern und der Übernahme von Ehrenamtsaufgaben. Mehrere Vereine im Talkessel leiden darunter, bei einigen ist die Zukunft ungewiss. Bei den Faschingsfreunden wirft man nun das Handtuch. Es dürfte nicht der letzte Verein sein, der aufgibt. 

Kilian Pfeiffer

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