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Festvortrag im Schülerforschungszentrum Berchtesgaden

Prof. Dr. Ilka Parchmann bei: „In Schulen wurden viele Fehler gemacht“

Ilka Parchmann
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Prof. Dr. Ilka Parchmann vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik.

Noch gibt es wenig Forschung, wie Schülerforschungszentren, wie jenes in Berchtesgaden, wirken. Prof. Dr. Ilka Parchmann vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik hat sich dem Thema angenommen. Sie sagt: In Schulen werde nur „linear nachgekocht“. Das sei aber „kein forschendes Lernen“. 

Berchtesgaden – In der Schule zeigen Lehrer gerne Experimente. Beim Experimentieren stehe aber schon im Vorfeld fest: „Der Lehrer möchte, dass Schüler ein Ziel erreichen.“ Das zu erreichende Ziel legt also der Lehrer fest. Mit forschendem Lernen habe dies nichts gemein, sagt Ilka Parchmann. Sie hielt kürzlich den Festvortrag im Schülerforschungszentrum Berchtesgaden, das seit mittlerweile zehn Jahren besteht. Dort forschen Schüler in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Für sie ist es unzweifelhaft: Forschung beginne nicht im Labor und nicht im Reagenzglas, sagt Parchmann, „sondern im Kopf, mit jeder Menge Ideen“. Folgt man ihren Aussagen, werde forschendes Lernen in Schulen kaum betrieben. Die Absicht der Lehrer, ein Ziel vorzugeben, das erreicht werden müsse, sei vorbestimmt.

„In Schulen wurden viele Fehler gemacht“

„In der Schule suggerieren wir gerne, dass alles linear passiert.“ Eine Idee, die Planung eines Experiments und dann das Ergebnis? So werden Probleme nicht gelöst, sagt Parchmann. Spätestens an der Universität fühlten sich so manche Studierenden dann „schlecht“. Denn Forschung bedeute eben auch: „Lernen aus Irrtümern. Tatsache ist, dass man nur besser werden kann, wenn Dinge nicht funktionieren.“ Wissenschaft sei niemals ein linearer Prozess. In der Schule werde aber das häufig vermittelt. „In Schulen wurden viele Fehler gemacht.“ Die Bereitschaft, über die Schule hinaus mit anderen Einrichtungen zu kooperieren, sei oft gering. Denn: „Nicht jeder Lehrer kann alles.“

Deshalb seien Schülerforschungszentren besonders wichtig. Junge Köpfe können sich dort ihren Interessen widmen, anders als in Schulen. „Kreativität ist gefragt, die Absicht, etwas zu schaffen. Neue Ideen dürfen weiterentwickelt werden.” 

Parchmann beschäftigt sich seit langer Zeit mit den Perspektiven für die Förderung von MINT-Talenten. Gemeinsam mit ihrem Team hat sie viele Interviews geführt, Umfragen gestartet. Geklärt werden sollen unter anderem Fragen, wie Schüler die besondere Experimentierumgebung wahrnehmen. Welche Gründe haben sie für einen Besuch eines Schülerforschungszentrums und welchen Einfluss hat die Wettbewerbsorientierung einer solchen Einrichtung auf die Schüler? „Wie können wir das, was wir in Schülerforschungszentren tun, noch breiter abbilden?“ 

Schülerforschungszentren sollen keine Parallelwelt darstellen

Für Ilka Parchmann darf ein Schülerforschungszentrum keine Parallelwelt darstellen. „Es soll verbindend wirken und anders wahrgenommen werden als der Schulunterricht“, sagt sie. Freies Forschen unter Gleichgesinnten, „ein wissenschaftliches Hobby“, sei notwendig für neue Ansätze und Ideen. Im Vergleich zum Unterricht in einer Schuleinrichtung bestehe in einem Schülerforschungszentrum eine „positive und förderliche Lernumgebung inklusive intensiverer Förderung“. Die Faktoren „Zeit und Wertschätzung“ würden großgeschrieben. Umfragen hatten ergeben, dass das Verhältnis zwischen Schülern und Betreuern als positiver Einfluss auf die Arbeitsatmosphäre wahrgenommen werden. „Lehrkräfte haben dort plötzlich viel Zeit.“  

Die Besonderheit des Schülerforschungszentrums in Berchtesgaden: „Hier gibt es ausgebaute Kooperationsstrukturen mit heimischen Unternehmen.“ Genau jene Kooperationen seien gewinnbringend, weiß Parchmann, und würden den Horizont der jungen Forscher nochmals erweitern.

kp

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