Wahlfreiheit! Oder etwa doch nicht?

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Berchtesgadener Land - Viele kleine Schulen haben nur die Möglichkeit, entweder das G8 oder das G9 anzubieten. Deswegen sieht die JU den anstehenden Volksentscheid äußerst kritisch.

Vom 3. bis 16. Juli findet das Volksbegehren der Freien Wähler zum Thema Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 statt. Hierbei wollen die Freien Wähler erreichen, dass Schulen sowohl das acht- als auch das neunjährige Gymnasium nebeneinander anbieten können. Es wird auch gefordert, dass insbesondere kleinere Schulen die Möglichkeit haben, sich nur für eine Variante zu entscheiden. Laut Entwurf gilt diese Wahlfreiheit aber nur für Schulen und nicht direkt für Schüler. Die Jungen Union (JU) im Berchtesgadener Land sieht deshalb dieses Volksbegehren äußerst kritisch. „Die Wahlfreiheit ist gerade bei uns, wo die Schulen kaum mehr als 700 Schüler fassen, in keinster Weiser garantiert“, sagt Hannah Lotze, selbst noch Schülerin am Rottmayr-Gymnasium Laufen. „Die Tatsache, dass es immer weniger Kinder und folglich auch weniger Einschulungen gibt, macht es schon heutzutage zur Realität, dass die Schulen nicht mehr allen Wünschen gerecht werden können“, führt sie weiter aus.

Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass es bereits jetzt bei der Fremdsprachenwahl in der 5. Klasse bzw. bei der Wahl der Fächer in der Oberstufe sein kann, dass Kurse nicht zustande kommen und einige Schüler andere Fächer belegen müssen, welche nicht ihren Wünschen entsprechen. Betroffene Schüler müssen somit die Schule oder mindestens den Zweig wechseln und werden so aus ihrem Freundeskreis und gesellschaftlichen Umfeld herausgerissen oder haben die sogenannte „Wahlfreiheit“ erfahren.

Sollte eines unserer Gymnasien im Landkreis beide Formen anbieten wollen, so ist bisher nicht geklärt, was mit den Jahrgängen passiert, in denen zu wenige Schüler für eine Art angemeldet werden. „So könnte es sein, dass in einer oder mehreren Klassenstufen nur eine Variante zustande kommt. Müssen Schüler zwangsläufig den anderen Kurs belegen? Und was ist mit solchen, die die Klasse wiederholen und dann nicht in ihren Zweig gehen können?“, fragt die Schülerin. Auch ist eine enorme Belastung für Eltern zu erwarten, deren Kinder aufgrund nicht zustande gekommener Zweige auf zwei verschiedene Gymnasien gehen müssen. Für die Junge Union sind hierbei noch viele Fragen offen, auf die es bis jetzt keine Antworten gibt. „Die Wahlfreiheit ist eine gut gemeinte Idee, doch wie diese Beispiele zeigen, gerade an kleinen Schulen nicht umsetzbar und führt nur zu einem weiteren Flickenteppich in der bayerischen Schullandschaft“, sagt JU-Kreisvorsitzender Maximilian Lederer. Die Jungpolitiker gehen davon aus, dass sich die Gymnasien des Landkreises nur für G8 oder G9 entscheiden würden.

Es kann also passieren, dass ein Berchtesgadener Schüler nach Laufen oder Traunstein fahren muss, da es in Berchtesgaden und Bad Reichenhall vielleicht nicht das gewünschte G8 bzw. G9 gebe. Dies bedeutet lange Fahrtzeiten, morgens wie nachmittags, weniger Freizeit und auch die Übernahme der Fahrtkosten durch das Landratsamt müsste in so einem Fall neu geregelt werden. „Damit wird der Slogan der Freien Wähler „Mehr Zeit zum Lernen“ ad absurdum geführt, da die Schüler diese Zeit im öffentlichen Nahverkehr verbringen müssten“, so Lederer. „Die JU BGL plädiert daher für die Beibehaltung eines einheitlichen achtjährigen Gymnasiums, auch wenn dort noch einige Reformen, beispielsweise im Lehrplan, nötig sind“, meint Maximilian Lederer und fügt an, dass „die angestrebte Wahlfreiheit auf jeden Fall der Tod für einige Gymnasien im ländlichen Raum wäre“.

Pressemitteilung JU BGL

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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