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TU will auch zukünftig unterstützen

Berchtesgadener Schülerforschungszentrum feiert zehnjähriges Jubiläum

In kleiner Runde wurde das Zehnjährige begangen. Das alte Gymnasium Berchtesgadens ist seit einer Dekade Arbeitsplatz für MINT-begeisterte Jugendliche.
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In kleiner Runde wurde das Zehnjährige begangen. Das alte Gymnasium Berchtesgadens ist seit einer Dekade Arbeitsplatz für MINT-begeisterte Jugendliche.

Das Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land unter dem Dach der Technischen Universität (TU) München feiert zehnjähriges Bestehen. Bei der Festfeier referierte der geschäftsführende Vizepräsident Studium und Lehre der TU München, Prof. Dr. Gerhard Müller. Er bestätigte, dass die TU weiterhin das Bildungszentrum, in dem MINT-Fächer vermittelt werden, unterstützen wolle. 2023 läuft der Vertrag aus.

Berchtesgaden – Das Interesse sei ungebrochen groß, „wir haben früh angefangen, junge Menschen für MINT-Fächer zu begeistern”: Mit diesen Worten begrüßte die wissenschaftliche Leiterin des Schülerforschungszentrums, Prof. Dr. Claudia Nerdel von der TUM, die anwesenden Gäste, unter anderen Altlandrat und SFZ-Gründungsmitglied Georg Grabner sowie Landrat Bernhard Kern.

Tausende Kinder aus ganz Bayern haben seit dem Startschuss vor über zehn Jahren am Schülerforschungszentrum mitgewirkt. Die Einrichtung ist in Bayern einzigartig. Das „Rüstzeug für die Wissenschaft” wolle man vermitteln. Die Frage nach MINT-Fächern dürfe nicht dem Zufall überlassen werden. Ob Mathematik, Chemie oder Technik: „Ohne Forschung im Bereich der MINT-Fächer säßen sie nackig in diesem Raum”, sagte Gastrednerin Prof. Dr. Dr. Ilka Parchmann vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel. 

Überzeugendes Konzept für leerstehendes Gymnasium

Altlandrat Georg Grabner war es, der als Ideengeber für das Schülerforschungszentrum gilt. Gemeinsam mit dem TU-Altpräsidenten Wolfgang A. Herrmann sei man „Feuer und Flamme” für das Projekt gewesen, weiß Claudia Nerdel. Weil das ehemalige Gymnasium Berchtesgadens leer stand und ein überzeugendes Konzept bereit lag, wurde schließlich ein Trägerverein gegründet, um das Schülerforschungszentrum aufzubauen und betreiben zu können.

Der Landkreis Berchtesgadener Land war dabei eines der ersten Gründungsmitglieder. Eine Million Euro wurden in das Bestandsgebäude investiert, es gab zudem LEADER-Fördergelder. Ende 2011 eröffnete der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer die Einrichtung, die bis heute als „Leuchtturmprojekt” in der Bildungslandschaft bezeichnet wird. 2013 stieg dann die TU München ein, unter deren Dach die Forschung durchgeführt wird.

Landkreis gilt als „Bildungsregion“

Landrat Bernhard Kern sagte, das Schülerforschungszentrum sei einer der wichtigsten Bausteine, damit sich der Landkreis als „Bildungsregion” bezeichnen dürfe. „Die demografische Entwicklung und der dringende Bedarf an Fachkräften geben die Richtung vor”, sagte Kern. Bereits in jungen Jahren müsse bei Jugendlichen das Interesse an der Forschung geweckt werden: „Wir müssen das Potenzial voll ausschöpfen, um im weltweiten Wettbewerb bestehen zu können.”

Bildung sei dabei das Schlüsselwort. Kern unterstrich die finanziellen Herausforderungen, an die sich der Landkreis derzeit wage und allein eine dreistellige Millionensumme in den Neubau des Bildungszentrums Freilassing investiere.

Forschungsstation der TU München auf dem Roßfeld

Zufrieden zeigte er sich, dass die TUM auch an anderer Stelle in Berchtesgaden Forschung betreibe: Auf dem Roßfeld hatte die TU vor einigen Jahren eine Forschungsstation errichtet, in der das Ökosystem des Alpenraums erforscht wird. „Das Engagement der TU macht deutlich, dass Bildungsangebote auch außerhalb der Ballungszentren notwendig sind.” Der Landkreis selbst finanziert das Schülerforschungszentrum jährlich mit knapp einer halben Million Euro.

