In elf Kategorien ausgezeichnet

Das sind die Geehrten der 3. Berchtesgadener Sport-Gala

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Wenn die „Super-Tobis“ Wendl/Arlt mit Moderator Willi Willmann auf der Bühne stehen, ist trockener Humor vorprogrammiert. Sie erhielten zum dritten Mal einen Preis.

Berchtesgaden. In ausgelassener, fröhlicher und doch sehr eleganter Atmosphäre ging auch die 3. Berchtesgadener Sport-Gala über die Alpen-Congress-Bühne. In elf Kategorien wurden Sportlerinnen und Sportler, Funktionäre und Ehrenamtliche ausgezeichnet:

Nachwuchssportlerin des Jahres 

Mit zwei Medaillen kehrte Biathletin Franziska Pfnür Anfang Februar zurück. Die gebürtige Ramsauerin brachte von der Junioren-WM im slowakischen Brezno-Osrblie Silber und Bronze mit nach Hause. Den Vize-Titel sicherte sich die 19-Jährige als Startläuferin der deutschen Teamstaffel – mit Null Fehlern beim Schießen. Schneller waren nur die Französinnen. Die zweite JWM-Medaille gewann Franzi Pfnür im Einzel, als sie ebenfalls fehlerfrei vom Schießstand ging und Rang 3 herausholte. Ihr Heimatverein, der Skiklub Ramsau, würdigte diese Erfolge mit einem Empfang und einer Ehrung im Rathaus. Der Auftritt der jungen Biathletin wurde auf der Webseite des SKR als „sehr kompetent und erfrischend“ beschrieben. „Franziska kümmerte sich um all ihre Fans und Gratulanten und zeigte, dass sie eine von uns ist.“

Nachwuchssportler des Jahres

 Elias Huber, Sohn des Profi- und Extremkletterers Thomas Huber, brachte die besten Bedingungen mit, in die Fußstapfen seines Vaters sowie seines Onkels Alexander zu treten. Er entschied sich fürs Snowboarden. Dabei machte er in der vergangenen Saison nachhaltig auf sich aufmerksam. Bei der Junioren-WM im slowenischen Rogla gewann der 20-Jährige vom SC Schellenberg Silber im Parallelriesenslalom und somit die erste „weltmeisterliche“ Medaille seiner Karriere. Dem nicht genug: Elias, der den Juniorenbereich jetzt verlässt, mischte sogar schon bei der WM der Großen in Park City mit und zeigte dabei mit Rang 15 ebenfalls auf. In FIS-Rennen raste Huber zweimal an die Spitze und belegte in der Europacup-Gesamtwertung Rang 3. Seine Wurzeln kann er dennoch nicht ganz verleugnen: Klettern und Bouldern gehören zum wichtigen Ausgleich irgendwo dazu. Die Jury kam in dieser Wertung wie erwartet nicht an Skeletoni Felix Keisinger vorbei. Der 21-Jährige bewies bei der Heim-Junioren-WM am Königssee Nerven aus Stahl und holte sich nach Platz 3 im ersten Lauf noch den Titel – mit fünf Hundertstel Vorsprung. „Das war das schwerste Rennen meines Lebens“, meinte er im Anschluss, die Erwartungen waren so hoch – damit musste der Athlet des WSV Königssee erstmal klarkommen. Der „Keisi“, der den Großteil seiner Karriere noch vor sich hat, überzeugte sogar bei der WM der Großen in Whistler mit seinen außergewöhnlichen Startzeiten – letztlich reichten diese bereits zu Platz 13.

