In Berchtesgaden an der Ache

Streit um Komposthaufen - Landratsamt droht Bernhard Böhnisch

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Die Kompostboxen von Bernhard Bähnisch sollen verschwinden, fordert das Landratsamt aufgrund eines Beschlusses des Wasserwirtschaftsamtes.

Berchtesgaden – Der kleine Komposthaufen von Bernhard Böhnisch an der Königsallee ist nur ein paar Meter von der Ache entfernt. Zu nah, findet das Landratsamt Berchtesgadener Land. Deshalb muss der Gartenfreund die hölzernen Boxen nun entfernen. 

Die Frist läuft Mitte Februar aus. Ansonsten droht ihm eine „kostenpflichtige Anordnung“, wie aus einem vorliegenden Schreiben des Landratsamtes hervorgeht. Böhnisch sieht die Sache „unverhältnismäßig“. Nur ein paar Hundert Meter entfernt hat der Markt Berchtesgaden in Flussnähe einen deutlich größeren Kompostierbereich. 

Bernhard Böhnisch ist Hobbygärtner. Er hat am Haus einen rund 50 Quadratmeter großen Garten, den er regelmäßig mäht. Einmal im Jahr siebt er die beiden Komposthaufen, trennt großes Material von der frisch entstandenen Erde. „Das ausgesiebte Material arbeite ich in mein Gemüsebeet ein“, sagt er. Die Komposthaufen befinden sich gegenüber dem Haus, an der Straße. Unterhalb verläuft die Berchtesgadener Ache. Es sind dies aus Holz gefertigte Boxen, 1,5 Quadratmeter groß, rund vier Meter von der Ache entfernt. 

Dort entsorgt Böhnisch seine Bioreste, den gemähten Rasen, Blumenabfälle, Strauchschnitt. Der Komposthaufen muss weg, sagt das Landratsamt. Im vergangenen August gab es einen Vor-Ort- Termin. Der Grund: eine geplante Auffüllung der dortigen Uferböschung. Mit dabei: Vertreter der Behörde und des Wasserwirtschaftsamtes. „Die haben sich damals die Örtlichkeit angeschaut“, berichtet Böhnisch. Im Zuge dessen fanden die Amtsvertreter auf seinem Grundstück Strauchschnitt. 

Streit um Komposthaufen nahe der Ache in Berchtesgaden

Gewässerveränderung durch Zersetzungsprodukte

In dem vorliegenden Schreiben des Landratsamtes heißt es, dass bei einer Kompostierung „nährstoffangereicherte Sickerwässer und Zersetzungsprodukte“ entstehen, „die in die Berchtesgadener Ache gelangen können. Eine nachteilige Gewässerveränderung bzw. Gewässergefährdung ist zu befürchten.“ Dass die Kompostboxen nur vier Meter von der Ache entfernt seien, sei nicht richtig. Es werde „verkannt, dass der Abstand zum Gewässer im vorliegenden Fall von der Böschungskante zu ermitteln ist“, heißt es in dem Schreiben. 

Somit sei auch eine Verlegung der Lagerboxen „hin zum Straßenrand der Königsallee nicht zielführend, weil auch hier ein vertretbarer Mindestabstand nicht erreicht werden kann.“ Böhnisch versteht die Aufregung nicht, immerhin stehen seine Boxen schon seit Jahren an ein und derselben Stelle. „Wenn da pro Tag ein Tröpfchen in die Ache sickert, ist das viel“, sagt er. Vergleichbare Komposthaufen gebe es entlang der Ache mehrere. 

Ein paar hundert Meter weiter befindet sich der Kompostablagerungsplatz der Gemeinde

Nur ein paar Hundert Meter flussaufwärts etwa befindet sich, in Nähe der Berchtesgadener Kläranlage, ein von der Gemeinde genutzter Kompostablagerungsplatz. Dieser ist betoniert, in Richtung der Ache steht eine Mauer. Dort lagern das ganze Jahr über große Haufen Schnittmaterial, das bei Gemeindearbeiten anfällt. Böhnisch, der nur unweit entfernt wohnt, sagt, dass bei starken Regenfällen der Bereich schon mal unter Wasser steht. 

Im Vergleich zu meinem kleinen Komposthaufen ist das ein Scherz.“ Zumal immer mal wieder Klärschlamm der Kläranlage in die Ache laufe. Mehrfach hat Böhnisch in den vergangenen Jahren das schon beobachtet, „da wird die Ache dann richtig braun.“ Dem Landratsamt habe er damals die Situation bereits geschildert. Zur Antwort habe er bekommen, dass man da nichts machen könne. Böhnisch hat bereits einen Anwalt eingeschaltet, die Sache hat ihn bereits 1500 Euro gekostet. 

Einige tausend Euro Strafe drohen

Das Landratsamt fordert nun, die Kompostlagerboxen bis spätestens 15. Februar zu beseitigen. „Sollte dieser Aufforderung nicht nachgekommen werden, sehen wir uns gezwungen, eine kostenpflichtige Anordnung zu erlassen“, heißt es in dem Brief des Landratsamtes an Böhnischs Anwalt. Das wilde Entsorgen von Grünschnitt wird als Straftat angesehen und kann den Verursacher im schlimmsten Fall einige Tausend Euro kosten. 

Entsorgter Grünschnitt gilt in der freien Natur als Müll. Böhnisch sagt, dass er sich der Aufforderung wohl fügen müsse, auch, wenn er noch nicht wisse, wohin mit den Komposthaufen. Dass das jetzt im Winter passieren muss, erachtet er für übertrieben: „Der Kompost ist gefroren, die Abfälle zu verlagern, wird schwierig.“ 

Überhaupt fragt sich der Berchtesgadener, wieso der kleine Komposthaufen für so viel Aufregung sorge: „Die Bäume entlang der Ache verlieren jedes Jahr Tonnen an Laub. Das landet direkt im Fluss.“ Beim Landratsamt heißt es auf Anfrage, dass der Beschluss, die Kompostboxen entfernen zu lassen, bei der Fachbehörde, also beim Wasserwirtschaftsamt, getroffen wurde. Die Umsetzung der Anordnung erfolge nun über das Landratsamt. In den nächsten Tage werde man zudem dem Kompostablagerungsplatz der Gemeinde Berchtesgaden einen Besuch abstatten. „Dazu können wir bislang noch nichts sagen“, so der Landratsamtssprecher.

Kilian Pfeiffer

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