Als „großes, gemeinsames Werk” bezeichnete der geschäftsführende Vizepräsident Studium und Lehre der TU München, Prof. Dr. Gerhard Müller, die beiden TU-Forschungseinrichtungen in Berchtesgaden. Das Thema MINT sei das „Zauberwort für die Zukunft”. Die Fachbereiche seien notwendig für die Forschung in zahlreichen Entwicklungsprozessen für Produkte des täglichen Lebens – ob Fahrzeugentwicklung, Kommunikation oder Energieversorgung. „Das Problem ist häufig, dass man MINT weder hört noch spürt – aber das Wissen steckt einfach überall drin.”  

„Maximal die Hälfte an klugen Köpfen kommt nach“

Die drängendste Schwierigkeit sei der „fehlende Nachwuchs”, sagte Müller. Die Babyboomer gingen langsam in Ruhestand. „Es kommt aber maximal die Hälfte an klugen Köpfen nach.” Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik seien große Verantwortung und Herausforderung zugleich. Analytisch fundiert zu denken und das Wissen anzuwenden, führe zu Wohlbefinden.

Das könne er aus eigener Erfahrung bestätigen. Müller ist Bauingenieur. Für die Zukunft gelte: „Nicht ein Ingenieur allein muss alles wissen.” Er forderte mehr kollaborative Lehrformen. „Wir müssen künftig viele kluge Köpfe bewusst zusammentun, um unsere Ingenieure zukunftsfähig zu machen.” Sein Fazit: „Die Potenziale der Wissenschaft sind enorm gewachsen, aber es passt nicht mehr in die Köpfe der einzelnen Menschen.”

Optimierte Betreuungsformate an Unis

Für die Universitäten bedeute dies, optimierte Betreuungsformate anzubieten. „Wir versuchen deshalb Leute zu fördern, die besondere Ideen haben.” Hunderte Start-ups seien bereits gegründet worden. Etliche Unternehmen warteten mit Ideen auf, die Potenzial haben, so etwa Isar Aerospace, ein deutsches Luft- und Raumfahrtunternehmen, das im Jahr 2018 gegründet worden war.

Laut Gerhard Müller würde in den MINT-Fächern der „Nährboden für Kreativität” gelegt. „Ich sehe das Ergebnis und bin vom Schülerforschungszentrum begeistert”, so der geschäftsführende Vizepräsident Studium und Lehre. Die TU München werde weitermachen und sich für das SFZ auch in Zukunft einsetzen.

Förderverein mit hohen Investitionen

Überzeugt, dass sich die Erfolgsgeschichte weiterführen lässt, zeigte sich auch Unternehmer Engelbert Sellmair, der mehrere große Feinwerkbetriebe führt und weltweit agiert. Er ist Vorsitzender des Fördervereins des Schülerforschungszentrums. In der heimischen Wirtschaft versucht man seit Jahren, junge Talente für Ausbildungsberufe in den MINT-Fächern zu begeistern.

270.000 Euro haben die 18 Fördermitglieder, unter anderen der Schönauer Unternehmer Heinz Quittenbaum und der Freilassinger Firmeninhaber und Großunternehmer Max Aicher, bereits in das Schülerforschungszentrum investiert, zuletzt einen 35.000 Euro teuren 3D-Drucker. „Wir wollen, dass jeder Interessierte mitmachen kann”, sagte Sellmair. „Ohne Kosten für die Eltern.”

Keine Konkurrenz zur TU München

Mit einem offensiven Beitrag wolle man dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Gleichzeitig betrachte man sich nicht als Konkurrenz zur TU München, wo das Studieren Vorrang habe. „Wir können uns gut ergänzen.” Mit deutlichen Worten machte Sellmair aber klar: „Es bringt nichts, wenn alle nur studieren wollen.

Wir brauchen auch gute Indianer und nicht nur Häuptlinge.” Ein Studium sei nicht zwingend notwendig, um Erfolg im Beruf und gleichzeitig ein gutes Gehalt auf dem Konto zu haben. „Viele unserer Betriebe, darunter einige Hidden Champions, haben volle Auftragsbücher. Aber das Personal fehlt an allen Ecken und Enden.”

kp

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