Die 3. Berchtesgadener Sport-Gala

Stützpunkttrainer des Jahres

Gerd Schelble heißt der Preisträger dieser Kategorie. Er ist langjähriger Fördervereins- Coach. Der gebürtige Schwarzwälder kam 1978 nach Berchtesgaden, als Soldat der 2. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 232. Im Alter von 53 Jahren ging Schelble 2012 im Dienstgrad Stabsfeldwebel in den Ruhestand. Bereits während seiner aktiven Zeit als Soldat engagierte er sich als Biathlontrainer des „Sport-Talents“. In den letzten Jahren widmete er sich dem Trainerdasein mit noch mehr Zeit und voller Enthusiasmus. Mit seiner Trainingsgruppe ist Gerd Schelble in den Wintermonaten beinahe jedes Wochenende bei Wettkämpfen unterwegs und führt seine Nachwuchsbiathletinnen und -biathleten mit viel Wissen und Herzblut an die Leistungssport-Spitze heran. Seine Sportler vertrauen ihm bedingungslos am Schießstand – die enge Beziehung zwischen ihm und seiner Gruppe ist für jeden spürbar, der zusieht. Zahlreiche aufstrebende Athleten wie Michael Willeitner, Niklas Homberg, Matthias Dorfer und Franziska Pfnür sind durch Schelbles „hohe Schule“ des Biathlonsports gegangen.

Botschafter des Berchtesgadener Sports 

Als „Riedlbuam“ – abgeleitet vom Hof-Namen – begann für Thomas und Alexander Huber Ende der 1970er Jahre am hauseigenen Apfelbaum im Chiemgau eine der erstaunlichsten Karrieren der internationalen Kletterszene. Heute sind sie als Huber-Buam Garanten für anspruchsvolle Erstbegehungen und wilde Geschichten aus der senkrechten Welt. Sie gehören zu den besten Alpin- und Extremkletterern der Welt und stellen regelmäßig neue Bestmarken im Fels auf. Die Rekord-Speedtour „The Nose“ am El Capitan im Yosemite Nationalpark (USA) wurde 2007 im Dokumentarfilm „Am Limit“ portraitiert. Bei den beiden scheinen sich Gegensätze nicht nur anzuziehen, sondern zu Höchstleistungen zu führen: Während der jüngere Alexander als diplomierter Physiker eher rational und analytisch zu Werke gehen soll, scheint sein älterer Bruder Thomas als der neugierige und gelassene Gegenpart auf. Beide leben heute wieder in Berchtesgaden.

Mannschaft des Jahres

Das erfolgreichste Rodel-Doppel der Geschichte heißt: Tobias Wendl und Tobias Arlt. Das Duo befindet sich seit über zehn Jahren in der Weltspitze und ist mit vier olympischen Goldmedaillen unerreicht. Acht Weltmeister- und vier Vizeweltmeister-Titel sowie vier Gesamtweltcupsiege gehören ebenfalls zum beeindruckenden Erfolgsrepertoire des 31- jährigen Pidingers (Arlt) und des zwei Wochen „jüngeren“ Berchtesgadeners (Wendl). Im abgelaufenen Winter war die WM in Winterberg der Saisonhöhepunkt. Die Tobis mussten sich im Sprint und im „normalen“ Doppelsitzer-Bewerb zwar ihren internen Dauerrivalen Toni Eggert und Sascha Benecken aus Thüringen geschlagen geben, doch zweimal Silber ist für beide ein ebenfalls glänzendes Ergebnis. „Das hat gezeigt, dass wir auch nur Menschen sind. Mit unseren bisherigen Erfolgen müssen wir niemandem beweisen, dass wir es draufhaben“, meinte Wendl.

Persönlicher Preis der Bürgermeister

Das Sport-Gen wurde Marie Horn in die Wiege gelegt – in der Triathlon-Familie Horn ist es ein Ding der Unmöglichkeit, unsportlich unterwegs zu sein. Ihren ersten Wettkampf bestritt Marie mit vier Jahren, heute zählt die 18-Jährige zu den besten deutschen Nachwuchs- Triathletinnen. 2017 qualifizierte sie sich für die Junioren-EM, bei der sie als jüngste Starterin Platz 14 belegte. 2018 nahm Marie Horn zudem bei den Youth Olympic Games in Buenos Aires teil und schwamm, radelte und lief im Einzelwettkampf auf Rang 8: „Das Schwimmen war das Härteste in meinem Leben, beim Radfahren konnte ich die Gruppe gut halten, der Lauf lief super. Das war ein tolles Erlebnis“, so die damals 17-jährige Berchtesgadenerin. Damit nicht genug: Im Mixed Team Relay sicherte sie sich mit „Europe 3“ Bronze.

Sportlerin(nen) des Jahres 

Bei der Skeleton-WM in Whistler ließ die 27-jährige Tina Hermann vom ersten Lauf an nichts anbrennen und stand am Ende ganz oben. Das deutsche Damen-Team schrieb Geschichte und sicherte sich sensationell das Triple. Bereits im Vorfeld hatte die Berchtesgadenerin mehrmals betont, wie sehr ihr die Hochgeschwindigkeitsbahn in Whistler gefalle – 140 km/h erreichen die Sportlerinnen dort. Doch gerade bei diesem Speed fühlt sich die jetzt vierfache Weltmeisterin sichtlich wohl und zeigte dies gleich im ersten Lauf, als sie den neun Jahre alten Bahnrekord egalisierte und mit 53,17 Sekunden eine neue Bestmarke setzte. Nervenstärke bewies Tina Hermann im Finallauf, als Teamkollegin Jacqueline Lölling kurz vor ihr eine neue Top-Zeit in den Eiskanal zauberte. Nach dem Motto „#Comebackstronger“ hat sich Snowboarderin Ramona Hofmeister in diesem Winter erfolgreich zurück an die Weltspitze gekämpft. Nach einem Bandscheibenvorfall, zugezogen im Sommer 2018 während eines Lehrgangs in Italien, musste die 23-Jährige zunächst pausieren und verpasste den Saisonstart. Besonders bitter: Sie hatte sich erst im April 2018 am Handgelenk operieren lassen, um topfit in den neuen Weltcup-Zyklus starten zu können. Mit einem Traum-Comeback meldete sich die Bischofswieserin im Dezember 2018 mit dem starken 3. Rang im Parallelriesenslalom in Carezza (Italien) jedoch zurück. Die Saison krönte Hofmeister mit WM-Bronze in Park City sowie Gesamt-Weltcuprang 3. Die sympathische Athletin sagt: „Für mich ist Snowboarden wie Klavierspielen oder Backen. Eine Leidenschaft.“

Sportler des Jahres

„Rennrodler. Bundespolizist. Papa.“ – so steht‘s im Sport-Gala-Flyer. Freilich ist Felix Loch noch so viel mehr. Knapp über ein Jahr dauerte die Durststrecke von Deutschlands Welt- klasse-Rennrodler Felix Loch, bis der Knoten wieder platzte – ausgerechnet bei der WM in Winterberg: Gold im Einsitzer, der sechste Einzeltitel der 13. bei einer WM insgesamt. „Ich habe am Ende alles richtig gemacht, so der dreimalige Olympiasieger. „Der WM-Titel hat für mich einen hohen Stellenwert.“ Für den 29-Jährigen ist die Familie mit Ehefrau Lisa und den beiden Söhnen Lorenz und Ludwig neben dem Sport das Wichtigste. „Meinen Kindern ist es noch egal, was ich am Wochenende mache. Die freuen sich, wenn ich da bin“. Nachdem Ludwig 2018 exakt am Sport-Gala-Tag zur Welt kam, konnte Papa Felix diesmal seinen Preis persönlich entgegennehmen und am nächsten Tag 1. Geburtstag mit ihm feiern.

Ehrenpreis für das Lebenswerk

 „Unermüdliches Engagement im Unruhestand“, lautet der Titel des Preisträgers in dieser Sparte. „Mir hat der Sport so viel im Leben gegeben, daher gebe ich nun immer noch Vieles zurück“, erklärt Helmut Weinbuch ganz einfach seinen schier unermüdlichen Enthusiasmus für den Sport. Der mittlerweile 82-Jährige ist selbst Jahre nach seinem offiziellen Eintritt in den Ruhestand mit voller Kraft für den Nachwuchs im Berchtesgadener Talkessel – vor allem im 2002 von ihm gegründeten Talentzentrum „Sport-Talent“ – im Einsatz. Nach 33 Jahren hauptberuflichen Einsatzes für den Deutschen Ski-Verband (DSV) zunächst als Technischer Leiter, dann als Generalsekretär und Sportdirektor, kehrte er zu seinen Wurzeln zurück, fokussierte sich auf die Nachwuchsförderung in Berchtesgaden und ließ all sein Wissen und Können in den Förderverein einfließen. Weinbuch wollte den Preis zunächst nicht annehmen: „Es gibt so viele, die diesen Preis verdient haben“. Mit seinen Reformen und Ideen – unter anderem der Einführung des Gelben Trikots für die Weltcup-Führenden, der Schaffung von Nachwuchswettkämpfen oder der Einführung der Staffel- und Teamsprint-Rennen – prägte der gelernte Speditionskaufmann den internationalen nordischen Skisport wie kaum ein anderer. Sein Appell während der Gala: „Den Kindern Zeit schenken“.

Sonderpreis für soziales Engagement im Sport:

 „Ohne Ehrenamt kein Breitensport, ohne Breiten- kein Spitzensport“, sagt Sport-Gala-Jury- Präsident Wasti Rasp. Hinter den Spitzenleistungen, die viele Berchtesgadener Sportlerinnen und Sportler immer wieder vollbringen, steckt natürlich auch die Arbeit zahlreicher Trainer und Funktionäre. Die Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee und der Förderverein „Sport-Talent“ präsentierten deshalb im Rahmen der 3. Sport-Gala erstmals den „Ehrenpreis für soziales Engagement“. Der Grund der neuen Kategorie lag vor allem darin, das im Sport essentiell wichtige Ehrenamt in einem entsprechenden Rahmen zu würdigen. Über die Lokalzeitung wurde der Aufruf an die Bevölkerung gestartet, Kandidaten vorzuschlagen. Der Ehrenpreis wurde somit von den Einheimischen „verliehen“. Als Preisträgerin verkündete Chefredakteur Ulli Kastner Alpin-Trainerin Maria Reiser. Sie kümmert sich um ihre Landwirtschaft und die dazugehörige Pension in Oberau. Dennoch ist sie mit den Kindern und Jugendlichen des SC Schellenberg bis zu fünfmal in der Woche unterwegs. Maria Reiser ist 2. Vorstand und Sportwart, seit 50 Jahren gehört sie dem Verein an, seit 30 trainiert sie Kinder von vier bis 16 Jahren – für sie eine Herzensangelegenheit. An den Wochenenden geht‘s zu den Rennen. Besonders stolz ist Maria Reiser auf Anna Veith und Patrizia Dorsch, die es weit brachten. Zusammen mit der Arbeit am Hof zu Hause hat sie alle Hände voll zu tun. „Im Sommer übernehmen die Co.-Trainer, dann kann ich mich besser um unsere Gäste in der Pension kümmern.“ Sie will weitermachen, solange es geht: „Wenn ich fit bleibe, höre ich nicht auf.“ Mit der Ehrung hat sie „wirklich nicht gerechnet“.

Herausragender Förderer des Berchtesgadener Sports 

Die Sparkasse Berchtesgadener Land setzt sich seit Jahrzehnten für die Förderung des Sports im Berchtesgadener Talkessel ein – mit 100.000 Euro jährlich im gesamten Landkreis. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Nachwuchsförderung, ohne die es letztlich weder

Breiten- noch Spitzensport geben würde. Als langjähriger Partner des Fördervereins „Sport- Talent“ ist sich das Institut bewusst und unterstützt das Talentzentrum zuverlässig und gern. Den Preis nahmen Direktor Christian Maltan und Marketing-Mitarbeiter Tobias Kastner entgegen.

Hans-Joachim Bittner/ "Sport-Gala"

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